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Schussfahrt mit Spaßfaktor: Mit sogenannten Mountaincarts sollen künftig Erholungssuchende aus Nah und Fern auf dem Mittenwalder Kranzberg hinunter ins Tal brausen. Eine solch rasantes Angebot gibt es bereits im österreichischen Flachau, wo diese Aufnahme entstanden ist.

Mountaincarts als neue Tourismus-Attraktion

Mittenwalder Kranzberg: Mit Talfahrten nach oben

Mit einer Trendsportart wollen die Gemeindewerke Mittenwald den Tourismus ankurbeln und gleichzeitig ihre Einnahmen verbessern. Sogenannte Mountaincarts sollen dabei der Schlüssel zum Erfolg sein. Auf diesen Dreirädern können künftig Wagemutige am Kranzberg auch im Sommer über die Rodelbahn Richtung Tal donnern.

Mittenwald – Unwillkürlich muss Matthias Pöll lachen, wenn er an die Probefahrten im vergangenen Jahr zurückdenkt. Mit einigen wagemutigen Kollegen probierte der Chef der Mittenwalder Gemeindewerke die Mountaincarts aus. „Sie ähneln einem Dreirad“, beschreibt Pöll das schnittige Vehikel, mit dem auf der Kranzberg-Rodelbahn trainiert wurde. Das Experiment scheint geglückt: „Wir waren begeistert.“ Deshalb sollen diese Gefährte im großen Stil angeschafft werden – unter anderem auch um die Einnahmeseite beim Sessellift zu steigern. So paradox es klingt: Mit Talfahrten will Mittenwald touristisch nach oben kommen.

Gebremst wird das Mountaincart wie bei einem Fahrrad, die breiten Reifen sorgen für Stabilität im Gelände. Die Bedingungen für das Cart-Fahren sind in Mittenwald perfekt. „Ein bisserl flacher könnte das obere Stück der Rodelbahn sein“, meint Pöll zwar. Abgehen tut das neue Gerät dennoch. Dank einer extra ausgewiesenen Strecke würden somit auch keine Konflikte zwischen Cart-Piloten, Radfahrern, Wanderern oder landwirtschaftlichem Verkehr entstehen.

Mehr als 20 Carts sollen bestellt werden, sofern nun die letzten Genehmigungen unter Dach und Fach sind. „Mit den beteiligten Grundstücksbesitzern wurde bereits Kontakt aufgenommen“, teilt Pöll mit. Bisher sei nur wenig bis gar keine Kritik geäußert worden für den sommerlichen Spaß. „Auch die Untere Naturschutzbehörde sah bei einer Besichtigung vor Ort keine Probleme.“ Und diese stellt erfahrungsgemäß die größte Hürde bei solchen Vorhaben dar. Der Antrag auf Genehmigung liegt momentan beim Landratsamt Garmisch-Partenkirchen.

Baulich müssten nur mehr Kleinigkeiten am Kranzberg-Sessellift vollzogen werden. „Wir brauchen einen Unterstand für die Carts und eine Halterung an den Sesseln.“ Denn die Dreiräder werden mit der Bahn nach oben befördert. Als Preis kalkuliert Pöll etwa sechs Euro Ausleihgebühr zur normalen Bergfahrt hinzu. „Aber das wird erst noch im Detail errechnet“, versichert der Gemeindewerkschef.

Ziel ist es, die Besucherzahlen anzukurbeln, wie Pöll bei der Vorstellung des Wirtschaftsplans der Gemeindewerke in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich machte. Denn der Andrang von Sessellift-Nutzern war vor allem in den Wintermonaten bisher „eher schwach“. So pilgerten im Jahr 2014 rund 66 000, 2015 dann 81 000 und vergangenes Jahr 76 000 Besucher über den Sessellift zum Kranzberg. Mit der Trendsportart will man den Umsatz um rund 85 000 Euro jährlich steigern. Das Personal wird hierfür aufgestockt, ein Mitarbeiter soll vom geschlossenen Karwendelbad übernommen werden.

Auffällig ist, wie viele Gästekarten-Besitzer den Lift nutzen. So nahmen seit der Einführung der Karte rund 36 000 Urlauber jährlich alleine das Angebot der kostenlosen Sesselliftfahrt wahr. Wenn nun die erforderlichen Genehmigungen fürs Mountaincart durch sind, hofft man auf wesentlich mehr Besucher am Kranzberg.

Josef Hornsteiner

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