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Bleibt vorerst stehen: Das stillgelegte Wasserkraftwerk Leutasch sollte beim Bau einer größeren Anlage eigentlich abgerissen werden. 

Grenzüberschreitendes Projekt

Mittenwald beerdigt Wasserkraftwerk

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Regenerative Energie-Gewinnung an der Leutascher Ache wird es bis auf Weiteres in Mittenwald und bei den Tiroler Nachbarn nicht geben. Am kommenden Dienstag wird das grenzüberschreitende Projekt im Kommunalparlament politisch zu Grabe getragen.

Mittenwald – Zu teuer und zu geringe Einnahmen: Auf diese Kurzformel könnte man das Wasserkraftwerk an der Leutascher Ache bringen. Vor sieben Jahren starteten die beiden Kommunen Mittenwald und Leutasch ihre grenzüberschreitende Energiewende (wir berichteten). Es folgten Gespräche über Gespräche über die Machbarkeit dieses Projekts. Alles letztlich vergebens: Am kommenden Dienstag wird der Marktgemeinderat (19 Uhr/Sitzungssaal im Rathaus) nach eingehender Prüfung und auf Empfehlung des Aufsichtsrats der Karwendel, Energie & Wasser GmbH (KEW) das Vorhaben beerdigen.

„Die Baukosten sind enorm gestiegen, und die Einspeise-Vergütung sinkt“, schildert Gemeindewerks- und KEW-Chef Matthias Pöll das Dilemma. „Das Risiko ist deshalb einfach zu groß.“ Im Januar 2013, als die ehrgeizigen Pläne durchsickerten, hörte sich das noch etwas anders an. „Wir sind vorsichtig optimistisch“, meinte seinerzeit der KEW-Chef. Nun aber kommt der Energie-Experte zu dem bitteren Schluss: „Wir sind uns einig, dass das Projekt nicht wirtschaftlich ist.“

Daher bleibt dem Marktgemeinderat gar nichts anderes übrig, als dieses verheißungsvolle Vorhaben mit grenzüberschreitendem Signal zu Grabe zutragen.

Das wollte vor einigen Tagen auch die bisherige Tiroler Partnerkommune Leutasch tun. Genauer gesagt: Die Volksvertreter sollten nach der ernüchternden Expertise der Mittenwalder KEW namens der Gemeinde auf das Vorkaufsrecht für das stillgelegte TIWAG-Kraftwerk zugunsten eines Interessenten aus Unterleutasch verzichten. Letztlich wurde der Tagesordnungspunkt laut Plateauzeitung auf Intervention von Gemeinderat Alwin Nairz wegen fehlender Informationen auf die kommende Sitzung verschoben.

Hintergrund:

Das Projekt Wasserkraftwerk an der Leutascher Ache (Geisterklamm) sollte 11,5 Millionen Euro kosten. Mit der Anlage wollte man maximal 15 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Damit wäre rund 50 Prozent des Mittenwalder Energie-Bedarfs abgedeckt. Zunächst visierten die Partner Leutasch, Mittenwald und KEW an, der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) das Wasserrecht an dem von ihr stillgelegten Kraftwerk zu erwerben, dann Verhandlungen mit der Tiroler Landesregierung, dem Landratsamt und den betroffenen Grundstückseigentümern zu führen. Was war geplant? An der Klammbrücke sollte am dortigen Wehr Wasser der Leutascher Ache eingeleitet und in einem 600 Meter langen Kanal zu einem Sandfang geführt werden. Dann sollte das Wasser bei leichtem Gefälle weiter durch einen 1,7 Kilometer langen und zwei Meter dicken, unterirdischen Stollen bis zum Wasserschloss nahe des Berggasthofs Gletscherschliff fließen. Dort hätte der bayerische Teil der Anlage begonnen. Ab hier wären die Wassermassen 95 Meter senkrecht in die Tiefe und weiter in leichtem Gefälle bis zum Kraftwerk in der Wörth gedonnert – drei Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Über eine knapp 700 Meter lange Leitung Richtung Mittenwald in 80 Zentimeter Tiefe sollte der Strom in das Netz der heimischen Karwendel, Energie & Wasser GmbH (KEW) eingespeist werden.

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