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In Amt und Würden: Johann Sailer (r.) und sein Vorstandskollege Georg Hornsteiner (l.) gratulieren den Aufsichtsräten (ab 2. v. l.) Axel vom Brocke, Josef Frank, Kirsten Weissenborn und Walter Gast. 

Positive Bilanz in schweren Zeiten

Raiffeisenbank gibt Zuckerl für die Kunden

Trotz bewegter Zeiten hat die Mittenwalder Raiffeisenbank es geschafft, die Spur zu halten. Mehr noch: Das Geldinstitut belohnt ihre treuen Mitglieder sogar mit einer Brutto-Dividende von vier Prozent plus einem Prozent Bonus.

Mittenwald So etwas hat es noch nie gegeben, „nicht in den vergangenen 5000 Jahren“, wie Johann Sailer bitter bilanziert. „Minus 0,4 Prozent. Das ist der Zins, den die Europäische Zentralbank für Einlagen von den Banken zur Zeit kassiert.“ Ein historisches Tief, das selbst zinserprobten „Babyloniern, alten Griechen oder Römern“ fremd wahr. Die Worte des Vorstandsvorsitzenden liegen schwer in dem gut gefüllten TSV-Saal. Die Folgen treffen vor allem „traditionelle Geschäftsmodelle von uns kleinen Banken“, führte Sailer den interessierten Zuhörern weiter aus. Negativzinsen lassen die Einlagen- und Kreditzinsen schrumpfen. „Da purzeln und purzeln die Zinserträge, und das wird leider auch in den nächsten Jahren so bleiben“, prognostizierte der Vorstandsvorsitzende am Mittwochabend bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Mittenwald.

Auch in Sachen Bankenregulierung sei „noch kein blauer Himmel mit Sonnenschein in Sicht“. Viele neue Regelungen hat der Staat im vergangenen Jahr verabschiedet, die der Traditionsbank unterm Karwendel das Leben schwer machen. „Sie kriegen immer mehr Papier, und alles wird komplizierter“, verdeutlichte Sailer den Mitgliedern.

Von den verursachten Kosten ganz zu schweigen. Diese sind auch aufgrund der zahllosen Kontrollen stetig gewachsen. „Über 90 Prüfer-Tage hatten wir 2016.“ Angefangen von der gesetzlichen über die Geldwäsche- und die IT-Untersuchung bis hin zum Finanzcheck der Wertpapiere und der Betriebsprüfung seitens des Finanzamts. Nicht nur einmal musste sich Sailer deshalb die Frage stellen: „Was bringen diese vielen Prüfungen überhaupt und wem helfen sie wirklich weiter?“ Mehr als 80 000 Euro musste die Raiffeisenbank jedenfalls dafür berappen.

Weniger ein kleines Wunder, als vielmehr der guten Arbeit der Bank ist es zu verdanken, dass trotz all dieser Hürden und der nach wie vor andauernden Finanzkrise ein „sehr gutes Jahresergebnis erzielt werden konnte“. Die Zahlungsfähigkeit war zu jeder Zeit gegeben, und es gab auch „keine weiteren Beeinträchtigungen“.

Das Eigenkapital beläuft sich momentan auf 11,9 Millionen Euro, die Bilanzsumme auf 105,9 Millionen Euro. Die 1815 Mitglieder durften deshalb aufatmen: Sie erhielten für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Bruttodividende von vier Prozent zuzüglich einem Bonus von einem Prozent „aufgrund des guten Ergebnisses“.

Als einer der größten Steuerzahler des Marktes Mittenwald war es auch für Bürgermeister Adolf Hornsteiner „eine ganz besondere Jahreshauptversammlung“, zu denen er ja wahrlich viel eingeladen wird das ganze Jahr über. Eindringlich appellierte er ans Publikum, der einheimischen Bank treu zu bleiben und den „vielseitigen Verlockungen im Online-Zeitalter“ zu widerstreben. Denn diese oft vielversprechenden Angebote im Internet würden sich „oftmals als Rohrkrepierer“ entpuppen. Einheimische Beratungsleistungen und Angebote seien da die bessere Alternative. Sein Wunsch deshalb: „Aus der Region, für die Region.“

Dass alles ordnungsgemäß läuft, dafür steht das Kontrollgremium. Im Aufsichtrat sitzen neben dem langjährigen Vorsitzenden Walter Gast und Axel vom Brocke auch Kirsten Weissenborn und Josef Frank. Die beiden letzteren wurden nun turnusgemäß für weitere drei Jahre in ihren Ämtern bestätigt.

Josef Hornsteiner

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