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Im Visier des Staatlichen Bauamts: das ehemalige Verwaltungsgebäude der Mittenwalder Standortverwaltung.

Irritationen wegen Asylbewerberheim 

Schreiben sorgt für Riesenwirbel

Drei Seiten geballter Zündstoff: Das Staatliche Bauamt in Weilheim hat mit einem dreiseitigen Brief für Turbulenzen in Mittenwald gesorgt. Darin wird den verdutzten Anliegern mitgeteilt, dass auf dem Gelände der Standortverwaltung eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber entstehen soll. Das verweist der Bürgermeister ins Reich der Fabel.

Mittenwald – Ein solches Schreiben – wenige Tage vor der Bundestagswahl hat zweifelsfrei Sprengkraft. Gemeint ist ein dreiseitiger Brief des Staatlichen Bauamts Weilheim an die Anwohner der Tiefkarstraße in Mittenwald. Fettgedruckt heißt es darin in den ersten drei Zeilen: „Bauvorhaben: Umnutzung eines Bürogebäudes mit Hausmeisterwohnung der ehemaligen Standortverwaltung der Bundeswehr, Tiefkarstraße 14, zu einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber.“ Unterzeichnet von Baudirektor Wolfgang Eichner, der überdies von einer Belegung „von maximal 100 Personen“ spricht. „Die Nutzung des Gebäudes für Asylzwecke ist auf unbefristete Zeit vorgesehen.“ Der zwölfmonatige Umbau des ehemaligen Verwaltungskomplexes solle im Frühjahr 2018 beginnen.

Auf Nachfrage des Tagblatts meint Absender Eichner: „Wir haben den Auftrag der Regierung von Oberbayern, Untersuchungen zu machen.“ Am Montag schickte er sein Schreiben zur Kenntnis ins Mittenwalder Rathaus. Dort studierte ein völlig geplätteter Bürgermeister ebenso aufmerksam wie ungläubig die Post aus Weilheim. „Wir waren sehr überrascht“, beschreibt Adolf Hornsteiner (CSU) seine Gefühlslage bei der Lektüre, wohlwissend, welche gesellschaftspolitische Auswirkungen ein Flüchtlingsheim mitten im Wohngebiet haben könnte. Die Schockstarre beim Rathauschef dauerte nicht lange. Dann griff Hornsteiner zum Hörer. „Ich habe viele Telefonate geführt.“ Das entscheidende mit Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU). Das Ergebnis: „Das Schreiben ist gegenstandslos“, teilt der Bürgermeister mit, „es wird keine Gemeinschaftsunterkunft geben“. Den aufsehenerregenden Brief des Staatlichen Bauamts bezeichnet Hornsteiner als „Irrläufer. Der Inhalt des Schreibens ist einfach Makulatur, das ist Fakt“.

Im Gespräch mit der Ministerin will der Rathauschef herausgehört haben, dass „weder eine Erstaufnahmeeinrichtung noch eine Gemeinschaftsunterkunft“ errichtet wird. Diese Einschätzung deckt sich mit der Müllers. „Ich habe heute entschieden, dass in Mittenwald keine Gemeinschaftsunterkunft errichtet wird“, verkündet die CSU-Politikerin. Anders als Hornsteiner verrät sie weitere Details: „Ich freue mich, dass der Markt Mittenwald auf dem bisherigen Bundeswehrgelände in der Tiefkarstraße Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge und andere einkommensschwache Personen im Rahmen des Wohnungspaktes Bayern errichten wird.“

Dass der Brief aus Weilheim in München politisch hohe Wellen geschlagen hat, beweist die Auskunftsfreude eines weiteren Mitglieds der bayerischen Staatsregierung. „Ich freue mich sehr, dass es eine schnelle und pragmatische Lösung für das von der Bundeswehr freigegebene Gelände gibt, und wir auch im Bereich Mittenwald dringend benötigten, günstigen Wohnraum sichern können“, betont Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Die Kuh ist also vom Eis – vier Tage vor der Bundestagswahl.

Christof Schnürer

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