Investition mit Sprengkraft: Seit Kurzem steht in der Karwendelbahn-Bergstation diese Destillationsanlage zur Whiskey-Produktion.
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Investition mit Sprengkraft: Seit Kurzem steht in der Karwendelbahn-Bergstation diese Destillationsanlage zur Whiskey-Produktion.

Provokation im Naturschutzgebiet

Karwendelbahn: Die Genehmigung fehlt, die Schnaps-Brennerei kommt trotzdem

  • vonChristof Schnürer
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Die Karwendelbahn-Hauptaktionäre provozieren. Wieder einmal. Sie haben eine Schnaps-Brennerei in der Berggaststätte installiert. Baugenehmigung? Fehlanzeige. Wieder einmal.

Mittenwald – Die Hauptaktionäre aus Heidenheim haben es tatsächlich getan: „In der Berggaststätte der Karwendelbahn auf 2244 Metern Höhe befindet sich seit wenigen Tagen die neue hochmoderne Destillationsanlage, Deutschlands höchste Brennerei“, tönen sie in ihrem Newsletter (gleichzeitig Presse-Mitteilung). „Wir gehen davon aus, dass die ersten Brände in circa vier bis sechs Wochen von uns gebrannt werden können.“ Bei dem Hochprozentigen soll es sich nicht etwa um einen alpen-konformen Enzian, sondern um Whiskey handeln.

Mit anderen Worten: Vorstand Wolfgang W. Reich und seine Geschäftsfreunde, die seit Jahren mit der Marktgemeinde Mittenwald (zweitgrößte Aktionärin) sowie diversen Ämtern im Clinch liegen, haben einmal mehr Tatsachen geschaffen. Für die Verantwortlichen im zuständigen Landratsamt bedeutet Reichs Schnaps-Offensive im Naturschutzgebiet nur eines: eine weitere Provokation.

Karwendelbahn-Investoren: Wieder kein Bauantrag, wieder keine Antwort

Denn wie schon bei diversen anderen Vorhaben (beispielsweise Freisitz an einem Nebengebäude oder Mobilheim auf dem Parkplatz) hielten es die Investoren auch diesmal nicht für notwendig, vorher einen Bauantrag einzureichen. Eine entsprechende Anfrage des Tagblatts ließen Reich und Co. einmal mehr unbeantwortet. Dafür meldet sich die Kreisbehörde zu Wort: „Für die Brennerei wurde bislang kein Bauantrag gestellt“, teilt Pressesprecher Stephan Scharf mit. „Somit gibt es keine Baugenehmigung.“ Ins gleiche Horn stößt Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD). Angesichts der immer gleichen Spielchen der Karwendelbahn-Verantwortlichen flüchtet er sich regelrecht in den Humor: „Gab’s einen Bauantrag? Nein, den gab es nicht.“ Auskunft in puncto Whiskey-Verköstigung hätte ihm sicherlich Mitvorstand Patrick Kenntner, Reichs treuer Statthalter in Mittenwald, geben können. Zumindest taucht dieser neuerdings bei Gemeinderatssitzungen auf.

Doch die Heidenheimer schweigen – nicht allerdings in ihrer Presse-Mitteilung, in der von zahlreichen Baufortschritten und Investitionen die Rede ist. So sollen laut Karwendelbahn AG „in den vergangenen Monaten“ rund eine Million Euro etwa in neue „Hightech-Toiletten“ mit Sitzheizung und die Umgestaltung des Bergrestaurants inklusive Maßkrugtresorschrank geflossen sein.

In Seilbahntechnik investiert: Aufsicht bestätigt einwandfreie Funktion

Auch die Seilbahntechnik ist um die dringend notwendige Steuerung reicher. „Vor wenigen Wochen fand die Überprüfung des Tragseils statt“, lässt Reich via Newsletter verlauten. Alles einwandfrei, das bestätigt die Seilbahnaufsicht der Regierung von Oberbayern.

Während deren Vertreter völlig problemlos seiner Arbeit nachgehen konnte, ließen die Heidenheimer im Falle des Landratsamtes offenbar ihre Muskeln spielen. Dem Vernehmen nach mussten Sachverständige der Kreisverwaltung unten bleiben. Eine Gondelfahrt auf den Berg wurde ihnen nicht gestattet. Was laut Gesetz statthaft ist. Zwar könne der Bauaufsichtsbehörde privatrechtlich kein Hausverbot erteilt werden, erläutert Sprecher Scharf. „Diese Befugnisnorm verpflichtet den Eigentümer jedoch nur zur Duldung des Betretens und nicht dazu, die Bauaufsichtsbehörde aktiv – zum Beispiel mit einer Seilbahn – zu befördern. Hieran kann auch die Polizei nichts ändern.“

Kräftemessen zwischen Behörde und Karwendelbahn-Hauptaktionär nicht beendet

Doch die Kraftprobe ist damit noch lange nicht erledigt. Ganz im Gegenteil. Denn Scharf zufolge bedarf die strittige Schnapsbrennerei neben dem baurechtlichen Placet sowie diversen Gewerbeauflagen zudem „wohl auch einer Befreiung von der Schutzgebietsverordnung“.

Keinerlei Bedenken hat übrigens eine andere staatliche Stelle. Nach Prüfung der eingereichten Unterlagen „haben wir den Antrag positiv beschieden“, lässt ein Sprecher des Zollamts Ulm wissen. Was im Grunde nicht weiter verwundert, schließlich verdient der Staat an Spirituosen jede Menge. Getreu dem Motto: Je höher der Prozentsatz, desto höher die Einnahmen.

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