Hier soll’s hingehen: Die Corona-Skeptiker wollen zum Mittenwalder Rathaus.
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Hier soll’s hingehen: Die Corona-Skeptiker wollen zum Mittenwalder Rathaus.

Sympathien für Querdenker

Corona-Demo in Mittenwald: „Rassel“-Bande zieht vors Rathaus

  • vonChristof Schnürer
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Corona-Skeptiker fordern vor dem Mittenwalder Rathaus ein Ende der Maskenpflicht für Kinder. Organisatoren hegen Sympathien für führende Querdenker in der Bundesrepublik.

Mittenwald – Mahnwachen, Autocorso, Schilder-Demo – seit Monaten ziehen Michael Mannheim und einige Gleichgesinnte gegen die Corona-Politik in Mittenwald zu Felde. „Daheim sitzen bringt nichts“, lautet das Credo von Mannheim, der für morgigen Donnerstag erneut zum Protest aufruft. Diesmal lautet die Parole: „Wir stehen auf und zeigen Gesicht für unsere Kinder“. Symbolisch sollen dabei Schuhe, Spielzeug oder Kleidungsstücke vor dem Rathaus abgelegt werden. Damit will man Forderungen wie „Keine Masken- und Testpflicht an Schulen“ sowie „Kein Distanzunterricht“ untermauern.

„Kommt bitte alle zahlreich, nehmt Plakate, Schilder, Zeichnungen Eurer Kinder, Rasseln und alles, was Lärm macht, mit“, heißt es auf der Plattform Freiheitsboten-Oberland.de. Darin publiziert auch die Ortsgruppe Mittenwald um Michael Mannheim. Auf der Startseite ist dabei folgendes zu lesen: „Die Freiheitsboten sind entstanden aus einer Initiative von Herrn Dr. Bodo Schiffmann, den wir alle sehr schätzen.“ Dieser umstrittene Mediziner hat sich seit dem ersten Lockdown in der sogenannten Querdenker-Szene exponiert, verbreitet Verschwörungstheorien zur Covid-19-Pandemie und gilt allgemein als eine der Führungsfiguren der deutschen Corona-Leugner-Szene. Darüber sind sich offenbar auch die Verantwortlichen von Freiheitsboten-Oberland.de im klaren. In puncto Schiffmann ist darin weiter zu lesen: „Respekt und Wertschätzung gegenüber einer Person heißt aber nicht, sich die Meinungen und Ansichten dieser Person vollständig zu eigen zu machen. Der letzte Satz bedeutet wiederum keine Distanzierung von der Person.“

Anti-Corona-Aktivist Mannheim schwärmt von führenden Querdenkern

Doch wie steht der Mittenwalder Anti-Corona-Aktivist Mannheim zu Schiffmann? „Ich kann nichts Verwerfliches feststellen“, findet der studierte Elektro-Ingenieur. Gleichzeitig räumt Mannheim ein: „Er ist nicht unumstritten.“ Trotzdem konstatiert der Mittenwalder: „An seiner Sache ist was dran.“ Abgrenzung von einem der führenden Querdenker in der Republik sieht anders aus. Das trifft im Übrigen auch auf Mannheims Einschätzung gegenüber dem Leipziger Anwalt Ralf Ludwig zu, einem weiteren querdenkenden Protagonisten des Corona-Widerstands. „Der ist wunderbar“, schwärmt Mannheim gegenüber dem Tagblatt. „Da möchte man gerne mal Jura studieren.“

Was sagt die Polizei zu den Aussagen?

Doch wie kommen solche Sätze bei der Polizei an, die morgen früh – die Kundgebung findet zwischen 8.30 und 10 Uhr auf dem Park am Rathaus statt – selbstredend vor Ort sein wird? „Bis jetzt hatten wir keine Probleme“, meint Inspektionschef Hubert Hohenleitner. Bei der Demo mit Rasseln und Kinderschuhen spricht der Dienststellenleiter von „einem neuen Format“. Dem er gleichermaßen ernsthaft wie gelassen entgegensieht.

Ähnlich verhält es sich auch bei Bürgermeister Enrico Corongiu. Er ist weit davon entfernt, den Belagerungszustand auszurufen, nur weil maximal 60 Demonstranten – mehr sind vom Landratsamt nicht zugelassen worden – vor seinem Dienstgebäude ein Zeichen setzen wollen. „Unglücklich finde ich es dann, wenn’s ins Extreme geht.“ Und zwar in beide Richtungen. Man darf also gespannt sein, ob die bislang dezenten Töne der Corona-Skeptiker in Mittenwald in lautes Querdenker-Geschrei umschlagen. Die Polizei ist so oder so auf dem Posten.

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