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Der Horror: Skifahrer, die sich auf dem Kranzberg nur auf einem läppischen Schneestreifen vergnügen können.

Kranzberg-Skigebiet: Liftbetreiber zieht Bilanz

Willkommen in der Winter-Lotterie

Die Skisaison 2016/2017 auf dem Mittenwalder Kranzberg war dank der Wetterkapriolen wieder eine Berg- und Talfahrt. Konkrete Zahlen will Liftbetreiber Klaus Wurmer nicht nennen, doch restlose Zufriedenheit hört sich anders an. Einmal mehr hofft der Unternehmer auf Hilfe von Seiten der Gemeinde.

Mittenwald – Um in der Skifahrer-Sprache zu bleiben: Es war für Liftbetreiber Klaus Wurmer wieder ein regelrechtes Auf und Ab auf dem Mittenwalder Kranzberg: „Ein Belastungs-EKG-Winter“, bezeichnet er die Saison 2016/17 schmunzelnd. Das Lachen hat Wurmer nach einer weiteren Winter-Lotterie noch nicht verlernt. Doch die Sorgenfalten sind keineswegs verschwunden.

Denn los ging’s mit gähnender Leere auf den noch grünen Hügeln am Kranzberg in der Vorweihnachtszeit bis Silvester. Für den Liftbetreiber sollte in dieser Phase eigentlich das Jahreshauptgeschäft laufen. Doch weit und breit war keine Spur von der weißen Pracht zu sehen. „Am liebsten hätte ich Weihnachten um vier Wochen nach hinten verschoben“, meint der Unternehmer. Denn gleich nach Neujahr schüttelte Frau Holle fleißig für ihre Skifans die Betten, und es schneite tagelang dicke Flocken. Doch nur wenige Wochen später zur Faschingszeit dann wieder die Kehrtwende: Milde Temperaturen bescherten fast schneefreie Verhältnisse. Somit standen auch diese Ferien unter keinem guten Stern für die Kranzberg-Liftbetreiber. „Es war alles sehr durchwachsen.“

Auch wenn Gäste wetterbedingt ausblieben, war die Zusammenarbeit diesmal mit Vereinen, Institutionen und vor allem mit der Bundeswehr „sehr gut“. Dank des neuen Kommandeurs der Winterkampfschule, Andreas Bockmann, absolvieren die Mittenwalder Soldaten ihre Übungen wieder im Kranzberg-Gebiet. Zudem sorgten die Skischulen am Luttensee auch diesmal für viele Rennen, und die Skiwacht musste glücklicherweise nur ganz selten ausrücken. „Das hat mich besonders gefreut.“

Am 15. März schaltete Wurmer nun die Lifte ab, die Wintersaison, die am 17. Dezember 2016 begann, ist für ihn und sein Team nun offiziell beendet. „So ein Winter ist sehr anstrengend“, erklärt er. Vorbei ist die Mühe aber noch nicht: Viel Arbeit liegt vor ihm. Der Übungslift „Schleppi“, das Geländer am Luttenseelift und die Schneekanonen müssen abgebaut, gewartet und verstaut werden.

Auch von der finanziellen Seite war es eine Berg- und Talfahrt. Es ist „schwer über den Sommer zu kommen“, weiß Wurmer. Einiges wurde investiert im vergangenen Winter. Alleine die neue Laseranlage schlug mit über 10 000 Euro zu Buche. „Auch das Seil am Korbinianlift muss erneuert werden, da ist man auch gleich wieder im hohen vierstelligen Bereich.“

Schon nach der Saison 2015/2016, die miserabel verlaufen war, ließ Wurmer verlauten, dass er sich mit der Rathaus-Führung an einen Runden Tisch setzen will. Er brauche „dringend Unterstützung“. Getroffen hat man sich, allerdings „sind die Gespräche nach wie vor am Laufen“. Eine Einigung wurde also noch nicht erzielt. Was Wurmer am meisten helfen würde, wäre „ein kleiner Stausee hier oben“. Denn das Wasser, das für den Schneebetrieb aus Mittenwald hinauf gepumpt wird, hat acht Grad und ist somit zu warm. Gegen eine Wasserentnahme vom Lautersee oder seinen Zu- und Abläufen gibt es naturschutzrechtliche Bedenken.

Josef Hornsteiner

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