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Wer macht so was? Diese Frage stellt sich Beni Wurmer. Vor ihm ist eine Furche zu sehen, die Mopedfahrer durch die Skipiste am Kranzberg gezogen haben.

„Wer macht denn so etwas?“

Kurz vor Saisonstart: Mopedfahrer verwüsten Skipiste - Schock für Betreiber 

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Die Mittenwalder Skiliftbetreiber Klaus und Beni Wurmer sind verzweifelt. Mopedfahrer missbrauchten ihre frisch präparierte Skipiste am Wildensee als Rennstrecke.

  • Klaus Wurmer und sein Sohn Beni sind verzweifelt.
  • Die Mittenwalder Skiliftbetreiber kämpfen seit Jahren mit immer weniger Schnee.
  • Nun haben Mopedfahrer ihre frisch präparierte Skipiste am Wildensee zerstört.

Mittenwald – Als Beni Wurmer am Montagfrüh (16.12.) die Pisten am Kranzberg-Skigebiet erreicht, traut er seinen Augen nicht. Der gesamte Talbereich am Wildensee ist mit tiefen Furchen umgepflügt. Wie ein Adergeflecht ziehen sie sich hunderte Meter weit durch die präparierte Piste. Erde, Gras und Steine sind aufgewühlt. Mopedfahrer haben offenbar den Hang und den Talbereich des Mittenwalder Skigebiets als Rennstrecke missbraucht, sind mehrmals rauf und runter gerast. 

Mopedfahrer zerstören präparierte Skipiste bei Mittenwald - kurz vor Eröffnung 

Die Schneisen, die sie gezogen haben, sind teilweise über 30 Zentimeter tief. Ausgerechnet jetzt, da Beni und sein Vater Klaus Wurmer kommenden Freitag die Piste für Skifahrer eröffnen wollten.

Der Frust ist groß. „Wer macht denn so etwas?“, fragt Beni Wurmer immer wieder. Er selbst sei Mopedfahrer. Auf so einen Blödsinn würde er aber nicht kommen. „Das sagt doch eigentlich der gesunde Menschenverstand, dass man das nicht macht.“ Seit dem Sommer werkeln er, sein Vater und die Mitarbeiter der geplanten Skigebietseröffnung am Wochenende entgegen.

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Sie mussten heuer viel investieren. So brauchte es ein neues Seil und 39 Seilklemmen für den kleinen Wildenseelift. „Da sind gleich mal Kosten im fünfstelligen Bereich fällig“, sagt Wurmer. Als es kalt wurde, begannen sie die Hänge am Luttenseelift mit Schneekanonen zu präparieren.

Skigebiet bei Mittenwald: Jede noch so kleine Spur auf Schneefläche ist gefährlich

Ein Bild der Verwüstung zeigt sich im Talbereich der Skipiste am kleinen Wildenseelift.

Am Wildensee, wo jetzt am Wochenende die Mopeds wüteten, gibt es keine künstliche Beschneiung. Hier muss sich Klaus Wurmer völlig auf den Schnee, der vom Himmel fällt, verlassen. Jedes Jahr aufs Neue ein Kampf. „Wir sind schon froh, um das bisschen Weiß, das wir hier oben haben“, sagt er. „Wir selbst sind hier nicht mehr gefahren, um nichts kaputtzumachen.“ Jede noch so kleine Spur kann die Schneefläche gefährden. Für Wurmer die Versicherung, um überhaupt in den Winter starten zu können. Der aktuelle Schnee am Kranzberg ist sozusagen das Fundament für den gesamten weiteren Skibetrieb. Auf die jetzige Piste müssen sich die Besitzer den ganzen Winter über verlassen. Sie haben bereits gewalzt, damit die eingeschlossene Luft entweicht. Einen schlechteren Zeitpunkt für das Wüten der Mopedfahrer hätte es nicht geben können.

Video: Pistenraupe am Drahtseil - Gefahr für nächtliche Tourengeher

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Mopedfahrer zerstören bereits präparierte Skipiste - tiefe Furchen auf Piste

Zwar ist auch schon der eine oder andere Tourenskigeher am Wochenende unterwegs gewesen. Die seien aber nicht das große Problem, sagt Wurmer. Die tiefen Furchen der Mopeds jedoch, die sich bis in die Erde gegraben haben, sind schlimm. Die Wurmers können jetzt nichts anderes tun, als mit der Pistenraupe versuchen zu retten, was wohl nicht mehr zu retten ist. „Wir werden den ganzen Dreck über hundert Meter auf der Piste verteilen“, sagt er. „Die Schneisen kriegst du nicht mehr gscheid raus.“ Sie haben deshalb die Polizei eingeschaltet. Die Beamten der Inspektion Mittenwald ermitteln gegen Unbekannt.

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Zerstörte Skipiste am Wildensee bei Mittenwald: Nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Auch im Sommer mussten sich Wurmer und seine Mitarbeiter immer wieder über Mopeds und Autos auf der Wiese ärgern. Teilweise kann auf den Wiesmahds nicht mehr vernünftig gemäht werden. Eigentlich ist die Forststraße zum Wildensee für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Skiliftbetreiber prüfen deshalb, ob sie eine Wildkamera installieren sollen.

Jetzt können sie am Freitag vorerst nur in abgespeckter Form das Kranzberg-Skigebiet eröffnen. Sie hoffen trotzdem auf viele Besucher. „Wenn es kälter wird und schneit, werden wir auch den Wildensee eröffnen. Die Furchen werden dann hoffentlich verschwunden sein.“ Auf der Piste und in der Seele der Wurmers.

joho

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