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Neues Leben für den Lautersee: Franz Okelmann bringt die Fischeier in einem Zulauf ein.

Rückkehr der Seeforelle

Neues Leben im Mittenwalder Lautersee

Vor einiger Zeit sind sie spurlos verschwunden. Nun unternimmt der Fischereiverein Mittenwald einen weiteren Versuch und setzt 3500 Eier der Seeforelle in den Zuläufen des Lautersees ein.

Mittenwald Franz Okelmann stapft durch den Schnee. Der Mittenwalder hat eine Mission: Der Natur ein wenig auf die Sprünge zu helfen – und zwar mittels unzähliger, kleiner, weißer Kugeln in einer roten Flüssigkeit. Es sind an die 3500 Seeforellen-Eier, die der seit 2007 amtierende Gewässerwart des Fischereivereins in einem Eimer mit sich führt. An zwei Zuläufen des Lautersees setzt der 53-Jährige das neue Leben behutsam und vorsichtig ein.

Schon einmal, 1993, wagte der Fischereiverein das Experiment, die auch in alpinen Gewässern heimische Seeforelle anzusiedeln. Aber irgendwie verschwand in den darauffolgenden Jahren der komplette Bestand spurlos.

Doch warum wird der Forellen-Nachwuchs jetzt zu einer unwirtlichen Jahreszeit eingesetzt? Ganz einfach: Diese Fischart ist ein Herbst- und Winterlaicher.

Okelmann bringt einen Teil der Eier in einem Bach neben der Fischerhütte am Südufer ein. Der Rest wird nahe der Bushaltestelle vor dem Seehof am Südwestufer ins Wasser gelassen. „Als Kieslaicher ist ein tiefer See zur Eiablage für Seeforellen ungeeignet“, begründet Okelmann seine Ortswahl. „Bei der späteren eigenen Eiablage orientieren sich die Seeforellen wie Lachse am Geruch ihres Geburtsgewässers und kommen dorthin zurück.“

Der Laich bleibt in den zwei Bächen erst einmal hinter den Steinen hängen. „Nach dem Schlüpfen befindet sich diese Dottersackbrut so lange im Bach, bis sie vom Schmelzwasser in den See gespült wird“, ergänzt der gelernte Forstwirt. Dann heißt es warten. „Fischen darf man die Seeforellen erst nach drei bis fünf Jahren, wenn sie das gesetzliche Schonmaß von 60 Zentimetern Länge überschritten haben.“

Der Vorschlag zum Besatz mit Seeforellen kam übrigens von Dr. Bernhard Gum von der Fachberatung Fischerei des Bezirks Oberbayern. „Eigentlich wollten wir mit ihm bei einer Ortsbesichtigung den Bestand an Renken im Lautersee kontrollieren“, berichtet Okelmann. „Diese Fische haben durch das saubere Seewasser nicht genug Plankton zum Fressen und wachsen nicht so, wie sie eigentlich sollten.“ Für viele andere Lebewesen ist der Lautersee aber ein geeignetes Refugium. „Es gibt Barsche, Karpfen, Brachsen, Aale und auch wieder Edelkrebse“, zählt Okelmann auf – und bald Seeforellen.

Informationen:

Seeforellen sind die großwüchsige Form der Forelle. Sie kommen im Alpenraum, Skandinavien, im Baltikum, Nordrussland, auf den Britischen Inseln und auf Island vor. Die Fische erreichen ein Länge von 40 bis 80 Zentimetern und werden zirka zehn Jahre alt. Ab ihrem dritten Lebensjahr steigen die Tiere zwischen September und Dezember zum Laichen in die Oberläufe der Zuflüsse, in denen sie geboren wurden. Das Weibchen legt pro Kilogramm Körpergewicht bis zu 3000 zirka 5,5 Millimeter große Eier in eine Laichgrube, die vom Männchen befruchtet werden.

Wolfgang Kunz

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