Auf dieser Freifläche in Mittenwald zwischen Bahnhof und Rathaus soll ein aja-Hotel entstehen.
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Soll auf diese Freifläche ein aja-Hotel? Nun entscheidet der Bürger.

Bürgerbegehren erfolgreich

aja-Hotel: Jetzt müssen die Mittenwalder Farbe bekennen

  • VonChristof Schnürer
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In Mittenwald wird es voraussichtlich im Herbst einen Bürgerentscheid zum geplanten aja-Hotel geben. Heute wollen die Initiatoren des Bürgerbegehrens im Rathaus prall gefüllte Listen mit Unterschriften übergeben. Abends möchte der Bürgermeister den Gemeinderat über die jüngste Entwicklung informieren.

Mittenwald – Nach drei Wochen herrscht Klarheit: Die Initiatoren des Bürgerbegehrens „Hotelprojekt an der Bahnhofstraße in Mittenwald“ haben genügend Unterstützer gefunden. Mit zirka 1100 Unterschriften hat man locker das erforderliche Quorum von 614 (zehn Prozent der Wahlberechtigten) erreicht.

„Somit wird die Entscheidung, ob das Grundstück an der Bahnhofstraße für circa 200 Euro pro Quadratmeter verkauft wird oder nicht, wieder in die Hände der Mittenwalder Bürger gelegt“, lässt Mitorganisator Christian Küffler in einer kurzgehaltenen Presse-Mitteilung wissen. Damit spielt der Vermieter (Gästehaus Franziska) auf den daraus resultierenden Bürgerentscheid an, der mit diesem Votum vom Souverän erzwungen wurde.

Heute um 11 Uhr wollen Küffler und seine Mitstreiter – unter anderem Gudrun Rademacher (Hotel Post), Daniel Rieger (Hotel Rieger) oder Josef Knilling (Landhaus Sonnenbichl) – die prall gefüllten Listen im Rathaus an Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) übergeben. „Überraschen tut’s mich nicht“, meint das Gemeindeoberhaupt. „Man muss mit allem rechnen.“ Gleichwohl haben nicht wenige im Geigenbauort mit einem Scheitern des Bürgerbegehrens gerechnet – ähnlich wie im Februar 2011, als damals Dietmar Küffler, der Vater des jetzigen Initiators, und einige Gleichgesinnte gegen das Hotelprojekt der Berliner Familie Berrendorf zu Felde zogen.

Marktverwaltung prüft Unterschriften

Versuch Nummer zwei scheint hingegen geglückt zu sein. „Umgehend“ laut Corongiu prüft die Marktverwaltung die Unterschriften und siebt ungültige oder doppelte heraus. Kommt dann immer noch eine Anzahl über dem gesetzlich geforderten Quorum heraus – und davon kann ausgegangen werden – wird Stufe zwei gezündet. Soll heißen: „Wir werden das Ergebnis sehr zeitnah dem Gemeinderat vorlegen“, verspricht Amtsleiter Hermann Baier.

In einer Sondersitzung im Laufe des August stimmt das Ratsgremium über die Zulassung des Bürgerentscheids ab. Im Grunde läuft es lediglich auf eine Bestätigung des Bürgerbegehrens hinaus. Das Prozedere hat also mehr symbolischen Charakter. Eines haben die Volksvertreter an diesem Tag allerdings fest in der Hand: Die Festlegung des Wahltermins beziehungsweise des Wahlmodus’. Vieles deutet in Corona-Zeiten auf eine Briefwahl hin. Falls es allerdings auf einen gemeinsamen Termin mit der Bundestagswahl (26. September) hinauslaufen sollte, dann müssen jedoch zwingend Wahllokale öffnen. „Hätte auch Vorteile“, findet der Bürgermeister. Stand heute sind das alles noch Gedankenspiele.

Planungen kommen zum Erliegen

Fakt ist jedoch eines: Stellt der Gemeinderat die Rechtmäßigkeit des Bürgerbegehrens fest, muss das geplante Bauvorhaben an der Bahnhofstraße für ein komplettes Jahr ruhen. Eine schlechte Nachricht für die Investoren der Deutschen Seereederei (DSR), die in puncto aja-Hotel seit über eineinhalb Jahren mit der Kommune in mittlerweile aussichtsreichen Verhandlungen stehen und die bereits der Corona-Lockdown wertvolle Monate bei ihrem Millionen-Investment gekostet hat. Eine Stellungnahme des verantwortlichen DSR-Geschäftsführers Lutz Weller war gestern nicht zu erhalten. Doch man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass dem Hanseaten die jüngste Entwicklung gar nicht behagt. Zumal es lange Zeit ja nach einem Burgfrieden unterm Karwendel ausgeschaut hatte.

Die Bürgerversammlung am morgigen Mittwoch gewinnt somit zusätzlich an Brisanz. Möglicherweise wird der eine oder andere Zuhörer vielleicht eine Frage in Sachen Bürgerentscheid haben.

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