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Ein Fotobuch voller schöner Erinnerungen: (v. l.) Luitpold Wurmer, Hermann Giefer und Klaus Ronge schauen sich in der Alpenrose die Bilder der Kundschelamant-Veranstaltungen an und begeben sich auf eine Zeitreise.

 Historische Kömödie mit buntem Treiben lockte Besucher von Nah und Fern an

Kult-Veranstaltung Kundschelamant wird 25 Jahre: Das planen Schauspieler Giefer und Co. 

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Die Zeitreise kann beginnen: Vor 25 Jahren wurde die historische Komödie „Kundschelamant“ zum ersten Mal unterm Karwendel aufgeführt. Jetzt planen Hermann Giefer, Luitpold Wurmer und Klaus Ronge ein Wiedersehens-Fest in der Mittenwalder Puit.

Mittenwald– Hermann Giefer grübelt und grübelt. Wie gelingt es ihm nur, dass die Hennen an einer Stelle sitzen bleiben, bis er mit seinem Pferd in die Puit galoppiert? Dass sie wegfliegen, wenn er einreitet? Er probiert’s mit fischigen Leckerbissen, füttert die Hühner mit Sardellen. So sind sie erst einmal beschäftigt. Der gewiefte Plan geht auf. Aber nur in der ersten Zeit. Er, der Hennen-Dresseur, hat die Rechnung ohne den Bio-Rhythmus des Federviehs gemacht.

Das war 1994. Bei den ersten Aufführungen des historischen Freilicht-Theaters Kundschelamant in der Mittenwalder Kuranlage. Schauspieler Giefer sitzt im Gasthaus Alpenrose im Obermarkt, neben ihm Luitpold Wurmer, 68, und Klaus Ronge, 69. Die drei Männer der ersten Stunde blättern in Fotoalben, schwelgen in Erinnerungen. „Ich habe Fehler gemacht“, räumt der heute 72-Jährige ein. Er unterschätzte die Jahreszeit. Bis 22. September waren bei der ersten Auflage die Auftritte geplant. Giefer bedachte nicht, dass es im September früher finster wird, die Temperaturen schon sinken. „Die Kinder liefen abends barfuß herum“, erzählt er. Und seine Hennen? Die wollten um die Zeit im Stall eine ruhige Kugel schieben. Die Sardellen-Verlockung zog nicht mehr.

Name ist keine Erfindung

Dreimal findet Kundschelamant – der Name stammt aus dem Mittelhochdeutschen, war Anfang des 15. Jahrhundert bereits bekannt und ein Ausdruck für einen schlitzohrigen Liebhaber – statt. 1994, 1998 und 2004. Zuschauer strömen aus der Region und darüber hinaus ins Isartal, um in die spätmittelalterliche Welt einzutauchen. Die Veranstaltung bekommt Kult-Charakter. Den hat sie bis heute. „Wenn ich in Tutzing in den Zug einsteige oder über den Viktualienmarkt gehe“, sagt Giefer, bekannt als Martin Kirchleitner in der Soap „Dahoam is Dahoam“, „werde ich auf Kundschelamant angesprochen.“ Oder von jetzt Erwachsenen, die das historische Treiben mit Feuerspuckern, Stelzengehern, authentischer Musik, Handwerkerständen und der Komödie auf der Bühne als Kind erlebten.

Ein neuer Anlauf 2014 scheiterte. Jetzt aber soll ein „illustres Fest“ gefeiert werden, sagt Wurmer. Zum 25. Jubiläum. Das Trio organisiert für Ende Juni ein großes Treffen. Am gleichen Ort, mit den gleichen Mitwirkenden und den Fans. Mit Einlagen, aber ohne festes Programm und Inszenierung. „Aufhänger ist das Wiedersehen“, betont Giefer. Samt Speis und Trank. Der Erlös fließt an das Mittenwalder Kinderheim „s’Mauganest“.

Bei Karl-May-Festspielen infiziert sich Giefer mit dem Freilicht-Virus

Die Vorbereitungen für die Benefizveranstaltung laufen, die ersten Darsteller von früher werden eingeladen – so weit die aktuellen Adressen herauszufinden sind. Eines ist klar: „Wir müssen mit Scheißwetter rechnen“, sagt Giefer. Zur Not wird mit der Wandelhalle improvisiert. Auf einen Ausweichtermin verzichten die drei Männer. Freilicht sei Freilicht. Wer kommt – gerne in typischem Kostüm –, darf sich auf viel Bildmaterial von früher freuen. Auf eine Fotowand, an der man sich bedienen darf, und vielleicht auf eine Diashow. Giefer lagert einen reichen Fundus an Bildern in seinem Keller. „Ich kann sie nicht wegwerfen.“ Weiß er sie in guten Händen, soll’s ihm aber recht sein. Auch, wenn er dran hängt.

Ohne den 72-Jährigen hätte es Kundschelamant wohl nie gegeben. Er war der Ideengeber, der Kopf des Ganzen. Bei den Karl-May-Festspielen, bei denen er ab 1989 für drei Jahre Old Shatterhand verkörpert hatte, infiziert sich der gebürtige Rheinland-Pfälzer, der nach seiner Zeit bei den Gebirgsjägern in Mittenwald hängen geblieben ist, mit dem Freilicht-Fieber. „1991 hab’ ich schon angefangen zu spinnen.“ Nichts Hochkulturelles, Intellektuelles wollte Giefer auf die Beine stellen. Sondern etwas Unterhaltsames. Beim Bozner Markt 1992 wird schließlich die Idee geboren, mit einem Theaterstück diese Zeit aufleben zu lassen. „Damals gab’s die Schwemme an Mittelalter-Veranstaltungen noch nicht“, sagt Ronge. Nur die Kaltenberger Ritterspiele und ganz frisch die Hexe von Schongau.

Aus der Puit wird ein kleiner Ortsteil

Könner am Werk: Bei den Aufführungen stehen unter anderem (v. l.) Hansi Kraus, Sepp Schauer, Hermann Giefer (r.) und Georg Sailer (jetziger Spielleiter der Bozner-Markt-Inszenierung) auf der Bühne.

Als „Glück der Stunde“ bezeichnet der damalige Tourismus-Direktor des Ortes, dass Giefer über gute Kontakte verfügte. So ergibt sich damals eine stimmige Symbiose aus Laien-Schauspielern, einheimischen Darstellern und Profis wie Sepp Schauer, Conny Glogger, Klaus Guth, Hansi Kraus oder Fredl Fesl. Sie treten für eine geringe Gage auf – der Freundschaft wegen. Weit über 100 Leute sind Teil der Veranstaltung. „Es war eine Kundschelamant-Familie“, erzählt Wurmer, „die wunderbar funktionierte.“ Eine, die gemeinsam Ausflüge, zum Beispiel aufs Karwendel, unternimmt oder einfach nur gemütlich bei einem Glas Roten zusammensitzt.

Die Rollen für die beiden Stücke „Kundschelamant“ und „D’Liab gegen d’Lumperei“ sind nicht ohne Grund heiß begehrt. Die Veranstaltung entwickelt sich. Wie auch das Bühnenbild. Während 1994 einfach die Stühle in der Puit um 180 Grad gedreht werden, und sich der Fokus auf das extra aufgestellte Gebäude konzentriert, mausert sich der Spielort 2004 zu einem kleinen Ortsteil mit Rottwegen.

Glühwein statt Wein

Dafür machen Giefer und Co. bei der letzten Auflage Regen und Gewitter zu schaffen. Ronge legt in der Alpenrose eine Liste auf den Tisch. Eine Wetter-Übersicht. „Wir haben statt Wein Glühwein ausgeschenkt“, sagt er. Der traurige Höhepunkt damals: Ein Blitz schlägt in die Schupfnudelpfanne ein, der Koch wird verletzt.

Es sind aber die schönen, lustigen Erinnerungen, die bleiben. Die an die fünfstündige Unterhaltung. An das besondere Flair und die mittelalterlichen Kostüme. An die Mittenwalder, wie sie abends draußen Wein trinken. Oder an die Kinder, die am Lagerfeuer sitzen – und sich dort vielleicht die nackerten Füße wärmen. Die Männer blättern im zweiten Fotoalbum, versinken in der Vergangenheit. Giefer schaut Ronge an und sagt: „Ohne dich wär’s nicht gegangen.“ Die Veranstalter von damals ziehen heute noch an einem Strang. Für Kundschelamant – ein Mittenwalder Original.

Das große Wiedersehen

findet am Samstag, 29. Juni, ab 16 Uhr in der Mittenwalder Kuranlage Puit statt. Eingeladen sind alle Darsteller und Mitwirkenden sowie alle Freunde der historischen Veranstaltung. Los geht’s um 16 Uhr. Der Erlös kommt dem Mittenwalder Kinderheim zugute.

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