Rauchverbot: Mittenwalder Gastwirte befürchten drastische Umsatzeinbußen

Mittenwald - Mit bangem Blick gehen die Mittenwalder Gastwirte ins neue Jahr. Der Schrecken hat einen Namen: Rauchverbot.

Noch haben die Chefs hinterm Tresen einige Wochen Schonfrist, bevor das neue bayerische Gesetz mit voller Wucht umgesetzt wird. Inge Flath vom "Postkeller" beäugt die Anti-Qualm-Kampagne von Beckstein und Co. mit Skepsis ­ - vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit. "Die Raucher müssen ja nach draußen" ­- und angesichts der frostigen Temperaturen auch mächtig frieren. Dabei hätte Flath durchaus Möglichkeiten, ihre Kundschaft mit Glimmstengel in seperate Räume unterzubringen. "Aber auch das ist verboten." Doch Lösung tut Not im Winter, sonst, so Flaths düstere Prophezeiung "erleben wir in der Gastronomie ein Debakel". In Baden-Württemberg verzeichne man bereits ein Umsatz-Minus von 28 Prozent. Dicke Luft herrscht auch bei den Postkeller-Stammgästen. "Die ärgern sich zunehmend", berichtet, die Wirtin. Viele drohen sogar, künftig ihr Bier zu Hause zu trinken.

Mit dem Säbel wird auch an den drei Stammtischen des Gasthofs "Gries" gerasselt. "Da sind fast alle Raucher, und einige werden sicher wegbleiben, wenn ich für sie keine Lösung finde", befürchtet Chef Klaus Link. "Das ist für sie und den Bierumsatz ein Alptraum, dann kann ich bald zusperren." Seine Sorge scheint berechtigt. Vor zweieinhalb Jahren hat er nämlich ein Nichtraucher-Stüberl eingerichtet, "und die Resonanz war ein Flop".

Nicht ganz so tragisch sieht es Jürgen Daske vom benachbarten "Jürgens Bierstüberl". "Da wir vornehmlich ein Speiselokal sind, haben meine Gäste schon lange Rücksicht aufeinander genommen", erzählt der Wirt. Bei ihm wurde in der Silvesternacht mächtig gepafft ­- natürlich auch nach Mitternacht. Waren Daske und Co. an Neujahr noch kulant, wird's nun nicht zuletzt aus Selbstschutz ­ - Wirten, die gegen das strittige Gesetz verstoßen drohen drastische Strafen, sogar der Entzug der Schankerlaubnis -­ härter für die rauchenden Bierstüberl-Kunden. Die müssen künftig vor der Tür ihrem Hobby nachgehen.

Das gleiche "Schicksal" steht nun auch den Nikotinfreunden im "Flößerstüberl" bevor. "Glücklich ist von unseren meisten Stammgästen keiner mit diesem absoluten Verbot", meint Wirt Wolfgang Butter. "Doch wir müssen das akzeptieren. Wir haben bereits alle Aschenbecher entfernt." Die Auswirkungen auf den Umsatz seien noch gar nicht abzusehen.

Keine finanziellen Einbußen wird die "Sportalm" von Max Rieger haben. "Wir waren ja ohnehin das erste Nichtraucherlokal in Mittenwald", betont der ehemalige deutsche Top-Skirennfahrer. "Deshalb haben wir mit unseren Gästen auch keine Probleme. Außerdem haben wir ja vor unserem Lokal gemütliche Sitzecken für Raucher eingerichtet." Beschwerden gab es bislang jedenfalls noch keine.

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