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Nicht nur auf dem Seefelder Dorfplatz wird man auf die Ski-WM hingewiesen.

Tiroler investieren 52 Millionen Euro 

In einem Jahr: Ski-WM in Seefeld

Langsam, aber sicher befindet sich der Tiroler Nachbarort Seefeld im WM-Modus. Geschehen ist bis heute, 365 Tage vor den nordischen Titelkämpfen, viel. 52 Millionen Euro haben Bund, Land und Gemeinde bislang investiert. Gut angelegtes Geld, findet der Bürgermeister des mondänen Tourismusortes.

Seefeld/Tirol – Was die Nordische Ski-Weltmeisterschaften für Seefeld bedeuten? „Die WM ist für uns wie ein Lotto-Sechser“, sagt Bürgermeister Werner Frießer.„Die Norweger und Schweden werden uns überlaufen.“ Noch genau 365 Tage sind es bis zu diesem Massenansturm. Die Verantwortlichen in der mondänen und weltcup-erprobten Tourismusgemeinde sehen sich ein Jahr vor der Eröffnung der Nordischen Titelkämpfe (19. Februar bis 3. März 2019) dafür bestens gerüstet.

Der Bund und das Land Tirol haben seit dem WM-Zuschlag im Juni 2014 gewaltige Summen in das 3400-Seelendorf auf dem Seefelder Plateau gepumpt. Bislang flossen 52 Millionen Euro in den Ausbau der Wettkampfstätten und Infrastruktur. Der Ausrichtungsort muss davon laut Frießer den „bescheidenen Anteil“ von sechs Millionen Euro stemmen.

„Seefeld ist bumsvoll“

Angesichts der unglaublichen Fremdenverkehrszahlen ein Klacks. Allein in den Faschingsferien zählte man
12 000 Winterurlauber. Und diese kommen von überallher. Wer bei dichtem Schneetreiben über den Dorfplatz, vorbei am Klosterbräu Richtung Casino-Arena flaniert, hört sämtliche Sprachen: Englisch, Russisch, Italienisch, Schwedisch und so weiter. „Seefeld ist bumsvoll“, umschreibt es Frießer. „Bei uns kriegst momentan kein einziges Bett.“ Und davon gibt es im Ort der Superlative reichlich – über 8300. Mit den Einheimischen und Saisonarbeitern leben momentan knapp 20 000 Menschen in Seefeld. Mehr geht fast nicht: Denn die Kläranlage ist maximal für 21 000 Menschen ausgelegt. Auch die Dichte an Top-Adressen sucht seinesgleichen: ein Fünf-Sterne-Superior-, ein Fünf-Sterne-, drei Vier-Sterne-Superior und 30 Vier-Sterne-Hotels sprechen eine deutliche Sprache. Als touristische Anschubhilfe braucht Seefeld die WM also keinesfalls. Doch für den Bürgermeister geht es um mehr. Der Imagewert dieser publikumsträchtigen Weltmeisterschaften, die auch aktuell bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang in aller Munde sind, sei mit Geld nicht aufzuwiegen. Deshalb wird mit Hochdruck an den perfekten Wettkämpfen gearbeitet.

Investitionen von 52 Millionen Euro

Was ist in den zurückliegenden drei Jahren in Seefeld geschehen? Eine Menge, wie nicht anders zu erwarten war. Allein für die Trasse der 8,4 Kilometer langen Loipe wurden 2000 Festmeter Holz gerodet. Auch gebaut wurde allerhand. Bis zur Eröffnung sollen folgende Projekte umgesetzt sein: die Sanierung der WM-Halle, das Basisgebäude, der Schrägaufzug und die Flutlichtanlage für die Sprungschanze, das Volunteer- und Technical-Center, die Medal-Plaza, das komplette Loipennetz samt Beschneiungsteich sowie die Brücke über die Mösererlandesstraße. Die Kosten belaufen sich dafür auf etwa 27 Millionen Euro. Für die Modernisierung des zentral gelegenen Bahnhofs – keine fünf Gehminuten vom Skistadion entfernt –, die Erweiterung der Fußgängerzone sowie Straßenverlegungen fließen weitere 25 Millionen Euro. Nicht zu vergessen der Bau der temporären Tribünen im Oktober. Diese sollen so konzipiert werden, dass jederzeit das Fassungsvermögen von 8000 Zuschauern aufgestockt werden kann.

1200 freiwillige Helfer

Dass von den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften mit allein 1200 freiwilligen Helfern (Volunteers) auch das benachbarte Werdenfelser Land profiert, steht für den WM-Bürgermeister außer Frage. „Davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt.“ Die Tiroler Anrainergemeinden werden ebenso WM-Flair genießen und nebenbei gut verdienen. So schlagen die Teams aus der Schweiz und aus Norwegen in Leutasch ihr Quartier auf. Die Schweden zieht’s nach Mösern. Die deutsche Mannschaft nächtigt in der Golfacademy in Seefeld.

Ein Jahr vor der Eröffnung herrscht also Goldgräber-Stimmung auf dem Plateau. Doch ein Schreckensszenario beschäftigt die WM-Gastgeber: Was passiert wenn tausende von Schlachtenbummlern aus Richtung Mittenwald nicht anreisen können, weil das Nadelöhr an der Landesgrenze (Marchklamm) wegen Lawinen-Gefahr gesperrt ist? Das wäre für Bürgermeister Frießer, gelinde gesagt, eine Katastrophe. „Dann haben wir wirklich Stress.“

Christof Schnürer

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