+
Früher Eingangsbereich des Hallenbads, jetzt Kleiderkammer für den Bozner Markt.

Karwendelbad wird wiederbelebt: Tanzprobe im Schwimmtempel

Noch 50 Tage bis zum Bozner Markt in Mittenwald

Der Countdown läuft. Nur noch 50 Tage, dann beginnt der Bozner Markt in Mittenwald. DAS Ereignis für den Ort. Dafür dient nun das ehemalige Hallenbad als Schaltzentrale und Lagerhalle. Und Tanzparkett. Und Bandraum. Und und und.

Den Renaissance-Tanz üben hier gerade Andreas Schöner (vorne links) und seine Tanzpartnerin Andrea Knilling ein.

Mittenwald – In den Gemäuern des ehemaligen Mittenwalder Karwendelbads ist wieder Leben eingekehrt. Doch denkt man bei der Gemeinde nicht über eine Wiedereröffnung nach . . . Vielmehr hallen Trommeln, Pfeifen und Gesang hallen aus der leer stehenden Glasbaukonstruktion. Die Südseite des großen Beckens wurde in eine Bühne verwandelt, Tausende Tongefäße und Hunderte mittelalterliche Kleidungsstücke finden hier Platz. Es wird geprobt, anprobiert und marschiert. Das einstige Hallenbad hat sich für die Vorbereitungen zum diesjährigen Bozner Markt zum Dreh- und Angelpunkt verwandelt.

Jürgen Klier staunt nicht schlecht, als er zum ersten Mal voller Inbrunst in seinen Dudelsack bläst. Mächtig ist der Klang, der von den nackten Fliesenwänden und den hohen Glasfenstern zurückgeworfen wird. „Das hallt hier sehr schön“, freut sich der Mittenwalder. In 50 Tagen wird er sein Leben als Musiklehrer für über eine Woche gegen das eines verwegenen Gassenmusikanten und spielfreudigen Vagabunden tauschen. Gemeinsam mit seiner Frau Claudia ist er Neuzugang des mittelalterlichen Viergespanns „Tre Silvana“.

Zu Hause wär‘s zu laut, im Hallenbad ist‘s perfekt

Die Gruppe rund um den Liedermacher Manfred Asal und Georg Sailer ist eine der ersten musikalischen Combos, die im Hallenbad fleißig auf ihren historischen Instrumenten üben. „Unsere Nachbarn hätten das sicher nicht lange mitgemacht“, glaubt Claudia Klier. Die zahlreichen Instrumente, von Dudelsack über Schalmei bis hin zur „Zink“, dem Vorgänger des Blechblasinstruments, wären „zu Hause einfach zu laut“ gewesen zum Üben. „Das Hallenbad ist perfekt für unsere Proben, hier stören wir niemanden“. Auch der Platz ist da: Schließlich kann neben dem großen Becken ausgiebig marschiert werden.

„Eine ideale Lösung“, wie Hanna Veit vom Organisationskomitee bestätigt. Sie koordiniert die vielen Gruppierungen, stellt einen Probenplan für alle Darsteller und Musikanten im Hallenbad auf. Sämtliche Musik-, Gesangs- und Tanzgruppen sind in den Räumlichkeiten des ehemaligen Schwimmtempels nun untergebracht. Dort wird fröhlich neben den leeren Becken gepfiffen, getrommelt und gesungen. Sogar die Stelzengeher „Hochhaxat’n“ proben dort regelmäßig.

Eröffnungsstück: Premiere am 4. August

Auch die Szenen für das Eröffnungsstück werden seit Wochen im Hallenbad einstudiert. Auf der Südseite des großen Beckens wurde provisorisch mit schwarzem Klebeband die Bühne der Hochstraße skizziert. Da über 100 Laien-Darsteller bei der Premiere am 4. August mitwirken, teilte Spielleiter Georg Sailer die Proben in mehrere Gruppen auf. Ab Juli werden dann alle gemeinsam samt Statisten die Szenenproben für „Wein, Pest und Gesang“ einüben. Die beiden Darsteller Andreas Schöner und Andrea Knilling, die jeweils eine Hauptrolle übernehmen werden, versuchten sich schon mal am Renaissance-Tanz, der Teil des Stücks sein wird. „Es muss noch etwas anmutiger aussehen“, gibt Jürgen Klier als Devise aus, der für die Probe auch als Tanzlehrer fungiert. Schnell haben die beiden den Dreh raus, tanzen und hüpfen filigran auf der improvisierten „Bühne“.

Hunderte historische Kleidungsstücke in ehemaliger Eingangshalle

Doch es wird nicht nur geprobt im verwaisten Hallenbad. Gleichzeitig dient es als Lagerhalle. Wo 2012 noch mühsam wegen jedem Kleidungsstück zum damaligen Lager in der Grund- und Mittelschule gepilgert werden musste, ist es jetzt vom Rathaus aus nur mehr ein Katzensprung zur „Bozner-Markt-Zentrale“. Das freut Hanna Veit sehr. Denn oft standen 2012 Mitwirkende untertags in ihrem Büro und benötigten noch das ein oder andere Utensil für die mittelalterliche Festwoche.

In der ehemaligen Eingangshalle werden nun Hunderte historische Kleidungsstücke gelagert, in den hinteren Räumen stapeln sich Kistenweise Tongefäße. Fast 8000 Weinbecher sind verstaut und warten auf die Ausgabe, bis es wieder heißt: Das große Spektakel, es kann beginnen.

Josef Hornsteiner

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Weltmusik, rockige Nummern und verträumte Klangmalerei
„Ich gebe zu, dass die Musik aus Ländern mit heißem Klima mich immer sehr beeinflusst hat“, sagte Klaus Doldinger bei seinem Auftritt im Kultur- und Tagungszentrum …
Weltmusik, rockige Nummern und verträumte Klangmalerei
Richard-Strauss-Festival: Die Früchte reifen
Die Emotionen kochen hoch beim Richard-Strauss-Festival. Kein Wunder, verabschiedet sich doch Intendantin Brigitte Fassbaender nach neun Jahren aus …
Richard-Strauss-Festival: Die Früchte reifen
Balance-Akt in voller Montur
Sie sind flink, geschickt und arbeiten äußerst präzise. Am Samstag haben Feuerwehrmänner und –frauen aus ganz Deutschland, Österreich und Südtirol in 42 Gruppen zu je …
Balance-Akt in voller Montur
Beste Bedingungen für die Retter
Ein wahres Schmuckstück hat die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen am Kreuzeck geschaffen. Die neue Hütte, in die sehr viel Eigenleistung und 160 000 Euro geflossen sind, …
Beste Bedingungen für die Retter

Kommentare