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Noch ein Bär in Oberbayern? Frau nach Sichtung am hellichten Tag „in Schockstarre“

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Ein Bär geht in Ohlstadt in die Fotofalle
Nicht in die Fotofalle ist der Bär getappt wie in Ohlstadt, sondern am Lautersee tauchte er direkt vor einer Wanderin auf. © Privat

Ein Braunbär fühlt sich offenbar zunehmend wohl im Isartal. Ende April war ein Tier in eine Fotofalle getappt. Unweit des Lautersees will ihn eine Frau nun gar mit eigenen Augen gesehen haben.

Mittenwald – Das Thema Bär lässt die Mittenwalder einfach nicht los: Im April tappte Meister Petz im Kranzberggebiet in eine Fotofalle, im Mai massakriert vermutlich ein anderes Exemplar am Bärnalpl 15 Schafe (wir berichteten). Nun will eine Einheimische vor etwa zwei Wochen einen Bären am hellichten Tag bei bestem Badewetter zwischen Mittereck und Lautersee mit eigenen Augen gesehen haben. Die Isartalerin dürfte somit der erste Mensch in der Region sein, der dieses pelzige Raubtier live aus nächster Nähe erlebt hat.

Erneut Bär im Isartal gesichtet - Einheimische stockt der Atem: „Da stand er plötzlich da“

„Ich war einfach nur in Schockstarre.“ So beschreibt die Mittenwalderin, die ihren Namen nicht nennen will, ihre Gefühlslage, als sie den Braunbären erblickt. Die Frau ist mit ihrem Hund Richtung Mittereck unterwegs. Bei einer Abzweigung stockt ihr der Atem. „Da stand er plötzlich da.“ Der Bär, rund 35 Meter entfernt, nimmt die Wanderin am Rande des Spazierwegs wahr. „Mein Hund ist sofort zu der Stelle gerannt und hat lautstark gebellt“, erzählt sie weiter und gesteht: „Ich wusste überhaupt nicht, wie ich mich verhalten soll.“

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Wie versteinert bleibt die Frau stehen und sieht, wie der Bär im Dickicht verschwindet. Der Rückzug erfolgt aber keineswegs geräuschlos: „Ich habe noch einige Mal ein richtig lautes Knacken gehört.“ Wie lang die Geräusche noch zu hören sind, fällt ihr im Rückblick schwer zu sagen. „Ich habe in diesem Moment mein Zeitgefühl verloren.“ Den ersten Schock überwunden, versucht sie, ihren völlig aufgeregten Hund zu beruhigen, der sofort das Weite gesucht hat.

Dann sucht die Bären-Beobachterin die örtliche Polizei auf. „Wir können bestätigen, dass sich diesbezüglich eine Einwohnerin bei uns gemeldet hat“, sagt Inspektionschef Hubert Hohenleitner. „Zwei Kollegen sind zu der besagten Stelle gefahren und haben sich umgesehen.“ Hinweise haben sie dabei allerdings nicht gefunden. Der Vorfall sei anschließend den zuständigen Stellen, in diesem Fall der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landesamt für Umwelt (LfU) mit Sitz in Augsburg, gemeldet worden.

Braunbär in Bayern: Angebliche Sichtung nicht der Öffentlichkeit mitgeteilt

Spätestens jetzt stellt sich aber gerade den Isartalern die Frage, warum die angebliche Sichtung eines Braunbären nicht der Öffentlichkeit mitgeteilt wird. Schließlich scheint sich das Tier, wie die Dame ausführlich berichtet, direkt neben einem Spazierweg und nicht einmal einen Kilometer vom Lautersee, einem beliebten Ausflugsziel, aufgehalten zu haben.

Dass dieses Raubtier wohl seit einiger Zeit im Oberen Isartal unterwegs ist, ist im Landratsamt kein Geheimnis. „Vermutlich gibt es sogar zwei Bären bei uns. Einen im Isartal und einen im Bereich des Graswangtals“, sagt Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Doch ist es wirklich nur ein Bär, der sich zwischen Wetterstein und Karwendel umhertreibt?

Seit einiger Zeit hält sich nämlich in Mittenwald hartnäckig das Gerücht, dass Drohnenaufnahmen der Polizei im Rahmen des G7-Gipfels gleich zwei Tiere zeigen sollen. „Mir ist da nichts bekannt“, meint ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Dem schließt sich auch der Landrat an. Generell sei für die Kommunikation beim Thema Große Beutegreifer aber ohnehin das LfU zuständig.

„Wir nehmen jeden Hinweis ernst und gehen dem nach“, versichert ein Sprecher des Amtes. Auch die angebliche Sichtung eines Braunbären im Landkreis Garmisch-Partenkirchen am 18. Juli ist der Behörde bekannt. Hinweise auf die Anwesenheit eines großen Beutegreifers würden allerdings nur dann veröffentlicht, wenn es sich dabei um verifizierte Hinweise oder Bestätigungen handele.

Wieder Bär im Isartal gesuchtet: „Nehmen jeden Hinweis auf und gehen ihm nach“

Solche Meldungen wie die der Frau aus Mittenwald werden dabei in drei Stufen unterteilt: Der Fall C1 liegt dann vor, wenn es genetische Nachweise oder eine eindeutige Fotoaufnahme des Tieres gibt. Um die Stufe C2 handelt es sich, wenn ein Experte einen Riss oder Spuren bestätigen konnte. Bei Beobachtungen spricht man im Fachjargon von nicht bestätigten Hinweisen der Kategorie C3.

Letzteres treffe demnach auf den Bericht der Mittenwalderin zu: „Der Ort der Sichtung wurde im Anschluss der Meldung gemeinsam mit einem Experten nach Spuren abgesucht“, erklärt der Sprecher. Solche sind dabei nicht gefunden worden.

Auf die Frage, wie sich Menschen beim Aufeinandertreffen mit einem Bären verhalten sollen, verweist das LfU auf die Empfehlungen auf der eigenen Website (www.lfu.bay ern.de/natur/wildtiermanagement). Zunächst gilt es, Ruhe zu bewahren. Statt sich dem Tier zu nähern, sollte langsam der Rückzug erfolgen und das Tier dabei im Auge behalten werden.

Den Bär vor Augen hat auch noch die Mittenwalderin: „Gott sei Dank war er schnell wieder weg.“ Und solange das so bleibt, ist alles gut: „Die Tiere dürfen sich ja in der Natur aufhalten.“ Den 18. Juli wird sie so schnell aber nicht mehr vergessen. „Ich war seitdem schon wieder zweimal dort“, berichtet sie. „Am Abend will ich da oben aber erst einmal nicht mehr alleine spazieren.“ Tobias Schwaninger

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