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Stellen zuversichtlich das Konzept vor: Christian Weiler (l., Innsbrucker Planungsbüro Klenkhart & Partner) und Tourismus-Professor Thomas Bausch im Jahr 2017. 

Post vom Umweltministerium

Kranzberg-Sanierung: Zuerst gescheitert, jetzt gewürdigt

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Die Modernisierungsoffensive am Mittenwalder Kranzberg hat nicht geklappt. Doch profitieren andere Gemeinden von dem Konzept: Es gilt als bundesweites Vorbild für klima- und umweltfreundlichen Tourismus.

Mittenwald – Die Enttäuschung von Bürgermeister Adolf Hornsteiner war bei seinen Worten deutlich zu hören: „Das Projekt ist derzeit schlicht nicht umsetzbar.“ Im April musste er damit die ambitionierten Pläne für den Kranzberg vorerst ad acta legen. Noch im September 2017 hatte er das millionenschwere Kranzberg-Projekt einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

18 Monate später scheiterte das Vorhaben am Veto eines Grundstückseigentümers. Diese bittere Nachricht musste die Marktgemeinde auch allen beteiligten Institutionen mitteilen, die eng mit Mittenwald an der ehrgeizigen Modernisierungsoffensive gearbeitet haben. Die meisten fanden es schade. Doch ein Antwortschreiben, das nun das Rathaus erreichte, lässt den Bürgermeister aufhorchen.

Kranzberg-Projekt: Schrieb des Umweltministeriums offenbart besondere Würdigung

Verfasser ist das Bayerisches Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz. Darin bedauert es das Scheitern und lobt die bis dahin gute Zusammenarbeit in höchsten Tönen. Doch der Schrieb offenbart noch mehr. Nämlich, wie fest das Ministerium hinter dem Konzept steht. Die gewonnenen Erkenntnisse der Kranzberg-Studie sollen jetzt anderen Gemeinden helfen, ein modernes Tourismuskonzept auf die Beine zu stellen.

Aus der Machbarkeitsstudie werden nun „wichtige Handlungsempfehlungen für bayerische Kommunen im Bereich Klimawandelanpassung abgeleitet und in die Broschüre Kommunale Klimawandelanpassung eingearbeitet“, zitierte Bürgermeister Hornsteiner in der Gemeinderatssitzung. Das lässt ihm zufolge „unschwer erkennen, wie zukunftsweisend das Kranzberg-Projekt im Hinblick auf den Klimawandel gewesen ist“.

Ausgearbeitet haben es Tourismus-Professor Thomas Bausch und seine Studenten von der Hochschule München, Christian Weiler vom Ingenieur-Büro Klenckhart & Partner aus Innsbruck sowie die Marktgemeinde Mittenwald. Geplant hatten sie die komplette Modernisierung des Mittenwalder Hausbergs für 25 Millionen Euro. Kernstück des Konzepts war eine Seilbahn mit Acht- bis Zehn-Personen-Kabinen. Von der Talstation beim Luttensee-Lift sollte sie die Fahrgäste (maximal 1000 pro Stunde) auf den Kranzberg-Gipfel (1391 Meter) befördern.

Kranzberg-Sanierung: Pläne zwar aktuell nicht realisiert, umsonst waren sie nicht.

Diese Pläne werden zwar aktuell nicht realisiert, umsonst waren sie nicht. Denn sie spielen eine wichtige Rolle in der Infobroschüre des Ministeriums. Diese soll „Anstoßgeber sein, um das Thema Klimaanpassung langfristig auf die politische Agenda kleiner Kommunen zu bringen“. Die Studie vom Kranzberg gilt darin als Vorzeigeprojekt. Denn das „ganzjährige touristische Zukunftskonzept“ reagiere konkret auf die Folgen des Klimawandels. „Insbesondere sind dort Alternativen zum Wintersport aufgeführt, die neue Entwicklungsperspektiven für den Tourismus vor Ort schaffen sollen.“

Damit nicht genug. Einen weiteren Platz findet das Konzept in der Broschüre „Naturerlebnisse schaffen“. Darin bietet das Umweltministerium einen Überblick über „die verschiedenen Fördermöglichkeiten von Naturtourismus-Angeboten im Freistaat“. Bekanntlich bezuschusst Bayern umwelt- und klimaverträglichen Tourismus. Auch die Kranzberg-Pläne waren ein Teilprojekt davon. „Umwelt- und Naturschutz sind eine unverzichtbare Voraussetzung und zugleich eine enorme Chance für den Tourismus der Zukunft“, heißt es aus dem Ministerium. Das Mittenwalder Projekt hat hier ein Zeichen gesetzt und hilft nun anderen Kommunen.

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