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Waren überrascht über das CSU-Vorgehen: die Freien Wähler (v.l.) Georg Seitz, Florian Lipp und Josef Zunterer. 

Vorwurf: Ein Miteinander sieht anders aus

Ratsbegehren zum Hallenbad: Freien Wählern stinkt Vorgehen der CSU

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Das Ratsbegehren der CSU-Fraktion kam für die Freien Wähler angesichts der guten Zusammenarbeit für den Hallenbad-Bau überraschend. Dieses Vorgehen kreiden sie ihr nun an. Nicht nur das.

Mittenwald – Georg Seitz setzt bei Zeitungsartikeln eigentlich nicht den Stift an. In diesem Fall aber hat der Freie Wähler (FW) zum Textmarker gegriffen und in Neongelb einzelne Passagen angestrichen. Es sind Aussagen der Mittenwalder CSU-Fraktions-Vertreter Regina Hornsteiner und Gerhard Schöner, deren Rechtfertigung für das erneut anvisierte Ratsbegehren. Der bekennende Hallenbad-Befürworter kann wie seine FW-Kollegen dabei einige vorgebrachte Argumente nicht nachvollziehen. Noch mehr stören sich die Kommunalpolitiker aber an etwas anderem – ausgelöst durch einen Satz.

Von Seiten der CSU-Fraktion hieß es: „Wir haben uns im Vorfeld intensivst darüber unterhalten, was wir machen.“ Seitz ärgert’s. „Das stinkt mir massiv“, betont der Gratz’n-Schorsch. Schließlich habe man in der Arbeitsgruppe zur Planung des Neubaus gut gearbeitet. Das bestätigt Florian Lipp. Für ihn kam das Ratsbegehren überraschend, zumal auch Rathauschef Adolf Hornsteiner „Willen zeigte“. Aber dann: Kein Ton über den Plan. Weder in der Arbeitsgruppe, noch bei den Fraktionssprechersitzungen.

„Wir sind im guten Glauben gelassen worden“

Dieses Vorgehen stößt den Freien Wähler sauer auf, entspricht nicht ihrer Auffassung eines fairen und offenen Miteinanders – das die CSU gerne postuliere –, welches gerade bei einem Millionen-Projekt doch an den Tag gelegt werden sollte. „Wir sind im guten Glauben gelassen worden“, moniert Seitz.

Es gibt noch weitere Textstellen, die gelb leuchten. Die Begründung, warum die Christsozialen, die im Gemeinderat eine absolute Mehrheit besitzen, das erneute Plebiszit initiieren, wirft Fragen bei den Freien Wählern auf. Zum Beispiel die: Über was sollen die Mittenwalder nun abstimmen? Seit acht Jahren verspreche die CSU ein Hallenbad, zuletzt im Flyer für die Kommunalwahlen 2014, erinnert sich Seitz. Die Angaben zu Größe, Standort und Ausstattung hätten sich nicht verändert. Die Planung läuft auf Basis der Krautloher Studie – und zwar auf bekannten Zahlen. Dass die Gemeinde nicht mit Geld aus dem Grundstücksverkauf für ein Hotel rechnen könne, stand bereits vor 2017 fest. Nur die Wassertiefe (1,35 Meter) sei neu. Diese kam zustande, um Personal- und Energiekosten einzusparen. Seitz zufolge sei allen von vorneherein klar gewesen, dass zum Beispiel die Bundeswehr das Bad für Wettbewerbe nicht mehr nutzen kann.

Angebot für Schlecht-Wetter-Tage notwendig

Doch gerade auf der Wassertiefe, so der Vorwurf, habe Bürgermeister Hornsteiner bei der Gemeinderatssitzung vor etwa drei Wochen herumgeritten. „Er hat gewusst, dass er diejenigen, die schwimmen wollen, auf seine Seite zieht“, sagt Seitz. „Das war taktisch gut.“ Er möchte den Gemeindechef nicht an den Pranger stellen, weil er große Stücke auf ihn hält, aber in dieser Sache kommen sie auf keinen grünen Zweig.

Bei einem Punkt vertreten die beiden die gleiche Ansicht: „Ein Bad rechnet sich nie“, sagt Seitz. Nur verzerren die Besucherzahlen der vergangenen Jahre das Bild. Denn investiert wurde in das mittlerweile abgerissene Karwendelbad schon lange nichts mehr. Die Attraktivität sank. Bei über einer Million Übernachtungen in der Alpenwelt Karwendel kann er es allerdings nicht verstehen, wenn Geschäftsführerin Sabrina Blandau behauptet, ein fehlendes Bad wirke sich nicht negativ auf den Tourismus aus. „Sie müsste dafür kämpfen.“ So sieht das auch Lipp. Die Kooperation mit dem RVO, die Gästen ermöglicht, kostenlos mit dem Bus in die Bäder nach Leutasch, Seefeld und Garmisch-Partenkirchen zu fahren, bezeichnet er als „schön und recht“. Die positive Resonanz wertet er aber nicht als Erfolg. Viel mehr bestätigt es ihn in seiner Meinung, dass Mittenwald selbst ein Bad benötigt. Gerade für Schlecht-Wetter-Tage, ergänzt Josef Zunterer.

Die Freien Wähler versteifen sich nicht ausschließlich auf das Bad. Sie wissen, dass es auch einen Veranstaltungssaal braucht, und das Kranzberg-Projekt, solange es im vollen Umfang kommt, notwendig ist. „Wir wollen den Ort weiterbringen und keinen Krieg“, betont Seitz. Trotzdem wundert sich Zunterer stets über die Kranzberg-Euphorie. „Da wird alles schöngerechnet“, sagt er. „Beim Hallenbad aber alles so durchgefieselt, bis man etwas Negatives hat.“ Die drei Vertreter wollen nicht zum großen Gefecht aufrufen. Ganz und gar nicht. Sie appellieren aber an die CSU, dass auch deren Vertreter sich der Sachlichkeit verschreiben. Nicht wie vor dem Bürgerentscheid, als diese in den sozialen Medien die Stimmung angeheizt haben. Seitz sagt: „Sie haben Angst verbreitet, dass in Mittenwald zehn Jahre nichts mehr geht, wenn ein Hallenbad kommt.“

Einen Fehler räumen er und seine Kollegen selbst ein. „Wir hätten Standort und Kosten festlegen und ausschreiben sollen“, erläutert der „Oimroasa“. Man hätte sich jetzt nicht an der Wassertiefe aufhängen können. Zu spät. Somit bleibt bei ihnen der Eindruck, dass die CSU übers Gleiche abstimmen lässt, weil sie damals nicht zufrieden war.

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