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Packen an: der neue Beisitzer Michael Schaarschmidt und die kommissarische Vorsitzende Ingrid Sailer.

Vize-Vorsitzende bestreitet das Rumpfjahr

Touristikverein Mittenwald sucht Führungsperson - es gibt aber eine Übergangslösung

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Die Entwicklung beim Touristikverein Mittenwald stimmt den Bürgermeister nachdenklich. Von den Vermietern fehlt das Interesse. Ebenso stellte sich kein neuer Kandidat für den Chefposten zur Verfügung. 

Mittenwald – Sie war nervös. Aufgeregt wie ein kleines Schulmädl, gab Ingrid Sailer zu. Sie musste im Postkeller die Jahresversammlung leiten. Eine Aufgabe, die sonst eigentlich dem Vorsitzenden des Touristikvereins Mittenwald zukommt. Doch den gibt es nicht mehr. Michael Liebl, seit 2011 im Amt, ist im Juli 2018 kurzfristig zurückgetreten. Deshalb wurde die Sitzung samt Wahl – sie wäre gemäß dem Drei-Jahres-Rhythmus erst 2020 fällig – vorgezogen. Und zwar um vakante Posten zu besetzen.

In erster Linie ging es der Vize-Vereinschefin Sailer, die nach Liebls Ausscheiden im August vergangenen Jahres die Führung kommissarisch übernommen hatte, darum, den verwaisten Posten wieder mit Leben zu erfüllen. Im Idealfall mit einem Einheimischen der späteren Generation. „Unsere Zukunft sind die Nachkommen“, betonte die 61-Jährige, „die jungen Vermieter, die sich um die Belange des Tourismus kümmern sollten.“ Bereits im März hatte Sailer in einem Rundbrief auf die Personalangelegenheit hingewiesen, stieß aber auf null Resonanz. „Keiner hat sich gemeldet.“

Touristikverein vor großer Aufgabe

Potenzielle Interessenten fanden sich auch im Postkeller nicht. Doch Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) hatte bereits ein paar Tage vor der Versammlung ein Gespräch geführt. Der Plan B: Der kommissarische Kopf des Vereins wäre bereit, bis zur nächsten Versammlung 2020, bei der Wahlen des kompletten Vorstands anstehen, weiterzumachen. Ohne Veto stimmten die Mitglieder dafür, dass Sailer als Vize die Geschäfte so lange leitet.

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Das „Rumpfjahr“, wie es der Rathauschef bezeichnete, bietet nun die Zeit, um bei den bisherigen oder bei neuen Mitgliedern zu werben. „Man muss jetzt neu aufsetzen“, betonte der „Mous’n-Adi“. „Die Leute mehr motivieren und einen neuen Vorsitzenden generieren.“

Leichter war es, den Posten von Beisitzer Sepp Sprenger, der ebenfalls sein Amt niedergelegt hatte, zu bestücken. Michael Schaarschmidt von der Goaßalm stellte sich zur Verfügung. Trotzdem schlug Hornsteiner ernste Töne an. Dazu veranlasste ihn schon allein der Blick in die Runde mit gerade einmal 20 Anwesenden, darunter ein paar Gemeinderäte. Und das bei 146 Mitgliedern. Der Mittenwalder Bürgermeister erinnerte an frühere Versammlungen im alten Postkeller, zu denen 100 bis 120 Leute erschienen waren. Ihn stimmt nachdenklich, wenn ein Verein, der in guten Händen sei und „der sich jahrzehntelang eingebracht hat, nicht mehr wahrgenommen wird“.

Bürgermeister nennt  mögliche Ursache für die Entwicklung

Über die fehlende Beteiligung von Seiten der Vermieter hatte sich zuvor schon Sailer beklagt. Die angebotenen Stammtische beispielsweise werden ihr zufolge nur sehr spärlich besucht. „Es ist traurig, dass sich die Mittenwalder nicht an uns rantrauen“, sagte sie. Zumal der Verein in enger Verbindung mit der Alpenwelt Karwendel steht, Sorgen und Anregungen weitervermittelt und gemeinsam ein attraktives Angebot für Gäste auf die Beine stellt. Der Stand am Christkindlmarkt als nur ein Beispiel.

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Der Touristikverein ist aktiv – und wird es bleiben. Unter anderem platziert der Verein in Absprache mit dem Wirt beim Saitenstraßen-Auftaktkonzert am Gasthof St. Anton Liegestühle für die Besucher. Außerdem ist ein Stammtisch zum Bürgerhaus-Konzept geplant.

Gleichwohl muss der Verein die Entwicklung hinterfragen, meinte der Rathauschef. „Das ist nichts Böses.“ Eine Ursache für die Probleme sieht Hornsteiner im Zeitgeist in Bezug auf das Ehrenamt. Den nachwachsenden Generationen müsse bewusst sein, dass sie ein Privileg haben, Geschicke selbst zu lenken. Im anderen Fall „werden das andere übernehmen“, ist sich der Rathauschef sicher. „Das wäre der zweitbeste Weg.“ Die Gemeinde jedenfalls werde dem Touristikverein mit Rat und Tat zur Seite stehen – in den „nicht ganz einfachen Zeiten“.

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