Das Dammkar bei Mittenwald im oberen Bereich
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Anziehungspunkt Dammkar: So sah die Situation am 13. Januar unterhalb der sogenannten Sprenghütte aus.

Zweithöchste Lawinenwarnstufe

„Völliger Irrsinn“: Skitourengeher riskieren bei Ausflug ihr Leben - Bergwacht-Chef identifiziert das Hauptproblem

  • vonChristof Schnürer
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Im Mittenwalder Dammkar herrscht die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Einige Unverbesserliche haben dennoch eine Skitour dort gewagt.

MittenwaldHubert Hornsteiner (62) kennt das heimische Hochgebirge aus dem Effeff. „Ich weiß, wie weit ich gehen kann“, meint der Mittenwalder mit Verweis auf seine 46-jährige Erfahrung bei der hiesigen Bergwacht. Umso entsetzter war Hornsteiner, als er am Samstagmorgen nach ergiebigen Neuschneefällen eine rund 30-köpfige Skitourengeher-Gruppe das Dammkar hinauf stapfen sah – bei Lawinenwarnstufe vier (groß). „Da war ich dermaßen von den Socken“, schildert der Isartaler diese Beobachtung. „Kein Mensch geht bei diesen Voraussetzungen ins Dammkar, das ist völliger Irrsinn. Die Gefahr da oben ist einfach riesengroß.“

Skitourengeher am Damkar unterwegs: Warnhinweise ignoriert

Ins gleiche Horn stößt Heinz Pfeffer, der Obmann der Lawinenkommission und Mittenwalder Bergwacht-Bereitschaftsleiter. Eine Tour unter diesen Bedingungen „würde ich mir nicht zumuten, denn diese könnte die letzte gewesen sein“. Aktuell türmen sich die Schneemengen auf Deutschlands längster Skiabfahrt meterhoch.

Da aufgrund der aktuellen Lage (Corona) die Karwendelbahn bis auf Weiteres ihren Fahrbetrieb eingestellt hat, finden im oberen Bereich auch keine künstlichen Sprengungen zur Minderung der Lawinengefahr statt. Umso schlimmer daher, dass einige Unverbesserliche Warnhinweise ignorieren, sie spielen förmlich mit dem Tod. Denn bei dieser Schneelage ist für Heinz Pfeffer eines auch klar: „Ich werde keinen meiner Leute dort reinschicken!“ Selbiges bestätigt auch der Krüner Bergwachtchef Sebastian Baumann für seinen Geltungsbereich. Das habe man klipp und klar kommuniziert.

Wenn es einen Vierer hat, gehe ich nicht ins Dammkar

Thomas Bucher, Pressesprecher Deutscher Alpenverein
Indiskutabel: Eine Limousine blockiert die Zufahrt zum Rettungsweg aufs Dammkar.

Einigkeit herrscht bei den Isartaler Einsatzkräften auch darin, dass Anpreisungen von hochalpinen Skitouren in den Sozialen Medien mitunter verheerende Auswirkungen haben „Das ist das Hauptproblem“, findet Baumann. Für die Alpin-Experten zwischen Wetterstein und Karwendel trägt dabei auch der Deutsche Alpenverein durch diverse Publikationen zu dieser Entwicklung bei.

Skitouren in sozialen Medien gepriesen: „Ein zweischneidiges Schwert“

„Ein zweischneidiges Schwert“, sagt DAV-Sprecher Thomas Bucher. Bei allen Verlautbarungen setze der Alpenverein „auf Ausbildung und Eigenverantwortung, das betonen wir an allen Ecken und Enden“. In puncto Lawinengefahr stellt er klar: „Wenn es einen Vierer hat, gehe ich nicht ins Dammkar.“ Mit konkreten Empfehlungen ist der DAV laut Bucher ohnehin „sehr zurückhaltend“. Nicht zuletzt aufgrund der Corona-Situation wurde beispielsweise die Rubrik „Tour der Woche“ im November 2020 vorerst auf Eis gelegt. „Wir halten uns komplett zurück, wir animieren niemanden.“

Der Tagestourismus bei alarmierender Schneelage ist das eine, die oft indiskutable Parksituation das andere. Teilweise stellen die Freizeitsportler ihre Pkw vogelwild ab. Vor kurzem postierten Unbekannte ihre Limousine direkt vor einer Schranke. Diese steht nicht umsonst an diesem Fleck. Von dort aus führt der Rettungsweg der Mittenwalder Einsatzkräfte hinauf ins Dammkar. Diese Trasse ist umso wichtiger, falls aufgrund der Wetterverhältnisse eine Hubschrauber-Bergung nicht möglich ist.

Unzählige Pkw reihten sich zudem am Wochenende entlang der B 11 zwischen Wallgau und Einsiedl. Magischer Anziehungspunkt war der Simetsberg. Im Soierngebirge herrschte vergleichsweise Ruhe. Doch sollte die Lawinenwarnstufe dort runter gesetzt werden, schwant Krüns Bergwachtchef Baumann Übles: „Dann werden wir überrannt.“

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