Einen guten Tropfen in der Sonne genießen (v.l.) Marion Pohl, Inge Loeffler und Lucy Pohl vor der Kneipe – ganz ohne Verkehr in der neu aufgestuhlten zweiten Reihe. 
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Einen guten Tropfen in der Sonne genießen (v.l.) Marion Pohl, Inge Loeffler und Lucy Pohl vor der Kneipe – ganz ohne Verkehr in der neu aufgestuhlten zweiten Reihe. 

Dritter Bürgermeister erzürnt über Anfeindungen

Hochstraßen-Hammer: Viele genießen, wenige schimpfen

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Josef Kehr, Kneipenwirt an der Mittenwalder Hochstraße, zieht ein positives Fazit nach den Pfingstfeiertagen – Anfeindungen wegen der neuen Sperre der Hochstraße muss er dennoch über sich ergehen lassen.

Mittenwald – Die Sperre der Hochstraße polarisiert. Während die einen den spontanen Beschluss feiern, den der Mittenwalder Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung in einer Kampfabstimmung getroffen hat, gehen andere auf die Barrikaden. Das spürt momentan vor allem einer: Josef Kehr, Wirt der „Kneipe“. Eigentlich wollte der Betreiber des Kultlokals an jenem Abend vor dem Gemeinderat nur eine Stellungnahme abgeben, nachdem sich der dritte Bürgermeister Gerhard Schöner (CSU) nach der aktuellen Situation an der Hochstraße erkundigt hatte. Sein Wunsch war, lediglich eine weitere Tisch-Reihe vor seinem Lokal aufstuhlen zu dürfen, um der Flaute durch die Coronakrise zumindest etwas entgegen wirkenzu können.Er staunte nicht schlecht, als die Hochstraße kurzerhand gleich zur Fußgängerzone umgewandelt wurde.

Seit Samstag ist nun dem Verkehr an neuralgischen Stellen wie am Vorplatz der Pfarrkirche St. Peter und Paul zwischen 10 und 22 Uhr der Garaus gemacht.Über die Pfingstfeiertage genossen bereits viele Gäste als auch Einheimische ihre Getränke in der erweiterten Außengastronomie im Sonnenschein. „Die meisten haben sich sehr positiv über die neue Sperre ausgesprochen“, sagt Kehr über das verlängerte Wochenende. Doch sieht sich der Kneipenwirt auch Anfeindungen ausgesetzt. So sei er bereits von Einheimischen aus einem fahrenden Auto heraus als „Arschloch“ beschimpft worden. Einer trat ihm sogar gegen den Sonnenschirm. Auch wenn Kehr solche Situationen traurig stimmen, „sind das aber die Ausnahmefälle“.

Dritter Bürgermeister Gerhard Schöner (CSU) ärgert sich über Anfeindungen

Solches Verhalten bringt Schöner auf die Palme. In einem öffentlichen Statement in den sozialen Medien macht er seinem Ärger gehörig Luft. Denn die Kritik treffe den Falschen. „Lasst mir den Kehr Seppi in Ruhe“, schreibt er. Denn er habe „nie verlangt, die Hochstraße dicht zu machen“. Wer jetzt ein Problem mit dieser Entscheidung hat, solle „gefälligst die Gemeinderäte loben oder schimpfen, die das beschlossen haben“. Bekanntlich waren das die Fraktionsmitglieder der SPD, der Freien Wähler und der Bürgervereinigung. Die CSU sowie Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) stimmten statt Vollsperrung für eine Einbahnstraße.

Nach der CSU hat sich nun auch die SPD in einem offenen Brief an die Bürger gewandt. Einen einspurigen Verkehr halten sie für Fußgänger und Radfahrer als „sehr riskant“. Fußgänger würden an die Ränder der neun Meter breiten Fahrbahn gedrängt, müssten sich „zwischen Kleider- und Brillenständer entlang schlängeln“. Die Sicherheit würde „zu wenig berücksichtigt“. Von einer Entscheidung „aus dem Bauch heraus“ wollen sie nichts wissen. Schließlich habe man bereits genug Erfahrungen aus Veranstaltungen wie dem Bozner Markt oder dem Christkindlmarkt gesammelt.

Konzept soll bald Klarheit über die Zukunft der Hochstraßen-Regelung bringen

Die Kritik, dass für Restaurants und Einzelhändler im Gries Nachteile entstehen sollen, könne die SPD nicht nachvollziehen. Diese Lokale und Geschäfte seien schließlich „auch weiterhin mit dem Pkw, zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar“. Und wer plant, dort einzukaufen oder zu essen, lasse sich „von einem zirka fünfminütigem Umweg“ nicht davon abhalten. Allerdings räumen die Sozialdemokraten ein, dass auf die Bewohner des Ortsteils Gries, am Lauterseefeld und an der Goethestraße für einige Wochen „mehr Verkehrsbelastung hinzukommt“.

Gespannt sind alle Fraktionsmitglieder auf eine erneute Zusammenkunft in wenigen Wochen, wenn aus den Erfahrungen ein Konzept erstellt wird, das die Verkehrslenkung regelt – für Einheimische, Gäste und natürlich Einsatzkräfte.

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