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Freuen sich über den Geldsegen: (v.l.) Gerhard Schöner (Förderverein), Alois Knilling (Förderverein), Matthias Pöll (Gemeindewerke), Thomas Schwarz (Anonyme Musiker), Monika Wehrsdorf (Caritas), Bürgermeister Adolf Hornsteiner, Klaus Zwerger und Georg Seitz.

Spende für bedürftige Menschen

Die Armut, die niemand sieht

Insgesamt 2300 Euro haben die Organisatoren der Hallenbad-Abschiedsparty im November 2016 an die Caritas und den Förderverein für das Rettungswesen im Oberen Isartal gespendet. Die Freude über den Geldsegen ist groß, deutet aber gleichzeitig auf die Schattenseite der Gesellschaft hin.

Mittenwald – Sie haben ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet und trotzdem reicht die Rente nicht. Sie waren glücklich verheiratet, bis die Ehe zerbrach, und die Alleinerziehenden seither nicht mehr über die Runden kommen. Gerade in Bayern, einem der reichsten Bundesländer, gibt es viele Senioren, Alleinstehende oder Kranke, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Auch im Oberen Isartal.

Für Thomas Schwarz und Matthias Pöll war es deshalb selbstverständlich, die Einnahmen ihres Hallenbad-Abschiedskonzerts im November dem wohltätigen Zweck zukommen zu lassen. „Wir dachten sofort an die Caritas“, erläutert Schwarz. So wurden 13 Briefkuverts mit jeweils 100 Euro als Weihnachtsgeschenk an hilfsbedürftige Isartaler verteilt, sagt Monika Wehrsdorf, Fachdienstleitung soziale Dienste der Caritas Garmisch-Partenkirchen. „Sie hätten die Augen der Menschen sehen müssen“, erzählt sie immer noch gerührt. „Diese Menschen waren überglücklich darüber, noch kurz vor Weihnachten ein unverhofftes Geschenk bekommen zu haben.“

Für einige war es sogar das erste Mal, dass sie etwas Derartiges erhalten haben. Bezeichnend dafür ist ein Dankesschreiben auf einer Postkarte, das Thomas Schwarz, der Schlagzeuger der „Anonymen Musiker“, vorlas. Diese erhielten sie von einer begünstigten Dame aus dem Isartal. „Liebe Helfer, Sie haben in meinem Leben ein Wunder bewirkt“, schreibt sie. „Ihre großzügige Spende hat mir Hoffnung und die Möglichkeit gegeben, einen Neubeginn zu starten.“ Die Postkarte zeigt auf der Vorderseite einen Blick ins sonnige Tal vom Gipfel der Zugspitze. „Das ist die Vorstellung, die ich von Ihnen habe. Sie sind überall, herzlich und warm wie die Sonne auf den Bergen und bringen Licht.“

Genau 41 Haushalte sind momentan im Landkreis Garmisch-Partenkirchen durch Armut auf Hilfe angewiesen. Doch die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein, wie Wehrsdorf vermutet. „Viele schämen sich für ihre Grundsicherung“, vor allem Senioren. Deshalb will Wehrsdorf ein besseres Netzwerk im Landkreis aufbauen, um mit bedürftigen Menschen in Kontakt zu treten. Sie appelliert an die Bürger, die Augen offen zu halten, damit auch den Menschen geholfen werden kann, welche die Unterstützung niemals selbst für sich in Anspruch nehmen würden.

Da es früher zur Normalität gehörte, dass Frauen zu Hause waren, kochten, sich um den Haushalt kümmerten und auf die Kinder aufpassten, ist „die Altersarmut häufig weiblich“. An Vorsorge dachten damals die Wenigsten. Und da sie nie offiziell in einem Arbeitsverhältnis waren, fehlt es nun an der Rente. Geschiedene sind ebenfalls sehr stark gefährdet, in die Armut zu rutschen. „Wir haben viele, die nach einer Scheidung nicht mehr auf die Füße kamen“, berichtet Wehrsdorf. Doch auch die psychischen Erkrankungen nehmen deutlich zu, die „Tendenz bei Burnout und Depression steigt“. Die restlichen 1000 Euro bekam der Förderverein für das Rettungswesen im Oberen Isartal unter dem Vorsitz von Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU).

Das Geld stammt aus der Abschiedsparty im vergangenen November. Zu dieser luden die „Anonymen Musiker“ und die Gemeindewerke ins entleerte Schwimmbecken des Hallenbads ein. Mehr als 300 Gäste kamen. „Ich habe mit meiner Frau sogar eine Nacht im Becken auf Iso-Matten übernachtet, um auf das ganze Equipment aufzupassen“, erinnert sich Pöll lachend zurück. Das war es angesichts des guten Zwecks allemal wert.

Josef Hornsteiner

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