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Ein wenig gespenstisch sieht‘s aus: Doch der Porta-Claudia-Tunnel nimmt Gestalt an.

Ortsumfahrung an der Landesgrenze 

Licht am Ende des Scharnitzer Tunnels

Es ist ein Ende in Sicht: Der Bau der Ortsumfahrung Scharnitz befindet sich auf der Zielgeraden. In gut einem Jahr soll der Porta-Claudia-Tunnel feierlich eröffnet werden. Eine einfache Aufgabe war es bis dato nicht, wie der Technische Bauleiter Matthias Aschaber bei der Besichtigung der Mammut-Baustelle verdeutlicht.

Scharnitz Noch ist es matschig auf dem Boden, auf welchem ab August 2018 an Spitzentagen bis zu 18 000 Autos an Scharnitz vorbei geleitet werden sollen. „Der Straßenasphalt wird erst zum Schluss gemacht“, erklärt Matthias Aschaber. Mit Gummistiefeln und orangefarbener Jacke schreitet der Chef des momentan größten Straßenbauprojekts in Tirol in die große, klaffende Wunde, die in den Berg gebohrt und gesprengt wurde. Es lässt sich erahnen, wie der Straßenverlauf künftig sein wird. Dort, wo früher die Fußballer des SV Raika Scharnitz um Tore kickten, liegen nun tausende Kubikmeter an Gestein. Unzählige Bagger und Lkw donnern täglich über den ehemaligen Sportplatz am südlichen Ende der Umfahrung. Der neue wird bereits südlich kurz vor Gießenbach errichtet.

Alles im Blick: Bauleiter Matthias Aschaber zeigt, in welchem Abschnitt gerade gearbeitet wird.

„Über 37 000 Kubikmeter Gestein wurden aus dem Berg geholt“, sagt Aschaber, als er fast schon bedächtig seinen Tunnel betritt. Der Beton ist an den Wänden angebracht, die brachiale Maschine hierfür bereits wieder abgebaut. Sie wird jetzt bei einer Tunnelbaustelle in Landeck gebraucht. Daneben steht eine mobile Brechanlage. Sie sorgt dafür, dass der auf 960 Meter weggesprengte und ausgebohrte Wettersteinkalk in kleine Teile zur Weiterverarbeitung zerlegt wird. Das Material wird nun für sämtliche Straßenbauprojekte in Tirol verwendet.

Doch bis der Durchbruch – in Tirol der Barbara-Schuss genannt – vollzogen werden konnte, war es zwar ein zügiger, aber nicht ganz ungefährlicher Weg. So flog bei einer der letzten Sprengungen im Tunnel ein Gesteinsbrocken wie ein Querschläger durch das Fenster eines Anliegerhauses. „Wir sind glücklich, dass nichts Schlimmeres während der Bauarbeiten passiert ist“, zeigt sich Aschaber erleichtert. Dennoch entstand der eine oder andere Sachschaden an den umliegenden Scharnitzer Häusern.

An manchen bildeten sich leichte bis schwere Risse, in anderen flogen gleich ganze Fliesen von den Wänden. Die Betroffenen will man nun entschädigen. Doch das Land Tirol ging da auf Nummer sicher: „Vorab fertigte ein Gutachter Bildmaterial der Häuser an und verglich diese dann mit dem Zustand nach den Sprengungen.“ So verhindert man, dass sich besonders Schlaue eine Entschädigung erschwindeln.

Gearbeitet wurde in drei Schichten. Vier Sprengungen täglich waren nötig, um das Bauvorhaben voran zu bringen. Rund um die Uhr also donnerte der Scharnitzer Boden, pro Sprengung drangen die Mineure durchschnittlich drei Meter weiter in den Berg. Für die Bevölkerung eine Zerreißprobe. Doch Aschaber machte bisher eigentlich nur positive Erfahrungen mit den Anliegern. „Die meisten zeigen Verständnis dafür, dass ein solches Bauvorhaben auch etwaige Probleme mit sich bringt.“

Am Ende des Tunnels angekommen, blickt Aschaber noch einmal zurück. Es wimmelt in und vor dem Bauwerk von Fahrzeugen und Arbeitern. An Spitzentagen waren bis zu 50 Mann im Tunnel tätig. Der Alltag war ein rauer für die Kumpels und Mineure, die größtenteils aus Österreich stammen.

Viel Beton: Doch die neue Isarbrücke muss viel Verkehr verkraften.

„Schwierig war es, als der Tunnel noch nicht durchschlagen war.“ Staub und Dreck standen in der ausgebrochenen Höhle. Erst durch den Einsatz von Belüftungsmaschinen war es möglich, überhaupt weiter zu arbeiten. Seit dem Durchbruch herrscht eine frische Zirkulation in dem Tunnel.

Stolz ist Aschaber auf die neue 100 Meter lange Isarbrücke, die ab August 2018 die nördliche Ausfahrt des Tunnels mit der Bundesstraße in Richtung Mittenwald verbindet. Diese Stelle war allerdings eine äußerst verzwickte. Da sich die Mauern der Burgruine Porta Claudia nur wenige Meter neben den Schaufeln der Bagger befanden, grub man dort unter der Aufsicht eines Archäologen. „Es wurde vermutet, dass sich unter dem Felsen auch noch Teile der ehemaligen Festung befinden könnten“, sagt der Bauleiter. Doch zerstört hatten er und sein Team glücklicherweise nichts. „Wir haben genau an den äußersten Gemäuern vorbei gegraben.“

Auch wenn die Bauarbeiten terminlich zu einer Punktlandung führen und sonstige größere Schäden ausblieben, wird der Tunnel dennoch geringfügig teurer. Aus den veranschlagten 34 sind nun 36 Millionen Euro geworden. „Im Verhältnis sind wir sehr gut durchgekommen“, bilanziert Aschaber. „Sehr stolz“ ist er auf seine Mammut-Baustelle in Scharnitz – die in gut einem Jahr keine mehr ist.

Josef Hornsteiner

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