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Aus und vorbei: Vorsitzende Christine Sprenger zieht die Konsequenzen. 

Interne Querelen lösen Konflikt aus 

Mittenwalder Tierschutzvereindroht Auflösung

  • vonChristof Schnürer
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Die seit Monaten schwelende Führungskrise im Tierschutzverein Mittenwald steuert auf ihren Höhepunkt zu. Die Vorsitzende Christine Sprenger wirft das Handtuch. Eine Nachfolge ist nicht in Sicht. 

Mittenwald – Der Tierschutzverein Mittenwald ist wieder in unruhiges Fahrwasser geraten. Mehr noch: Der 1953 gegründeten Organisation droht sogar die Auflösung, sollte sich bis spätestens zum Jahresende keine neue Führung zusammenraufen. Die alte ist sozusagen pulverisiert. „Ich habe keinen Vorstand mehr“, drückt es Vorsitzende Christine Sprenger aus. Wegen diverser Querelen hat sie intern bereits im März – vor der Corona-Pandemie – ihren vorzeitigen Rücktritt angekündigt. Bei der nächsten – außerordentlichen Jahresversammlung – wird sie ihren Worten Taten folgen lassen. „Ich habe jahrelang zugeschaut.“ Nichts sei besser geworden, moniert die 64-Jährige. Also müsse sie die Reißleine ziehen. „Schließlich möchte ich noch was von meiner Rente haben.“

Damit steuert die seit Monaten schwelende Führungskrise auf ihren Höhepunkt zu. Laut Sprenger hat sich der Verein bereits im Frühling von der bisherigen Zweiten Vorsitzenden Tanja Winkler wegen eines Zerwürfnisses getrennt. Der Vize-Chefin, die zugleich kommissarische Schriftführerin war, soll zudem der Austritt nahegelegt worden sein. Im August zog sich zu allem Überfluss auch noch Sprengers Ehemann Peter als Schatzmeister zurück. Unter diesen Umständen sei eine Arbeit bis zu den nächsten Wahlen (2022) nicht möglich, konstatiert Christine Sprenger, „Nicht unter diesen Bedingungen.“

Über die Verwerfungen unterm Karwendel ist Tessy Lödermann, die Vorsitzende des Landkreis-Tierschutzvereins, natürlich im Bilde. Sie will Sprenger drei Möglichkeiten zur Behebung der Führungskrise aufgezeigt haben: Entweder bleibt alles beim alten (also Sprenger im Amt) oder man löst sich auf beziehungsweise fusioniert mit dem Landkreis-Tierschutzverein – ein Weg, den vor über zehn Jahren schon die Murnauer beschritten haben.

„Aber Frau Lödermann will nicht fusionieren“, glaubt Sprenger felsenfest. „Das ist ein Schmarrn“, meint Lödermann. Die ehemalige Landtagsabgeordnete der Grünen, heutige Kreisrätin und das absolute Aushängeschild der Tierschützer weit über die Landkreisgrenzen hinaus will ihre Mittenwalder Vereinskollegin nur darauf hingewiesen haben, dass eine Fusion sehr zeitaufwendig sei und „saumäßig viel Arbeit“ bedeute. „Die Sache ist kompliziert.“ Kompliziert deswegen, weil die Mitglieder der betroffenen Vereine darüber informiert werden und final darüber abstimmen müssten. Zudem erfordert ein Zusammengehen zusätzlich einen notariellen Fusionsvertrag. „Ein langwieriger Prozess“, verdeutlicht Lödermann. Aber ein gangbarer Weg, wie das Beispiel Murnau letztlich gezeigt hat.

Möglich ist im Falle einer Auflösung aber auch, dass die heimatlosen Mittenwalder, falls gewünscht, einfach privat in den Landkreis-Verein eintreten. „Es geht doch um die Tiere und nicht um zwischenmenschliche Streitereien“, betont Mitglied Christina Ludwig (33), die Vorsitzende Christine Sprenger immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat – ohne Vorstandsposten. „Doch ist es wahnsinnig frustrierend, wenn man dann noch blöd angegangen und beschimpft wird.“ Beim Tierschutzverein Mittenwald ist also der Wurm drin – nicht zum ersten Mal. 2009 eskalierte der Führungsstreit zwischen dem damaligen Vorsitzenden Markus Seitz und dessen Vize Peter Kläger in einer üblen Schlammschlacht.

Mit der Wahl von Max Kastenberger konnte der große Knall 2010 abgewendet werden. Doch der einstige Hoffnungsträger kehrte sechs Jahre später der Organisation den Rücken, als er 2016 völlig überraschend in einer Kampfabstimmung mit Christine Sprenger abgewählt wurde. In den Folgejahren sorgte sie mit viel Herzblut unter anderem für einen ungeahnten Mitgliederzuwachs von 86 auf 179. Vielleicht findet sich ja unter diesen eine oder einer, der den Karren ein weiteres Mal aus dem Dreck zieht.

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