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Vision in der Puit: So könnte ein Veranstaltungszentrum in der Mittenwalder Kuranlage aussehen.

Eine besondere Masterarbeit

Kampf dem Klischee: Mittenwalder plant „Puit 2.0“ 

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Ein neuer Veranstaltungssaal für Mittenwald steht schon lange auf der Agenda der Kommune. Nun bringt der angehende Architekt Andreas Reiser mit seiner Masterarbeit eine neue Sichtweise in die Planung: In Form eines „Kulturstadls“ in derKuranlage Puit.

Mittenwald – Ein hell erleuchtetes Gebäude vor schwarzem Hintergrund. Vögel fliegen am Himmel. Warmes Licht strahlt aus der modernen Holzkonstruktion. Selbst ein Mittenwalder muss zweimal hinschauen, ehe er den Standort dieses Hauses zuordnen kann. Das Gebäude in schlichter, ästhetischer Optik steht in der Kuranlage Puit an der Stelle der Freilichtbühne. Der Wandelgang daneben ist deutlich zu erkennen, hat aber in dieser Vision „Puit 2.0“ vom Mittenwalder Andreas Reiser (26) eine andere Funktion als bisher. So könnte sich der angehende Architekt die Kuranlage der Zukunft im Ortsteil Gries vorstellen – zumindest in seiner Masterarbeit. Diese hat er nun in München einer Fachjury von vier Professoren aus verschiedenen Bereichen präsentiert – und bei der Bewertung als einer der Besten unter den Architektur-Studenten abgeschnitten.

Die Idee für ein Veranstaltungszentrum in der Kuranlage schwebte ihm schon länger vor. „Ganz Mittenwald redet ja zur Zeit über einen neuen Veranstaltungssaal“, sagt Reiser. Deshalb empfand er dieses aktuelle Thema als das richtige für den Abschluss seines Studiums an der Hochschule München.

Der Standort Puit ist für ihn prädestiniert für ein kulturelles Zentrum: „Die Kuranlage liegt genau auf der Achse Bahnhof, Obermarkt und eben der Puit.“ Sein fiktiver Veranstaltungssaal ist „auf das einfachste beschränkt“, erklärt Reiser seinen Entwurf. „Wahrscheinlich hat es noch nie eine Masterarbeit mit so wenig Räumen gegeben“, sagt er schmunzelnd. Doch genau dieses einfache Konzept hat seine Professoren begeistert. Reiser nutzte die Bestandsgebäude, die ihm zufolge zwar gut in die Grünanlage positioniert sind, gestalterisch aber nicht – beziehungsweise nicht mehr – ins Ortsbild passen.

Reiser nennt‘s „Kulturstadl“

Mittenwald in Miniaturform: Andreas Reiser erklärt den Professoren seine Pläne rund um den Kurpark Puit.

Deshalb ließ er vor allem eines in seine Pläne mit einfließen: das alte Wissen der Isartaler, das sich über Jahrhunderte im Stadlbau entwickelt hat. Auch sein Veranstaltungszentrum ist vom Prinzip her gleich errichtet. Es folgt der architektonischen Regel der kleinen Holzstadl in und um Mittenwald. Das Hauptgebäude ist konisch geformt und von einem Holzschleier umgeben. Als „Kulturstadl“, beschreibt es der angehende Architekt. Darin befindet sich ein Saal für etwa 350 bis 400 Personen im ersten Stock. Im Parterre plant Reiser Tagungs-, Probe- und Lagerräume, die je nach Bedarf dank mobiler Wände in Größe und Form kurzerhand verändert werden können.

Der bereits vorhandene Wandelgang würde seinen Plänen nach energetisch saniert und zu einem Ausstellungsraum mit ausklappbaren Wandelementen samt einem kleinen Café mit überschaubarer Küche werden. Die Freiluftbühne bliebe aufgrund der geschickten Wandschieberei erhalten, vor dem Konstrukt läge ein freizügiger Vorplatz am Weiher.

Mit seinem Entwurf will Reiser einen Konsens schaffen, „der es erlaubt, Tradition mit der Moderne zu verbinden“. Damit sagt er den vielen im Alpenland entstandenen Kurhäusern den Kampf an, die „in ihrer Kubatur und Architektursprache etwas befremdliches, ja sogar Verfälschtes in sich tragen“. Traditionelle Architektur wurde oftmals „zum Abklatsch eines Klischees, das jedes alpenländische Dorf zu erfüllen hatte“. Es sei somit die neue Herausforderung, „diese Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen“.

Bei den Professoren konnte er schon mal punkten

Ein ganzes Semester lang hat er sich intensiv mit dem 18 000 Quadratmeter großen Baugrundstück befasst. Ließ sich alte Pläne geben, auf denen bereits in den 1950-er Jahren ein Kurhaus geplant gewesen war. Damals noch am Klausnerweg. Das Ergebnis hat er mit einem Modell im Maßstab 1:500 den Professoren vorgestellt, die seine Masterarbeit mit „sehr gut“ bewerteten.

Sein Architektur-Studium hat Reiser somit erfolgreich abgeschlossen. Von dieser wissenschaftlichen Abschlussarbeit könnte nun auch die Marktgemeinde Mittenwald profitieren. Denn die Pläne sollen jetzt nicht einfach in einer Schublade verschwinden und einstauben. Reiser will vielmehr einen neuen Impuls geben in der Debatte rund um ein Kurhaus für den Markt. Noch ist die Gemeinde offen für Ideen und Anregungen. Dass es einen Veranstaltungssaal braucht, ist – außer von wenigen Gemeinderäten – unumstritten. Reiser würde sich freuen, wenn einige seiner Ideen bei der Umsetzung zum Zuge kommen. Auf die Gemeinde will er jetzt zugehen.

Bereits Anfang des Jahres haben die Freien Wähler, allen voran Florian Lipp und Georg Seitz, den bis dato jüngsten Vorschlag ausgearbeitet und mit in die Planungen eingebracht. In ihrem Konzept ergänzen sie den Veranstaltungssaal um einen Wellness-Bereich auf dem Bürgerhaus-Areal. Bevor es zur Umsetzung kommt, muss allerdings zuerst eine neue Mehrfachturnhalle entstehen.

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