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Großes Interesse an der Karwendelröhre: Wegen dieses Projekts trat Wolfgang Schwind auch vor die Kamera. 

Unternehmer mit Herz und Visionen

Mittenwalds Tausendsassa Wolfgang Schwind feiert 70. Geburtstag

Seine Projekte genießen internationale Anerkennung. Mit seinen Schneelast-Studien und Forschungsaufträgen schrieb Diplom-Bauingenieur Wolfgang Schwind die EU-Norm im Namen der Bundesrepublik neu. Am Dienstag feiert der Mittenwalder seinen 70.Geburtstag. Der Ruhestand ist aber noch lange nicht in Sicht.

Mittenwald – Es gibt Menschen, die brillieren durch ihre Arbeit und durch das, was sie schaffen. Es gibt Menschen, denen es vergönnt ist, eine glückliche Familie zu gründen, und bis ins fortgeschrittene Alter harmonisch miteinander zu leben und aktiv zu bleiben. Es gibt Menschen, die ihren Erfolg durch gemeinnützige Spenden und zahlreiche Charity-Aktionen mit Hilfsbedürftigen teilen. Und dann gibt es Menschen wie Wolfgang Schwind, die es geschafft haben, diese drei Tugenden unter einen Hut zu bringen – und das überaus erfolgreich.

Wenn Schwind, der am Dienstag seinen 70. Geburtstag feiert, frühmorgens sein Büro in der Mittenwalder Kreidemühle aufsperrt, ist er der Bauingenieur, der seit über 40 Jahren als Selbstständiger in dem Ort ein wahres Imperium erschaffen hat. Der Weg dorthin war nicht immer einfach. Doch heute weiß er: „Hohe Qualität zahlt sich aus.“ Mittlerweile wird das Familienunternehmen von Wolfgang Schwind und seinem Sohn Michael geführt, und zahlreiche Millionenprojekte sind realisiert – gesteuert aus dem beschaulichen Mittenwald.

Karwendelröhre ist eines seiner Projekte

Zehn Angestellte haben die beiden unter sich. Das Statiker-Büro zählt zu den führenden Unternehmen im Markt. Die Liste an Projekten ist lang. Eines der bekanntesten Bauwerke: das „Fernrohr“, in welchem sich das Naturinformationszentrum auf dem Karwendel befindet. „Dieses Gebäude ist weltweit einmalig“, sagt der Statiker. Zahllose Magazine – auch aus der Kunstbranche – berichteten über das innovative Projekt. Stolz bewahrt Schwind noch jene Ausgabe der „art“ auf, einem der größten und einflussreichsten Kunstmagazine der Welt. Eine Doppelseite wurde dem Rohr darin gewidmet. Auch die Gesamtsanierung des Klinikums Garmisch-Partenkirchen sowie eine Vielzahl anderer Großkliniken übernahmen die Ingenieure Schwind. Bundesweites Renommee verschaffte sich der 70-Jährige mit den Schneelast-Studien. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten wurde die EU-Norm geändert.

Begonnen hat seine Erfolgsgeschichte in Planegg. Dort kam Schwind als jüngster von drei Geschwistern 1947 zur Welt. Sein Vater, Wilhelm Schwind, war Einzelhandelskaufmann, der im Zweiten Weltkrieg aufgrund eines Kopfschusses erblindet war. 1953 ging die Reise für die Familie nach Mittenwald, das Schwind senior noch aus seiner Zeit bei der Wehrmacht und aus jungen Jahren positiv in Erinnerung hatte. In der Wahlheimat eröffneten die Schwinds im Frühjahr 1954 einen Süßwarenladen am Dekan-Karl-Platz. Damals realisierte Sohn Wolfgang schnell, was es heißt, hart für sein Geld arbeiten zu müssen. „Im Schneetreiben habe ich mit einem Schlitten das Offiziersheim bei der Karwendelkaserne mit Kakaopulver versorgt.“

Schwind engagiert sich sozial

Die Behinderung seines Vaters gab ihm auch eine entscheidende Erkenntnis mit auf dem Weg. „Schon früh wusste ich, wie wichtig soziales Engagement ist.“ Regelmäßig spendet das Büro. Die meisten Scheckübergaben gehen allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne. Schwind bleibt bescheiden, braucht keine großen Dankesreden. Seit 1981 engagiert er sich beim örtlichen Lions-Club, den er mitgestaltete und unter Einheimischen populär machte. Derzeit fungiert er als Vizepräsident der Vereinigung. Zudem gehört er dem Vorstand des Vereins Rheumakrankes Kind an. Damit nicht genug: Ebenfalls in der Führungsriege saß er von 1986 bis 1992 beim Skiclub Mittenwald, von 1992 bis 1998 leitete er als Vorsitzender dessen Geschicke.

Für Soziales, Sport, aber auch für Kunst und Kultur begeistert sich der aktuelle Kulturkreis-Chef von Mittenwald-Krün-Wallgau. Hunderte Gemälde, die das Isartal zeigen, sammelte er und präsentierte diese vergangenes Jahr bei der Wanderung „24 Stunden von Bayern“ in einem Stadl zwischen Krün und Wallgau sowie 2013 im Geigenbaumuseum unter dem Titel „Vor großer Kulisse“.

Pläne für den Ruhestand? Schon ausgedacht!

Der Name Schwind ist mit Mittenwald eng verbunden. Entscheidend hat der Statiker das Ortsbild geprägt. Unter anderem brachte der Kauf des Bahnhofsgebäudes 2011 und der Bau des Ärztehauses die GmbH in sämtliche Medien. Schwind war es auch, der den Sternekoch Andreas Hillejan ins Marktrestaurant holte. 2016 erhielt dieses einen Michelin-Stern – eine Besonderheit in der Isartaler Gemeinde.

Doch neben seinem Beruf und seinem Vereinsleben ist Schwind ein absoluter Familienmensch. 1969 lernte er mit Anneliese Klotz die Liebe seines Lebens kennen. Die beiden heirateten 1973. Vier Jahre später kam Sohn Michael zur Welt, 1982 dann Tochter Nina Julia.

Selbstständig wurde Schwind am 1. Oktober 1977 mit einem Büro an der Riedkopfstraße. Die Statik war sein Spezialgebiet als junger Bauingenieur. Aber er sieht sich mehr als „Konstrukteur“. Mit seinen nun 70 Jahren denkt Schwind noch nicht an den wohlverdienten Ruhestand. Pläne hegt er für diese Zeit trotzdem schon. „Ich würde gerne noch Kunst studieren und eine Weltreise unternehmen.“ Denn seit seiner Selbstständigkeit hatte Schwind nicht länger Urlaub als sieben Tage am Stück. „Das wird sich voraussichtlich auch nicht so schnell ändern.“ Macht nichts – ermöglicht ihm die Chance, Weiteres zu bewegen.

Josef Hornsteiner

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