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Malerisch liegt die Mittenwalder Hütte auf 1518 Höhenmetern im Karwendelgebirge.

Bernhard Kriner verabschiedet sich

Pächterwechsel in Mittenwald: „Schanni“ will nach oben

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Sie hat schlichtweg Heimweh. Jeannette Lorenz wird ab nächstem Jahr die neue Pächterin der Mittenwalder Hütte. Sie folgt Bernhard Kriner, für den 2019 die letzte Saison wird.

Mittenwald – Leicht hat er es sich nicht gemacht. Doch für Bernhard Kriner wird es heuer seine letzte Saison auf der Mittenwalder Hütte (1519 Meter) werden. Im Mai 2013 übernahm der damals 51-jährige Bergführer die DAV-Unterkunft. Jetzt geht seine Lebensgefährtin Luise, mit der er die Hütte betrieb, in den Ruhestand. „Alleine wollte ich es nicht mehr machen.“ Er wird noch bis zum 15. Oktober offen haben. Dann will er wieder als Bergführer im gesamten Alpenraum tätig werden. „Die Zeit hier oben werd’ ich vermissen.“ Über die vergangenen sieben Jahre kann er nichts Negatives sagen. Aber „irgendwann hat alles mal ein Ende“.

Doch die Isartaler brauchen keinesfalls um ihre Hütte fürchten. Die Nachfolgerin dürfte vielen bekannt sein. Denn fragt ein Fremder im Chiemgau, wo es den besten Kaiserschmarrn gibt, ist die Meinung einhellig. „Bei der Schanni halt.“ Schanni, bürgerlich Jeannette Lorenz, ist Pächterin der Traunsteiner Hütte auf der Winklmoos Alm – noch. Denn ab Mai 2020 wird sie die Mittenwalder Hütte übernehmen. Für die gebürtige Isartalerin geht damit ein lang ersehnter Traum in Erfüllung.

Pächterwechsel Mittenwalder Hütte: Lorenz kehrt nach zehn Jahren zurück in ihre Heimat

Berühmter Kaiserschmarrn: Jeannette Lorenz vor ihrer Traunsteiner Hütte, die sie voraussichtlich noch bis zum Winter bewirtet.

Mit Lorenz kommt eine wahre Macherin zurück nach Mittenwald. Ihren Heimatort hat sie im Januar 2010 verlassen, um sich den Wunsch einer eigenen Berghütte zu erfüllen. Zuvor hatte sie zahllose Bewerbungen geschrieben, doch es hagelte Absagen. „Mit Kindern und ohne Mann war es nicht ganz einfach“, beschrieb sie einst in einem Interview mit dem Magazin Land & Berge ihre schwierige Suche. Auch in Mittenwald ist sie nicht fündig geworden. Durch Zufall und sehr spontan hatte sie plötzlich die Möglichkeit, die Traunsteiner Hütte (1160 Meter) zu übernehmen. Lorenz kündigte ihre drei Jobs, die sie damals hatte, und zog binnen drei Wochen ins Chiemgau. Einem Landstrich, den sie bis dato nur flüchtig kannte.

Doch Lorenz kämpfte und schaffte es nicht nur, mit ihren Töchtern Tamara, Anisha, Mercedes und Celine ein solides Standbein als Selbstständige aufzubauen: Die Mittenwalderin verwandelte die Traunsteiner Hütte zu einem florierenden Betrieb, der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt ist.

Pächterwechsel Mittenwalder Hütte: Erfolgsrezept jetzt auch in Mittenwald umsetzen

Das Erfolgsrezept ist einfach, aber genial: Es besteht aus geballter Frauenkraft, einem starken Familienzusammenhalt und Kaiserschmarrn. Wegen ihrer süßen Mehlspeise sind sogar schon Gäste extra aus Köln angereist.

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Ihr Konzept, ehrlich und mit purer Handarbeit zu kochen, ging vollends auf. Mehrmals die Woche ist sie ausgebucht. An Spitzentagen kocht und serviert sie über 80 Mahlzeiten. Zahlreiche Journalisten, Reiseblogger und auch der Bayerische Rundfunk sind auf die engagierte Mittenwalderin aufmerksam geworden. Eine Dokumentation des BR-Formats „Lebenslinien“ berührte zigtausende Zuseher. Jeder wollte von der Erfolgsgeschichte der vierfachen Mutter erfahren, die eine kleine, ganzjährig geöffnete Hütte in einen kulinarischen Wallfahrtsort verwandelt hat.

DAV-Sektion Traunstein trennt sich nur ungern von ihrem Besuchermagnet

Kein Wunder also, dass die Alpenvereinssektion Traunstein sich nur ungern von ihrem Besuchermagnet trennt und in Schockstarre verfiel, als Lorenz das Ende ihrer Pacht verkündete. „Sie wollen mich eigentlich nicht gehen lassen“, sagt sie gegenüber dem Tagblatt.

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Doch des einen Leid, ist des anderen Freud. Denn dafür strahlt jetzt der Mittenwalder Alpenvereinsvorsitzende Max Schmidt umso mehr: „Wir haben einen wahren Glücksgriff mit der Schanni gemacht.“ Die Entscheidung sei von einem 15 Mitglieder starken Wahlgremium des Alpenvereins beschlossen worden. „Sie hat ja bereits zehn Jahre lang eine DAV-Hütte geführt und bringt dementsprechend Erfahrung mit und hat somit die besten Voraussetzungen“, sagt Schmidt. Und: Sie wird ihr Erfolgskonzept mit nach Mittenwald nehmen.

Die Vorfreude unterm Karwendel ist groß. Dementsprechend bereitet sich Lorenz schon jetzt auf ihre neue Herausforderung in ihrer alten, neuen Heimat vor. „Ich habe noch ein großes Netzwerk vor Ort“, sagt sie. „Da bekomm’ ich tatkräftige Unterstützung.“ Freunde, Bekannte, Verwandte – alle greifen gemeinsam mit der künftigen Hüttenwirtin an.

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