Die Baustelle eines mehrstöckigen Gebäudekomplexes.
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Für viele ein Negativ-Beispiel: Das im Bau befindliche aja-Hotel an der Garmisch-Partenkirchner St.-Martin-Straße.

Vergleich mit Garmisch-Partenkirchner Pendant sorgt für Unmut

Neues aja-Hotel in Mittenwald: Angst vor Betonklotz bei Bürgern

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Nach der Sommerpause geht’s ans Eingemachte beim geplanten aja-Hotel an der Bahnhofstraße in Mittenwald. Nicht nur der Grundstückspreis wird dann Thema sein. Auch über das Aussehen wird wohl diskutiert werden.

Nehmen wir einmal an: Jemand bietet ein schönes Auto für 35 000 Euro feil. Allerdings darf es der neue Besitzer nur drei Tage die Woche nutzen, maximal 20 Kilometer am Tag fahren und lediglich zwischen 16 bis 18 Uhr. Was dann passiert? Richtig. Es ist zwar nach wie vor ein schönes Auto, aber bei weitem nicht mehr den ursprünglichen Preis wert.

Münzt man dieses Beispiel auf das geplante aja-Hotelprojekt an der Mittenwalder Bahnhofstraße um, ist das Ergebnis das gleiche: Bei Einschränkungen fällt der Wert. Oder wie Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) mit dem Vergleich sagen will: Wenn die Marktgemeinde Mittenwald Forderungen an die künftigen Hotelbetreiber hat, sinkt der Grundstückswert.

Damit will der Sozialdemokrat veranschaulichen, warum gleich zwei Gutachten bislang den Quadratmeterpreis für das Filetgrundstück zwischen Rathaus und Bahnhof nicht höher als 230 Euro einstufen.

Bekanntlich will die Marktgemeinde das Grundstück an einen Investor veräußern. Heißester Favorit ist aktuell die Deutsche Seereederei. Sie will ein Hotel ihrer aja-Kette mit 196 Zimmern und knapp 400 Betten bauen und betreiben. Investitionssumme: rund 50 Millionen Euro. Der vermeintlich niedrige Verkaufspreis aus den Gutachten stößt einigen Mittenwaldern sauer auf.

„Der Preis ist lediglich ein grober Orientierungswert“, sagt der Corongiu. Eine Basis, auf der nun im September mit den Investoren verhandelt werden soll. Der Rathaus-Chef wartet jetzt nur noch das Ergebnis der Verträglichkeitsstudie ab, die noch unter seinem Vorgänger Adolf Hornsteiner zusammen mit der „Interessensgemeinschaft gegen eine Bettenburg in Mittenwald“ in Auftrag gegeben wurde.

Anfang bis Mitte September sollen die Ergebnisse im Rathaus eintreffen. Corongiu ist aber schon jetzt klar, dass der Spielraum bei den folgenden Verhandlungen zwischen Marktgemeinde und Reederei nicht mehr groß sein wird. „Wir müssen Kompromisse eingehen“, sagt Corongiu.

Schließlich will die Gemeinde den Spa-, Wellness- und Schwimmbad-Bereich auch für seine Einheimischen und Gäste öffnen. „Das wird nicht sieben Tage in der Woche möglich sein“, sagt Corongiu. „Aber über solche Dinge muss man sich einfach einigen.“ Auch über ein Parkhaus sind er und seine SPD-Fraktion alles andere als glücklich. Er plädiert für eine Tiefgaragen-Lösung: „Die Autos sollten lieber unter die Erde als drüber. Das kostet natürlich mehr Geld.“

Doch größten Gesprächsbedarf wird es bei der Außenansicht geben. Schon unzählige Mittenwalder kamen auf den Bürgermeister zu. „Oh Gott, hast du des Garmischer aja-Hotel scho’ gesehen? Bitte so eins ja nicht zu uns“, sollen ihm schon mehrere gesagt haben. Bekanntlich baut die aja-Kette auch an der St.-Martin-Straße im Kreisort ein Hotel mit 229 Zimmern. „Das ist wirklich nicht mit Mittenwald zu vergleichen“, gibt Corongiu Entwarnung. Denn schließlich habe der dortige Bauausschuss aus der vergangenen Legislaturperiode dem Aussehen des großen viereckigen Gebäudes zugestimmt, indem sie die Ortsgestaltungssatzung einfach aushebelten. „Das wird bei uns nicht passieren“, versichert Corongiu. „In Mittenwald wird es viel mehr Holz statt Stein und Beton geben, ein Satteldach statt Flachdach und alles in passenden Farbtönen“, sagt der Rathaus-Chef. „Dadurch wird es aber auch preisintensiver.“ Wodurch es schwieriger wird, aus dem Verkaufspreis des Grundstücks noch mehr herauszuholen.

Corongiu fuhr bereits – genauso wie sein Vorgänger Hornsteiner – mit seiner Verwaltung nach Ruhpolding. Dort steht seit drei Jahren ein Hotel der bundesweiten Kette. „Da haben wir bereits viele Kritikpunkte vorgebracht, wie wir sie in Mittenwald nicht wollen.“ Er lobt die bisherige Zusammenarbeit mit den Investoren: „Die Verantwortlichen der Reederei sind sehr offen für Kritik und berücksichtigen unsere Änderungswünsche.“ Sein Fazit: „Das Hotel wird gut zu uns passen.“

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