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Musik im Blut: Seit 25 Jahren rockt „Cavemen“ die Bühnen im Oberland und darüber hinaus. Zum Geburtstag spielen (v.l.) Jörg Hornsteiner, Christian Wocher, Stephan Märte, Wolfgang Hagn und Piotr Tokarczyk für den guten Zweck.

Seit 25 Jahren auf der Bühne

Höhlenrocker mit Kultstatus: So feiert die Band Cavemen Geburtstag

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Erst belächelt, heute beliebt: Die Mittenwalder Rockgruppe „Cavemen“ ist eine Live-Band, die Bühnen zum Beben bringt. Heuer feiert sie ihren 25. Geburtstag – mit einem großen Benefizkonzert.

Mittenwald – Ihm taugt’s nicht. Die Musik kracht, der Sänger grölt wie im Fußballstadion. Piotr Tokarczyk, 16, steht vor der Bühne und fällt ein vernichtendes Urteil. „Die sind so schlecht“, sagt er zu seinem Spezl. „Von denen wird man bald nichts mehr hören.“ 15 Jahre später, 2009, ist er selbst Band-Mitglied, selbst Höhlenrocker.

Bis heute sorgt er für den Gitarrensound bei der Kultgruppe „Cavemen“. Bei der Gruppe, die sich 1993 aus reiner Gaudi gründete. Die nicht mehr als das Niveau einer Schülerband erreichte. Das gibt Wolfgang „Häign“ Hagn, 48, offen zu. Der Sänger verfiel bei Texthängern ins Kauderwelsch-Englisch, kreierte Nonsens-Sätze wie „Ich stell das Auto ins Regal“. Töne? Traf er selten, brüllte mehr ins Mikro. „Dann hab’ ich die Bauchstimme entdeckt“, sagt er und lacht.

Geburtstagsparty

Einmal in der Woche proben die fünf Männer seither. In ihrem Rock’n’Roll-Reich im Keller des Garmisch-Partenkirchner Kindergartens in der Breitenau. Neben der Leopardendecke auf der Box klebt an der Tür das Bild einer neuen Route auf die Benediktenwand. Sie trägt den Namen „Cavemen“. Zwei Bergsteiger-Freunde tauften 2013 den steilen Aufstieg – passenderweise – nach der Band. Die Wände sind tapeziert mit Kalendern von nackten vollbusigen Frauen und eigenen Konzert-Plakaten. Die nächsten Exemplare schleppt Tokarczyk an diesem Donnerstagabend in einem Karton an: XXL-Flyer für die Geburtstagsparty.

Cavemen wird heuer 25 Jahre alt, feiert das Jubiläum am 6. Oktober mit einem Benefizkonzert in der Mittenwalder TSV-Halle – zugunsten des heilpädagogischen Kinderheims s’Mauganest. Gerade stecken die Musiker in der Detailplanung. „Stoabüüz“ und „Carpe DM“ werden auf der Bühne stehen, Hagn bastelt noch an einer Diashow mit Bildern aus einem Vierteljahrhundert Cavemen. Mit Fotos von ehemaligen Mitgliedern.

Besetzungswechsel

Wechsel in der Besetzung gab es mehrmals. Den ersten bereits nach einem Jahr. Der damalige Sänger Thomas Schandl, ein Extremkletterer, stieg aus, Charly Kraus ein. Der Drummer war ehemaliger Profi, hatte schon mit Peter Maffay gespielt. „Er hat uns mitgerissen“, erzählt Hagn. Doch vier Jahre nach der Cavemen-Gründung führten persönliche Differenzen zur Auflösung. Über 300 Fans kamen zum Abschiedskonzert in den Obermarkt, in die frühere Disco „Blacky’s“. Mädchen weinten. Die Band war perplex. „Wir haben nur gedacht, wir sind doch keine Superstars“, sagt Stephan Märte, 44, mit Unterbrechung Schlagzeuger seit 1995. Aber Kultstatus erlangten die Musiker recht schnell.

Viele Mittenwalder bettelten sie an weiterzumachen. Auch Bassist Christian Wocher, 48, alias „Johnny“, versuchte hartnäckig, seine Kollegen umzustimmen. Fast schon nervig hartnäckig. Heute sagt Hagn: „Wäre er nicht so penetrant gewesen, würde es uns nicht mehr geben.“

Tokarczyk, 40, Spitzname „Popo-Rock“, meint den Grund für die Beliebtheit zu kennen. „Die Leut’ waren nicht so reizüberflutet.“ Soziale Netzwerke oder Kanäle wie Spotify oder Youtube noch nicht einmal erfunden. Live-Musik lockte Menschen aus ihren Wohnzimmern. Diese Zeit und Stimmung hat Cavemen in sich aufgesogen, mitgenommen ins Hier und Jetzt, ohne uncool zu wirken. „Wir sind nicht old-school“, betont der Gitarisst. „Aber original.“

Ein Drittel Coversongs

Die Band hat ihren eigenen Stil gefunden: Melodic-Rock mit Cavemen-Stempel – und stampfendem Rhythmus. „Wir versuchen, Kommerzielles zu machen, gemischt mit Metal und Hard Rock“, sagt Märte. Hits von AC/DC, Black Sabbath, The Rolling Stones gehören ebenso zum Repertoire wie ihr selbstgeschriebenes Material. Verhältnis: ein Drittel Coversongs, zwei Drittel eigene Nummern.

Heuer hat die Band ihr fünftes Album aufgenommen. Titel: „Beyond the horizon“. Derzeit wird es in München gemischt. Wenn alles klappt, kommt das neue Werk zum Jubiläum auf den Markt. Die Alben produziert Cavemen nicht ausschließlich für Fans, sondern für sich selbst. Die Musiker investieren viel Energie in die Stücke, deshalb „ist es schön, wenn sie festgehalten werden“, findet Märte. Zum Beispiel für die eigenen Kinder. Sein Sohn, 11, hat sich bei einem von Gitarrist Jörg Hornsteiners Geburtstagsfeiern schon einmal an ein vom Papa geschriebenes Lied auf dem Schlagzeug herangetraut. „Da hätt’ ich fast geweint.“

Harte Musik, weiches Herz. Die Männer führen kein Rockstarleben. Ausprobiert haben sie es schon, sagt Hagn verschmitzt. Aber: „Wir sind nicht Axl Rose, der ein Management hat.“ Sie müssten ihre Eskapaden selbst ausbaden. Groupies? Klischee. Alkohol? Gift für die Stimme und deshalb auf der Bühne tabu.

Gehör und Gehirn

Cavemen setzt auf Professionalität. Ihr Niveau ist hoch. Das bestätigen ihnen Kollegen immer wieder. „Wir sind talentiert, aber keine begnadeten Musiker“, sagt Märte. Nur Tokarczyk kann überhaupt Noten lesen. Schreiben und Spielen funktioniert trotzdem. „Wir haben ein geschultes Gehör und Gehirn.“ Oder die Rocker kommunzieren in der „Cavemen-Sprache“. Statt Begriffen wie Triole oder Zweiviertel-Pause heißt’s dann, „mach’ ein Bumbum“.

Die Männer verstehen sich blind, kennen sich und tolerieren jede Macke des anderen. Wie in einer Ehe, meint Märte. Seine Kollegen nicken zustimmend. „Wenn jetzt jemand wegbricht“, sagt Hagn, „dann könnte es mit der Band vorbei sein.“ Reine Theorie. Ziel ist ein anderes: Rocken bis zum Umfallen.

Das 25-jährige Jubiläum

wird mit einem Benefizkonzert am Samstag, 6. Oktober, in der TSV-Halle in Mittenwald gefeiert. Der Erlös kommt dem Kinderheim s’Mauganest zugute. Karten im Vorverkauf gibt es ab sofort bei „Das Lokal“ in Mittenwald und im „Musik Produktiv“ in Garmisch-Partenkirchen.

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