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Haben keinen Grund zur Sorge: (v.l.) Thomas Schwarzenberger, Thomas Rappensberger (Stellvertretender Dienststellenleiter), Thomas Holzer (Dienststellenleiter), Manuel Erdinger (Leiter Sachbereich Grenze), Adolf Hornsteiner und Hansjörg Zahler. 

Zahlen müssen richtig gelesen werden

Polizei klärt auf: So sieht die Sicherheitslage im Isartal aus

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Es ist seine Premiere: Thomas Holzer stellt zum ersten Mal den Sicherheitsbericht für das Obere Isartal vor. Eine Aufgabe, die dem neuen Mittenwalder Inspektionsleiter nicht schwer fällt. 

Mittenwald – Thomas Holzer sagt’s selbst: Die Zahlen bewegen sich „im lächerlichen Bereich.“ Dreimal wurden seine Kollegen im vergangenen Jahr gewaltsam angegangen. Jeweils durch alkoholisierte Täter verletzt. Trotzdem: „Das sind drei Fälle, die man erwähnen muss“, betont der Erste Hauptkommissar im Mittenwalder Gemeinderat. Weil sich solche Attacken mehren, überall in Deutschland. „Die Hemmschwelle ist brutal gesunken.“ Für den Leiter der Polizeiinspektion eine besorgniserregende Entwicklung. Absolut inakzeptabel.

Bei diesem Thema versteht Holzer, seit Januar Chef in Mittenwald, keinen Spaß. Amüsante Bemerkungen spart er sich. Die wirft er an anderen Stellen ein bei seiner ersten Präsentation des Sicherheitsberichts, erntet sogar einige Lacher. Grund für die allseits gute Laune im Gremium: Das Isartal ist kein Unruheherd. „Sogar im kleinkriminellen Bereich sind wir am untersten Level.“

Plakativ erklärt der Krüner den Gemeinderäten die Lage in den drei Orten – und die richtige Lesart des Berichts. Er spricht von einem „gefälschten Ergebnis“, weil die Fälle der Bundespolizei miteingerechnet sind. Insgesamt wurden 2017 im Isartal 1138 Straftaten erfasst. Deutlich weniger als ein Jahr zuvor (siehe unten). Sie sind bei der Analyse aufzuspalten. Waren es 2016 noch 1213 Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, kam man heuer nur mehr auf 691. Straftaten durch irreguläre Migration seien also stark rückläufig. Stabil blieben dagegen die Zahlen der „normalen“ Delikte. 20 Taten weniger verzeichnete die Polizei.

Selbst in den einzelnen drei Orten zeigt sich ein Widerspruch bei den Zahlen. Mittenwald schneidet – trotz einer Abnahme – mit 1013 Gesetzesverstößen nicht gerade gut ab. Der Eindruck täuscht. Darauf weist Holzer ausdrücklich hin. Greift die Bundespolizei illegal Einreisende auf, wird als Tatort die Grenze angegeben, klärt der Hauptkommissar auf. Und diese ordnet das Präsidium Mittenwald zu. Auch, wenn die Kontrolle in Klais stattgefunden hatte. Heißt: Die 732 Fälle „müssen wir rausrechnen“.

Asyl-Situation: Kaum Probleme im Isartal

Gleichzeitig macht Holzer deutlich, dass die so genannten Kontrolldelikte der Kollegen beeinflussbar seien. Denn das Ergebnis hängt von der Häufigkeit ab. „Wenn die Beamten nicht kontrollieren, gibt es keine Straftaten, deshalb keine Kriminalität – und somit bin ich gut.“ Wieder eine von Holzers amüsanten Schilderungen, wie sich Zahlen in den Statistiken ergeben können.

Dafür lässt er an seiner Einschätzung zur Asyl-Situation im Isartal nicht zweifeln. Alles ruhig, lautet sein Fazit. Kennt Holzer auch anders. Von seiner Arbeit als Vizechef der Garmisch-Partenkirchner Inspektion. Während sich im Isartal Rohheitsdelikte wie Schlägereien immer seltener ereignen, „werden’s in der Marktgemeinde immer mehr“. Liegt ihm zufolge schon an der Zahl der Migranten. „So ab 200 in einem Gebäude wird’s kritisch“, sagt er. Davon sind die Orte Mittenwald, Krün und Wallgau mit ihren vier Unterkünften und insgesamt im Schnitt 130 Zuwanderern ein gutes Stück entfernt. Was sich positiv auswirkt. „Auch wenn es die Leute nicht glauben“, versichert Holzer, „haben wir so gut wie keine Probleme.“ Die entspannte Situation führt er auf die „günstigere Zusammensetzung“ zurück: Keine „zwei Meter großen Schwarzafrikaner“, keine Gangs. In seinem Einsatzbereich leben vor allem Familien mit Kindern.

Zu den meist begangenen Straftaten von Menschen jeglicher Couleur zählen vielmehr Diebstähle, Internet-Betrügereien und Rauschgiftdelikte. Letztere hauptsächlich verübt von Angestellten in der Gastronomie. Auch häusliche Gewalt nimmt zu, weil sich das Anzeigeverhalten der Betroffenen verändert habe, sagt Holzer. Bei diesem Thema verfinstert sich seine Miene wieder. „Wenn man Vernehmungsprotokolle liest“, sagt er, „da kann den Glauben an die katholische Ehe verlieren.“ Sogar im Isartal.

Zahlen im Überblick

Oberes Isartal:

Straftaten gesamt: 1138 (Jahr 2016: 1680); Aufklärungsquote: 974 Straftaten, also 85,6 Prozent (minus 3,9 Prozent) Bundespolizei: 732 Fälle 

Verstöße gegen Aufenthaltsgesetz: 691 (1213) 

Straftaten in den Orten (inkl. Bundespolizei): 

Mittenwald: 1013 (1565) Krün: 93 (85) Wallgau: 32 (30) 

Tatverdächtigenstruktur: Männlich: 717 (1169); weiblich: 189 (268); davon Ausländer (ohne irreguläre Migration): 67 (59) Sexualdelikte: 7 (3) 

Rohheitsdelikte (z.B. Körperverletzung): 56 (85) 

Diebstahlsdelikte: 92 (112) 

Vermögens- und Fälschungsdelikte: 124 (124) 

Sonstige Staftatbestände: 116 (104)

darunter Widerstand gegen Polizisten: 3 (1) oder vorsätzliche Brandstiftung: 2 (0)

Strafrechtliche Nebengesetze: 743 (1252) 

darunter Rauschgiftdelikte 35 (30) oder Aufenthaltsgesetz: 691 (1213) 

Häusliche Gewalt: 19 (9) 

Verkehrsunfälle: 318 (337) 

Verkehrsstraftaten: 48 (68)

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