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Politisch Gleichgesinnte unter sich: die drei CSU-Männer (v.l) Adolf Hornsteiner, Harald Kühn und Alexander Dobrindt im Gespräch. 

Hornsteiner schafft beim Neujahrsempfang Klarheit

Mittenwalds Bürgermeister möchte wieder kandidieren - unter zwei Bedingungen

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Lange Zeit hat sich Adolf Hornsteiner (CSU) nicht in die Karten schauen lassen: Jetzt, beim Neujahrsempfang von Gemeinde und Bundeswehr, legte er sie auf den Tisch. Mittenwalds Bürgermeister möchte bei bei den Wahlen 2020 erneut ins Rennen gehen. 

Mittenwald – Er schielte kurz zu seiner Ehefrau Gabi hinüber. „Sie schaut schon nach unten“, sagte Adolf Hornsteiner (CSU). Die Zuhörer im Standortoffiziersheim in der Mittenwalder Kaserne lachten und schmunzelten. Wohl jeder dachte, der Bürgermeister spielt auf die Länge seiner Rede an. Ein Irrtum. Seine Gattin wusste, dass er seine Ansprache noch nicht beendet hatte und gleich noch ein wohlgehütetes Geheimnis lüften würde. Eines, über das im Ort schon ausgiebig spekuliert worden ist.

Das letzte Wort hat die Partei

Der amtierende Rathauschef nutzte den Rahmen des Neujahrsempfangs von Gemeinde und Bundeswehr, um seine beruflichen Zukunftspläne zu verkünden. „Falls es von der Partei gewünscht wird und die Gesundheit stabil bleibt“, sagte Hornsteiner, „würde ich’s nochmal machen.“ Bei den Kommunalwahlen 2020 zum dritten Mal seinen Hut für das Bürgermeister-Amt in den Ring werfen. Wollen die Christsozialen andere Wege einschlagen, versicherte er, „werde ich nicht an meinem Sessel kleben“. Applaus von den Zuschauern, zu denen neben den „schwarzen“ Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber und Harald Kühn auch Alexander Dobrindt zählte. „Ich freue mich ausdrücklich“, sagte der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag über Hornsteiners Offenbarung, „dass er wieder kandidiert.“ Es ist keine mutige Behauptung, dass das Gros der Mittenwalder CSU das wohl genauso sieht. Schließlich brachte Ortsvorsitzender Rudi Haller seine Loyalität bereits zum Ausdruck. Trete der „Mous’n-Adi“ erneut an, würde das bei ihm für „Tiefenentspannung“ sorgen, sagte er Anfang Januar gegenüber dem Tagblatt. Auch von Fraktionschefin Regina Hornsteiner und Vize-Gemeindechef Gerhard Schöner hieß es, sie würden ihre künftige Gemeinderatsarbeit an die Entscheidung Hornsteiners koppeln.

Zu solchen Personalfragen äußert sich der Bürgermeister nicht. Ebenso wenig gibt er Prognosen ab. Weder über mögliche Konkurrenten noch über seine Ziele. „Das ist zu früh.“ Hornsteiner bleibt bescheiden, demütig und zeigt sich alles andere als siegessicher. „Ich gehe mal davon aus“, sagt er, „dass das kein Selbstläufer wird.“

Entscheidungsfindung begann vor einem Jahr

Bei den Wahlen 2008 holte der heute 57-Jährige sage und schreibe 90,2 Prozent der Stimmen, sechs Jahre später fuhr er mit 86,5 Prozent erneut ein Spitzen-Ergebnis ein. Doch zuletzt hat Hornsteiner an Sympathien eingebüßt – zumindest bei den Hallenbad-Befürwortern. Auch wird öfter als früher Kritik an seinem politischen Stil laut, gerade vonseiten der Opposition. Seit den Bürgerentscheiden und dem Ratsbegehren zum Hallenbad scheint die Stimmung im Gemeinderat vergiftet zu sein. Hinzu kommen die ständigen Querelen mit den Verantwortlichen der Karwendelbahn, die nicht müde werden, den Rathauschef mitunter persönlich anzugreifen.

Nicht ohne Grund hat Hornsteiner reiflich überlegt, ob er verlängern möchte. Vor einem Jahr begann seine Entscheidungsfindung. Er liebt sein Amt, das er als Berufung empfindet. Eine, die durchaus an die Substanz geht. „Die elf Jahre sind nicht spurlos an mir vorüber gegangen“, räumt er ein. Auch gesundheitlich nicht. Daraus macht er keinen Hehl. Momentan, sagt er, sei sein Zustand stabil. Die Arbeit machen zu „dürfen“, bereitet ihm noch immer Spaß. Mitzugestalten, Projekte anzustoßen – man nehme den Hochwasser- und Lawinenschutz oder das neue Hotel am Kaffeefeld – für ihn pure Leidenschaft. Seine Bilanz: Manches habe geklappt, manches nicht.

Die Familie stärkt ihm immer den Rücken

Den nötigen Rückhalt hat ihm stets die Familie gegeben. Auch bei seiner jetzigen Entscheidung. „Meine Frau steht immer hinter mir“, betont er, „das kann man ihr nicht hoch genug anrechnen.“ Ihm ist auch bewusst, dass seine Kinder in der Vergangenheit zurückstecken mussten. Schon allein deswegen, weil der Vater oft beruflich unterwegs war. Die vergangenen Monate seien für ihn deshalb ein Wechselbad der Gefühle gewesen.

Für Hornsteiner war es jetzt der richtige Moment, sich zu positionieren, frühzeitig Klarheit zu schaffen. Weil er um seine Verantwortung als Bürgermeister weiß. Und, weil er seine Pläne selber in die Öffentlichkeit transportieren wollte. Der Neujahrsempfang sei der perfekte Termin gewesen – mit Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und auf parteineutralem Boden.

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