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Pater Cezary Liwinski tritt am 1. September seine Vikarstelle an.

Geistlicher auf zwei Rädern

„Ich bin ein Biker“: Das ist der neue Pfarrvikar im Isartal

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Er ist Geistlicher mit polnisch-deutscher Mentalität. Nun könnte die isartalerische dazukommen. Pater Cezary Liwinski tritt Anfang September seine Virkarstelle im Pfarreienverbund Mittenwald, Krün und Wallgau an – und hofft, dort länger wirken zu können.

Oberes Isartal – Montag, freier Tag, schönes Wetter. Perfekt, denkt sich Pater Cezary Liwinski. Perfekt für eine Tour. Der 50-Jährige setzt sich aufs Motorrad und braust mit seinem Bruder von Aschau/Waldkraiburg ins Isartal. Über Landstraßen, den Kesselberg bis nach Krün. Vier Stunden lang. Doch am Ziel, dem Pfarrhaus, steht er vor verschlossener Tür. Macht nichts. Die zwei gehen ins Wirtshaus, Liwinski bestellt Schnitzel mit Meerrettich. „Das habe ich noch nie gegessen“, sagt er. Ein neues Geschmackserlebnis in der neuen Heimat.

Nach nicht einmal einer Stunde treten die beiden die Rückreise an. Nur eines bleibt im Isartal, in Mittenwald: Liwinskis Maschine. Er selbst kommt bald mit größerem Gepäck zurück. Der gebürtige Pole aus Hinterpommern übernimmt am 1. September die Vikarstelle im Isartaler Pfarreienverbund, zu der die katholischen Kirchengemeinden Mittenwald, Krün und Wallgau gehören. Er wird der Nachfolger von Dr. Gerald Njoku, der sich Anfang Januar nach Nigeria verabschiedet hatte.

Die Gegend ist Liwinski völlig fremd. Der Flachländler, dessen Eltern in der Nähe der Ostsee leben, sagt selbst: „Die Berge sind exotisch für mich.“ Doch er findet die Landschaft überaus schön – und ideal für sein großes Hobby. „Ich bin ein Biker“, sagt der Pater. Er gehört sogar dem Biker-Club für Pfarrer an und betreute die Motorradfreunde Dorfen-Erding geistlich.

Wo er im Isartal seine Zelte aufschlagen wird, weiß er noch nicht. Mit Pfarrer Michael Wehrsdorf hat er bereits geredet, aber nur kurz. Der erste Eindruck: „Er ist nett. Man merkt, dass er Seelsorger durch und durch ist.“ Zunächst wird Liwinski dem Isartal aber fernbleiben. Vom 3. bis 8. September stehen Exerzitien an, ehe am 9. September der erste Gottesdienst auf ihn wartet. Wo? Auch das weiß er nicht. Die Absprache fehlt noch.

Er kann bairisch lachen

Die Diözese München-Freising hat die Entscheidung getroffen, den 50-Jährigen dem Pfarreien-Verbund zuzuteilen. Sie schaut, an welchen Orten ein Geistlicher dringend benötigt wird. „Wir sterben aus wie die Dinosaurier“, sagt Liwinski über den Priestermangel. Als Zwangsversetzung erachtet er den Wechsel von Waldkraiburg ins Isartal nicht. Im Gegenteil. Er freut sich auf die Aufgabe, auf den Neuanfang. Hofft, dass seine Arbeit kein kurzer Gastauftritt wird. „Mir wäre es recht, wenn ich länger bleiben könnte.“ Denn der persönliche Kontakte sind dem Geistlichen, der dem Salesianer-Orden angehört, wichtig. Er meint: Je kleiner die Gemeinde, je enger die Kontakte.

Möglichen Verständigungsschwierigkeiten sieht Liwinski, der 18 Jahre lang als Pfarrer fungierte, gelassen entgegen. Er spricht Hochdeutsch. Auf Bairisch kann er nur eines: lachen. „Das musst du, wenn du nichts verstehst“, sagt er und lacht. An den Dialekt seiner neuen Schäfchen wird er sich wohl erst gewöhnen müssen. Nichts Unmögliches für ihn, schließlich leitete er bereits verschiedene Landgemeinden in der Oberpfalz und bei Ingolstadt.

Welche Aufgaben ihn in seiner neuen Heimat erwarten? Liwinski lässt sich überraschen, will sich mit Wehrsdorf abstimmen. Bei den Salesianern spielt Jugendarbeit eine wichtige Rolle. Ob das ein Thema sein wird, kann er nicht einschätzen, weil er die Situation vor Ort nicht kennt. Er drückt’s bildlich aus: „Es wäre falsch zu sagen, ich werde Rallye fahren, wo es aber keine Straßen gibt.“ Aus dem Blick lässt er diesen Bereich ohnehin nie, wie auch die Betreuung älterer Menschen.

Der Pole fühlt sich wohl im Freistaat, hat viele gute Freunde gefunden. Sie seien sein Familien-Ersatz. Jetzt bekommt er die Chance, weitere zu gewinnen – im Isartal und seiner Umgebung, im Bikerparadies.

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