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Haben ihren Traum verwirklicht: Dominik Blees und Manuela Merk an ihren Fischweihern in Klais. 

Die 24-Quadratmeter-Fläche erhält bald sogar eine EU-Zulassung

Mittenwalder saniert Fischzuchtbecken und verkauft bald in seiner Garage

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Der Mittenwalder Dominik Blees ist Fischwirtschaftsmeister und macht sich ab Dezember in Mittenwald selbstständig. Da er keine Räume für seine Arbeit fand, zieht er einfach in seine 24 Quadratmeter große Garage, die bald sogar eine EU-Zulassung hat.

Mittenwald – Noch sind es vier weiße Wände, in denen Dominik Blees steht. Es hängen Haken mit Fahrradreifen an den Seiten. Auf einem kleinen Regal steht eine Werkzeugkiste. Alles sieht so aus, wie man es bei einem Blick in eine Garage erwartet. Ein normaler Einsteller für Autos ist sie seit Montag aber nicht mehr. Diese 24 Quadratmeter hat nicht nur das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen und die Regierung von Oberbayern in München interessiert. Mit der Garage befasst sich sogar die EU.

In wenigen Wochen wird aus diesem kleinen Einsteller an der Mittenwalder Klammstraße ein Schlachthaus, ein Verarbeitungsraum und eine Verkaufsfläche für Fische in einem. Zudem wird geräuchert und ein Becken für Fische betrieben. Blees hat sich somit einen Traum erfüllt, der in den vergangenen acht Monaten mehr als einmal zu platzen drohte.

Für den gelernten Fischwirtschaftsmeister Blees war es schon von Kindheit an der Wunsch, eines Tages beruflich mit Forellen, Saiblingen und weiteren Artgenossen zu arbeiten. In der Schulzeit war sein erster Weg hinaus aus dem Klassenzimmer mit der Angel bewaffnet hinauf zum Lautersee oder an die Isar. Im letzten Schuljahr, als seine Klassenkameraden bei den Pflicht-Praktika nach Plätzen als KFZ-Mechaniker oder als Bürokaufmann suchten, hatte Blees was ganz anderes im Sinn.

Er züchtet seine Fische in dem Wasser des Kranzbachs

Im Internet recherchierte er nach Stellen, die mit Fische zu tun haben. Erst am 65 Kilometer entfernten Tegernsee wurde er fündig. Trotz der recht verdutzten Blicke der Lehrkräfte, die bekrittelten, dass das außerhalb des Landkreis sei, ließ sich der Jungspund nicht beirren. Nachdem er in den Sommerferien insgesamt fünf Wochen lang dort gearbeitet hatte, war sein Beschluss gefasst. Das traditionelle Fischhandwerk soll seine berufliche Zukunft werden.

Nach drei Lehrjahren und seinem erfolgreich bestandenen Fischwirtschaftsmeister am Institut für Fischerei in Starnberg, arbeitete er fast sieben Jahre bei der Fischerei Leutasch in Weidach.

Für den 28-Jährigen war heuer die Zeit gekommen, sich selbst zu verwirklichen. Doch schon die Weiher-Suche gestaltete sich als schwierig. Durch Zufall stieß er auf die Fischbecken in freier Natur in Klais nahe der Mautstelle. Blees pachtete die 3800 Quadratmeter große Fläche von den Bayerischen Staatsforsten und brachte die sieben Becken mit tatkräftiger Hilfe von Familie und Freunden auf Vordermann. Dort züchtet er jetzt mit dem Gebirgsquellwasser des Kranzbachs einheimische Fische wie Forellen, Lachsforellen und Saiblinge, die er schlachten, verarbeiten und im Laden verkaufen will.

Seine Garage hat die gleichen Auflagen wie ein Großbetrieb

Einen Raum zu finden, in dem all das möglich ist, war deutlich schwieriger. „Für einen jungen Menschen, der selbstständig wird, war nichts passendes zu bekommen“, erzählt Blees. Zudem ist Fisch bei Vermietern ein heikles Thema in Sachen Geruch. Also lachte ihn die eigene Garage an der Klammstraße immer mehr an. „Irgendwann fiel dann unser Entschluss: Raus mit dem Auto, rein mit dem Fischladen“, sagt er lachend. Wie viele Briefe er und seine Freundin Manuela Merk seither nach Garmisch-Partenkirchen und München schickten, weiß er nicht mehr. „Die Auflagen für mich als Ein-Mann-Betrieb waren die gleichen wie für ein Schlachthaus mit hunderttausenden Schweinen.“ Seine Garage hat also bald Hygiene- und Seuchenschleusen, getrennte Räume für Fisch-Schlachtung, Verarbeitung und Verkauf, fünf Waschbecken, Lüftungen (drei Fenster), Notausgänge und Fluchtwege und so weiter – auf 24 Quadratmetern.

Nachdem die bayerischen Behörden nun grünes Licht gaben, „können wir jetzt die EU-Zulassung beantragen“, sagt Blees stolz. „Das hat uns schon Nerven gekostet.“ Nicht selten war er kurz davor, das Handtuch zu werfen. Doch die Ausdauer hat sich gelohnt: Ab Dezember soll es losgehen mit seinem Betrieb „Platzfisch“ an der Klammstraße.

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