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Ziehen an einem Strang: (v.l.) Michael Weber (Leiter der Mittenwalder Inspektion), Bürgermeister Adolf Hornsteiner und Polizeipräsident Robert Kopp. 

Dienstelle nachts nicht mehr besetzt

Polizei verstärkt in Mittenwald ihre Präsenz

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Mittenwald - Bürger wünschen sich mehr Sicherheit. Deshalb startet das Polizeipräsidium Oberbayern Süd ab Anfang Januar einen Testlauf mit den Beamten der Mittenwalder Dienststelle: Nachts bleibt die Inspektion oftmals unbesetzt, dafür fahren Streifen umher.

 Die Anschläge in Paris und Nizza sowie in der Türkei, der Amoklauf am Münchner Olympia-Einkaufszentrum und nicht zuletzt die Tragödie am Montag in Berlin – es sind alles traurige und erschütternde Beispiele dafür, dass sich die Welt verändert hat. Und sie verändern die Menschen, ihr Denken, ihre Gefühle. Das Bedürfnis nach Sicherheit wächst, auch wenn es diese 100-prozentig nie geben wird. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd reagiert nun und strukturiert die Inspektion in Mittenwald um. Die Präsenz der Beamten soll sichtbar erhöht werden – und zwar durch geänderte Öffnungszeiten der Dienststelle.

Ziel ist es, die Arbeit zu professionalisieren und effektiver zu gestalten, machte Polizeipräsident Robert Kopp bei einem Pressegespräch deutlich. Dafür wird Anfang Januar ein einjähriger Probebetrieb gestartet. In diesem Zeitraum will man die richtigen Öffnungszeiten der Inspektion ausloten. Konkret heißt das, dass die Wache von 20 bis 7 Uhr unbesetzt bleibt (vorerst vorgesehen am Montag, Dienstag, Donnerstag und Sonntag). Stellen werden nicht wegrationalisiert, nur die Stunden verlagert. Denn der Sinn und Zweck der Neuausrichtung liegt darin, zum Beispiel durch Streifen die Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit zu erhöhen und gleichzeitig weiterhin sicherzustellen, dass die Bürger 24 Stunden mit der Polizei in Kontakt treten können.

Wer klingelt oder anruft, landet in Rosenheim

Um das zu gewährleisten wurde das Gebäude an der Prinz-Eugen-Straße – neben einer barrierefreien Ausgestaltung für etwa 73 000 Euro – soweit technisch aufgepäppelt, dass die Dienststelle ohne großen Aufwand unbesetzt bleiben kann. Zum Beispiel hat man die Inspektion mit einer Videoüberwachung ausgerüstet. Kostenpunkt: rund 40 000 Euro. Geld, „das es uns wert ist“, sagte Kopp. Bürger können künftig die „Klingeltaste“ drücken, die sie direkt mit der Einsatzzentrale in Rosenheim verbindet. Der Beamte dort schätzt die Situation vor Ort mit Hilfe der Videokamera ein und setzt entsprechende Maßnahmen in Gang. Wer anruft, landet ebenfalls in Rosenheim. „Die Kette geht schnell“, untermauerte der Polizei-Chef. Das bestätigt Hauptkommissar und Inspektions-Leiter Michael Weber. „Die Streife wird genauso schnell in Bewegung gesetzt wie früher.“ Er zeigt sich überzeugt von dem neuen Konzept, weil es personelle Ressourcen freischaufelt.

Für Kopp ist diese Botschaft wichtig. „Das ist kein Rückzug aus der Fläche“, betonte er. Dem Polizeipräsidenten zufolge hängt diese Vorgehensweise auch nicht mit den Rund-um-die-Uhr-Grenzkontrollen zusammen, bei der die Bayerische Bereitschafts- der Bundespolizei unterstützend unter die Arme greift. „Das hat damit null zu tun.“ Vielmehr erfordert die aktuelle Situation diesen Schritt. „Sicherheit hat in den letzten Monaten eine neue Wertigkeit bekommen“, betonte Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) in diesem Zusammenhang. Selbst, wenn „bei uns die Welt noch ein stückweit in Ordnung ist“. Die schrecklichen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit hinterlassen dennoch ihre Spuren.

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