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Sind absolut zufrieden mit dem Bauwerk: (v.l.) Adolf Hornsteiner, Horst Hofmann und Andreas Funk.

Das rettende Ufer erreicht

Hochwasserschutz in Mittenwald im Endspurt: Schutz-Barriere im Laintal so gut wie fertig

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Das Projekt im Laintal hatte es in sich. Jetzt befinden sich die Arbeiten für die so genannte Geschiebe-Rückhaltesperre auf der Zielgeraden. Im Frühjahr wird Einweihung gefeiert.

Mittenwald – Horst Hofmann konnte es sich nicht vorstellen. Wie sollen wir dort hinkommen, hat er sich gedacht. Mit den großen Geräten, die für den Bau der Schutzbarriere nötig sind. Der Weg – eng. Nur ein schmaler Wanderpfad, der zum Lautersee führt. Wird heikel, das war dem Sachgebietsleiter vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim klar.

Da ist das Ding! Die so genannte Geschiebe-Rückhaltesperre im Laintal ist fertig. Für das Wasserwirtschaftsamt Weilheim stehen nur noch Restarbeiten auf dem Programm.

Heute, gut ein Jahr nach dem Baustart, sind die Zweifel verschwunden. Hofmann steht mit Kollege Andreas Funk und Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) mitten auf der Fahrstraße, ein Bagger hinter ihm. Die scheinbar unmögliche Voraussetzung für die Errichtung der so genannten Geschiebe-Rückhaltesperre konnte geschaffen werden.

Die Schutzvorkehrung ist mittlerweile fertig, nur ein paar Restarbeiten auf dem Areal stehen noch aus. Zum Beispiel muss das Brückerl oberhalb, das verlegt worden ist, wieder hergerichtet werden. Die Fundamente sind gesetzt, die Stahlteile so gut wie unterwegs. In den kommenden zwei bis drei Wochen soll dieses Thema abgeschlossen sein. Auch der Weg rückt wieder in den Fokus. Statt breiter wird er wieder schmäler. „Er soll die Optik eines Wanderweges haben“, betont Funk. So wie früher, nur bleiben zwei Fahrspuren sowie ein Grünstreifen in der Mitte. Geht nicht anders. Wegen des Unterhalts der künstlichen Barriere. Sie muss erreichbar sein.

Kosten wie kalkuliert

Gerne wäre Hofmann schneller zum Ende gekommen. August hatte er anvisiert. „Ein paar Arbeiten haben sich gezogen“, sagt er. Dafür sei die Sperre weiter oben kurzerhand mitsaniert worden. „Macht Sinn“, findet Flussmeister Andreas Funk, wenn doch schon die Maschinen vor Ort sind.

Die drei Männer sind hochzufrieden mit dem Ergebnis des Projekts, das zur acht Millionen Euro teuren Hochwasserschutz-Verbauung am Lainbach zählt. „Die Bauzeit war äußerst knapp konzipiert“, betont Bürgermeister Hornsteiner. Und dennoch sei sie einhalten worden. Eine Punktlandung gelang zudem bei den Kosten von knapp einer Million Euro. „Etwa 110 000 Euro haben wir noch Luft“, sagt Hofmann. Übrig bleibt aber nichts.

Der Feinschliff: Im Gries wird das Geländer am Gerinne angebracht, diese Woche die Straße asphaltiert.

Jeder Cent ist gut investiert. Es geht um die Sicherheit der Bevölkerung bei Murenabgängen oder Starkregenereignissen. Sechs Kubikmeter Wasser pro Sekunde schießen dann in Richtung Ort, samt Schwemmholz und Gestein. Wie schnell eine Gefahr daraus entsteht, zeigte sich im Juni in Garmisch-Partenkirchen. Die Partnach hatte sich in einen Strom verwandelt, in der gewaltige Mengen an Holz mitgerissen worden sind. Ein Mann starb in den Fluten.

500 Kubikmeter angespültes Material kann die Sperre mit dem Stahl-Fangnetz im Laintal zurückhalten. Früher waren’s nur rund 45. Eine deutliche Verbesserung. Sozusagen eine Art Lebensversicherung, gerade für Anlieger. Hofmann bezeichnet es ganz bewusst als „Schlüsselbauwerk“. Im Ort sei es ob der engen Platzverhältnisse nicht möglich gewesen, das Lainbach-Gerinne größer zu gestalten. Wäre es im Ernstfall zu Verklausungen, also Verstopfungen, durch das Treibgut gekommen, hätte sich das Wasser seinen Weg gesucht. „Da helfen dann die ganzen acht Millionen Euro nichts.“

Natur soll sich wieder entfalten

So wichtig die Maßnahme mit der steinernen Sperre ist, so greift man mit ihr doch auch in die Natur ein. Darüber sind sich die Verantwortlichen im Klaren. „Jede Baustelle ist eine Wunde“, räumt Hofmann ein. Deshalb versuchte das WWA, optisch ansprechende Lösungen zu finden. Beispielsweise bei den Steinkörben, den Gabionen, die auf über 200 Bohrpfählen angebracht wurden und die den Hang sichern: „Da war früher Dschungel“, erklärt der Experte und versichert, dass Pflanzen nachwachsen werden. Unter anderem setzte man Weidenstöcke ein. „Wir müssen der Natur Zeit geben, um sich zu entfalten“, ergänzt Hornsteiner, der auf den Lawinenschutzwall an der Rainlähne verweist. Das beste Beispiel für ihn. „Nach einem Jahr sieht man schon, dass sich die Natur mit voller Kraft regeneriert.“

Hangsicherung: Die Steinkörbe sind auf 200 Bohrpfählen angebracht.

Eine Welle der Empörung blieb ohnehin aus. Die Anlieger – absolut kooperativ. Und auch die Zusammenarbeit zwischen der Behörde und dem Markt lief bestens, meint Hornsteiner. Kann Hofmann nur bestätigen. Es bereite mehr Spaß, „wenn man ein Projekt miteinander macht, statt nur Prügel zwischen die Beine geworfen zu bekommen.“

Noch in diesem Winter soll nun der Laintalweg wieder geöffnet werden. Den Bereich zwischen dem ersten Mittenwalder Schwimmbad westlich der Baustelle bis zur Mariengrotte saniert die Gemeinde im Frühjahr. Dann ist auch die offizielle Einweihung geplant. Der Rathauschef vertritt die Meinung: „Das hat die Baumaßnahme verdient.“

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