10 000 Kubikmeter Fels wird weggesprengt (v.l.): Cristian Iulian Botica (Projektmanager), Ulrich Franzky und Tochter Antonia Franzky (Investorfamilie), Bernd Bortenlänger (Projektsteuerer Vitzthum), Bürgermeister Enrico Corongiu, Lena Ranft (Projektsteurer Vitzthum), Sabine Gschwendtner (Silva-Mountain) und Marktbaumeister Ralf Bues.
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10 000 Kubikmeter Fels wird weggesprengt (v.l.): Cristian Iulian Botica (Projektmanager), Ulrich Franzky und Tochter Antonia Franzky (Investorfamilie), Bernd Bortenlänger (Projektsteuerer Vitzthum), Bürgermeister Enrico Corongiu, Lena Ranft (Projektsteurer Vitzthum), Sabine Gschwendtner (Silva-Mountain) und Marktbaumeister Ralf Bues.

Silva-Mountain Berghotel

Mittenwalder Latscheneck: Ab Montag wird der große Fels weggesprengt

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Um das Vier-Sterne-Superior-Hotel Silva-Mountain zu verwirklichen, müssen 10.000 Kubikmeter Gestein verschwinden. Dafür braucht es wiederum vier Tonnen Sprengstoff.

Mittenwald – Der Ort ist strenggeheim. Nur ein kleiner eingeweihter Kreis rund um Arno Bade weiß, wo er gelagert wird, der Sprengstoff, ganze vier Tonnen. So viel braucht es, um jene Gesteinsmasse verschwinden zu lassen, die dem Silva-Mountain Berghotel am Latscheneck im Weg sind. Mit einem Lastwagen hat der Sprengmeister und Geschäftsführer der Firma „Sprengtechnik Allgäu“ die explosive Fracht nach Mittenwald gebracht. Ganz unspektakulär. Nur Warnschilder an den Anhängern der 18-Tonner weisen auf die spektakuläre Lieferung hin. Auf der Tragfläche lagert das Material nach sehr strengen Vorschriften. Keine Komponente darf neben einer anderen liegen. Die Fahrt wird bewacht. Genau wie der unbekannte Lagerplatz, der wortwörtlich bombensicher ist. Mehr verrät er nicht.

Das 4000 Kilogramm schwere Explosivmittel hat Bade noch am Freitag bei einem speziellen Händler abgeholt. So etwas holt man schließlich nicht einfach schnell im Baumarkt. Dann ging es direkt nach Mittenwald. Auch ein Aspekt der Sicherheit: Die Lagerung soll so kurz wie möglich sein.

Wer nun befürchtet, neben einem Pulverfass zu schlafen, kann beruhigt werden. Explosiv sind die Stoffe erst, wenn Fachmann Bade Hand anlegt. „Eine ungelernte Person könnte mit den Materialien gar nichts anfangen“, sagt der Allgäuer. Eine Sprengung ist wesentlich komplizierter als sie oftmals im Kino dargestellt wird. Doch sicher ist eben sicher. Weshalb die Gemische nicht neben Wohnhäusern lagern. So viel verrät Bade dann doch.

Am Montag zur Mittagszeit wird die erste Probe-Sprengung vollzogen

Sein Können stellt der Geschäftsführer ab Montag am Fuße des Kranzbergs unter Beweis. Mit einem weiteren Spreng- und einem Bohrmeister ist er am Latscheneck zugange. Etwa zur Mittagszeit vollzieht Bade die erste Probesprengung. Sie sagt am meisten über die Bodenbeschaffenheit aus. Zwar hat Bade das Gestein, ein kompakter Kalk, in der Theorie schon studiert. Auch kennt er die geologischen Begebenheiten in der Region wie seine Westentasche. In den 18 Jahren Berufserfahrung war der Sprengmeister bereits mehrere Male im Landkreis Garmisch-Partenkirchen tätig. Sei es bei den Bauarbeiten am Farchanter oder neulich beim Oberauer Tunnel.

Doch den berühmten Röntgenblick in den Boden hat er trotzdem noch nicht. Wie sich der Fels bei den Detonationen verhält, zeigt erst die Probesprengung. Nach jetzigem Stand wird er ab Montag zwei Mal täglich an insgesamt zehn Tagen sprengen müssen. 10 000 Kubikmeter Gestein sollen schnellstmöglich weg. „Pro Sprengung werden zwischen 600 und 800 Kubikmeter Fels entfernt.“ Zum Vergleich: Bei der beeindruckenden Explosion an der Lawinenverbauung Rainlähne waren es 3500 Kubikmeter auf einen Schlag.

Es werden sich keine Szene wie im wilden Westen abspielen

Doch wer glaubt, über zwei Wochen lang spielen sich am Latscheneck nun Szenen ab wie im Wilden Westen, liegt völlig falsch. „Eigentlich ist die Aktion sogar recht unspektakulär“, sagt Projektkoordinator Bernd Bortenlänger von der Steuerungsfirma Vitzthum. Es werden kleine Rohre in das Gelände gebohrt. Dann kleine Mengen an Sprengstoff platziert. Letztlich kommt eine schwere Sprengdecke über das Loch. Es rumort kurz. Fertig.

Diese Arbeiten sind glücklicherweise wetterunabhängig. „Auch wenn es Frost hat oder schneit, stört uns das wenig“, sagt Bortenlänger. Wenn alles klappt, beginnen ab Frühjahr 2021 die Rohbauarbeiten. Der Felsbrocken, der überraschend aufgetaucht ist, hat bekanntlich die Bauzeit verzögert und die Kosten von 15 auf 20 Millionen Euro erhöht. Trotzdem ist Hotelinvestor Ulrich Franzky bester Laune. Er schwärmt am Freitag davon, dass es endlich los geht. Er steht vor seiner Baustelle. Bagger tragen den Boden ab und legen den weißen Fels frei. Franzky hat zum Jour fixe geladen. Neben den Projektplanern, Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) und Marktbaumeister Ralf Bues, hat Franzky auch Altbürgermeister Adolf Hornsteiner gebeten, zu kommen. Für den Investor eine Herzensangelegenheit, da Hornsteiner jener gewesen war, der mit ihm vor über vier Jahren den Stein für das geplante Vier-Sterne-Superior-Berghotel ins Rollen brachte. Seither verbindet die beiden eine enge Freundschaft.

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