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Vertreten den SPD-Ortsverein Mittenwald neben Enrico Corongiu als Delegierte bei der Aufstellungskonferenz zur Europawahl: (vorne v. l.) Hubert Seidel, Ursula Seydel, Bastian Eiter sowie (hinten v. l.) Alfred Kielgas und Detlef Hardt. 

“Hinterfotziger Strategie“

SPD zum Hallenbad: Ratsbegehren „moralisch nicht vertretbar“

Den Roten liegt das von der CSU angestrebte Hallenbad-Ratsbegehren schwer im Magen. Bei einer Mitgliederversammlung in Mittenwald schossen die Sozialdemokraten aus allen Rohren.

Mittenwald – Trotz aller Beschwichtigungsversuche aus dem Rathaus, das strittige Thema Hallenbad-Ratsbegehren kühl und sachlich zu bewerten, kochen die Gemüter dennoch wieder hoch. Das Feuer gegen die CSU, die mit diesem Antrag für einen Paukenschlag gesorgt hatte (wir berichteten), hat nun der SPD-Ortsverein Mittenwald und Oberes Isartal eröffnet. Die Wortwahl bei der Mitgliederversammlung in der Alpenrose – deftig und kräftig.

Und das, obwohl die beiden SPD-Gemeinderäte Rudi Rauch (erkrankt) und Enrico Corongiu (berufsbedingt) fehlten. Dabei wäre es an diesem Abend wichtig gewesen, wenn einer der beiden da gewesen wäre. Denn schließlich waren beide phasenweise Mitglied des Hallenbad-Arbeitskreises, der die geplante Freizeitanlage auf dem Nemayer-Areal einhellig zur Diskussion stellte. Somit tragen auch die zwei SPD-Vertreter Verantwortung für das bereits vielerorts kritisierte Zehn-Millionen-Euro-Projekt, das jetzt vielen plötzlich als zu mickrig erscheint.

„Es hätte ein neuer Architekt geholt werden müssen“

Das Reizwort bei den Roten, die mit den Freien Wählern für das Hallenbad eindeutig Position beziehen, bleibt aber das Ratsbegehren. „Der Bürgerentscheid ist nach einem Jahr zwar rechtlich nicht mehr bindend“, erläuterte Bastian Eiter, die erneute Abstimmung „aber moralisch nicht vertretbar“. Der Bauingenieur und Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz, der demnächst als Wallgauer Gemeinderat vereidigt wird, ergänzte, dass ein solches Begehren nur Sinn mache, wenn gravierende Änderungen vorliegen. „Das ist hier nicht der Fall – und daneben sind die Gestaltungspläne ein Witz.“

Das Stichwort für Bärbel Rauch. „Ein kleines Bad mit 1,35 Meter Tiefe ist unrealistisch“, schimpfte die langjährige Gemeinderätin. „Mein Eindruck ist, dass beim Bürger der Eindruck erweckt werden soll, dass sie nicht wollen, für so einen, gelinde gesagt Scheiß, zehn Millionen Euro auszugeben.“

Kritik auch an Blandaus Lesart der Tourismuszahlen

Noch deutlicher wurde Parteimitglied Alfred Kielgas. „Nach einem 20:1-Beschluss fordert Regina Hornsteiner ein Ratsbegehren. Diese hinterfotzige Strategie ist schon enorm. Das Schwimmbad sollte wettbewerbsfähig und für Sportabzeichenprüfungen geeignet sein.“ Als Hausherr meldete sich Gemeinderat Sepp Zunterer (Freie Wähler) zu Wort. „Es war ein Fehler, sich beim Bad auf Maße festzulegen“, räumte der Alpenrose-Wirt freimütig ein. „Es hätte ein neuer Architekt geholt werden müssen, der mit einer finanziellen Vorgabe seine eigenen Vorstellungen verwirklicht.“ Weiter meinte Zunterer: „Unsere Fraktion hätte nie zugestimmt, dass solche Alibivorschläge auf den Tisch kommen.“ Zunterer Fraktionskollege Florian Lipp aber hatte es im Arbeitskreis getan – ebenso die Freie-Wähler-Fraktion neulich im Gemeinderat. Anschließend erfuhren die Zuhörer vom ehemaligen Ortsvorsitzenden Detlef Hardt, „dass sich der Landtagsabgeordnete Florian Streibl und der Bundestagsabgeordnete Florian Post derzeit dafür einsetzen, dass bei Bürgerbegehren die einjährige Bindungsfrist verlängert wird“.

Ins Gericht gingen die Sozialdemokraten zudem mit den vorgelegten Tourismuszahlen der Alpenwelt Karwendel beziehungsweise der Lesart der Geschäftsführerin Sabrina Blandau. „Steigende Übernachtungszahlen sind real, aber nur weil der Deutschland-Urlaub boomt“, stellte Eiter fest. Kerstin Corongiu, die Ehefrau des Gemeinderats, wiederum fragte sich, „wie Frau Blandau darauf kommt, dass die Zahlen ohne Hallenbad nicht rückläufig sind“. Es besteht also allerhand Rede- und Klärungsbedarf bei der SPD. Bei ihrer nächsten Sitzung im April will der Ortsverein das Thema Hallenbad und die dazu nötigen öffentlichen Ausschreibungen der Gemeinde noch einmal genau unter die Lupe nehmen.

Wolfgang Kunz & Christof Schnürer

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