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Neuer Problembär im Karwendel? 14 trächtige Schafe und ein Lamm gerissen - „Ich war fix und fertig“

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Von: Josef Hornsteiner, Johannes Welte

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Dieses Bild eines mächtigen Braunbären wurde wenige Tage vor dem Schafsriss bei Scharnitz aufgenommen.
Dieser Bär wurde wenige Tage vor dem Riss bei Scharnitz fotografiert © Privat

Seit Wochen sind ein oder mehrere Braunbären im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol unterwegs. Immer wieder fallen ihnen Schafe zum Opfer. Nun soll gehandelt werden.

Mittenwald - Seit Wochen zieht ein oder mehrere Braunbären durch das Grenzgebiet von Bayern und Tirol. Wildkameras haben Bären bei Ohlstadt und Mittenwald im Landkreis Garmisch-Partenkirchen und bei Scharnitz (Tirol) aufgenommen. Da bislang keine Tiere gerissen wurden, blieben die Almbauern ruhig. Doch jetzt hat ein Bär mindestens 15 Schafe im Karwendel gerissen. Auf Tiroler Gebiet, aber direkt an der bayerischen Grenze.

Braunbär im Karwendel unterwegs: Gefahr für bayerische Schafsbesitzer

Gerhard Maurer aus Leutasch ist einer der beiden Besitzer der Schafe: „Ich bin am Himmelfahrtstag von einem Jäger angerufen worden, der in der Nähe der Bäralp ein totes Schaf entdeckt hatte. Wir sind sofort hingefahren und aufgestiegen.“ Die Bäralp liegt oberhalb des Karwendeltales, nur gut 500 Meter von der bayerischen Grenze entfernt, mitten in einem beliebten Wandergebiet. Die Schafe gehören Maurer und einem anderen Schafbauern. Maurer: „Als wir oben waren, sahen wie die toten Schafe, schrecklich zugerichtet, vier haben noch geblutet.“ Der Riss konnte also noch nicht so lange her gewesen sein.

Der Bär hatte die Schafe getötet, aber kaum etwas von ihnen gefressen
Eines der gerissenen Schafe © Maurer

Ärger für Schäfer an Grenze zu Bayern: Der Bär riss hochträchtige Mutterschafe

„Es waren 14 trächtige Schafe und ein Lamm“, berichtet Maurer über die toten Tiere. Einige Schafe werden noch vermisst. „Der Bär hat den Schafen in den Kopf gebissen, die Haut aufgeschlitzt und die Innereien herausgerissen.“ Dass es ein Bär war, sei an den Spuren zu erkennen gewesen. Etwa 20 Schafe werden noch vermisst.

15 gerissene Schafe in Tirol: Kam der Bär aus Bayern?

Wie der Bär in die von einem einen Meter hohen aus drei Bändern bestehenden Elektrozaun gelangen konnte? Maurer: „Auf der bayerischen Seite unserer Alm war der Elektrozaun auf drei Metern kaputt.“ Zum Teil reicht die Alm direkt an Felsabhänge, über die die Schafe nicht klettern können, dort gibt es keinen Zaun. Maurer: „Vielleicht ist der Bär da hinein geklettert.“  Tragisch: Die Schafe waren erst am Samstag zuvor auf die Bäralp getrieben worden.

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Schafs-Besitzer nach Bärenriss entsetzt: „Ich war fix und fertig“

Maurer: „Als sich die toten Schafe gesehen habe, war ich fix und fertig. Wenn der Bär ein Schaf reißt, weil er Hunger hat, kann ich damit leben. Aber wenn er 14 Schafe tötet, nur damit sie tot sind, hab ich keine Verständnis mehr.“ Maurer weiter: „Politisch gesehen ist das eine Unverschämtheit. Die Politiker sind nicht imstande, die 80000 Tiere zu schützen, mit denen die Almen in Tirol bestoßen werden, zu schützen.“ Die Almsaison habe noch gar nicht wirklich begonnen. „Die meisten Rinder, Ziegen und Schafe werden erst noch aufgetrieben.“ Die restlichen Schafe haben Maurer und sein Freund noch am Donnerstag wieder ins Tal getrieben.

Grenze zwischen Bayern und Tirol: Ein Bär oder mehrere? DNA-Proben entnommen

Ob es der selbe Bär ist, der in den vergangenen Wochen im Grenzgebiet in die Fotofalle getappt ist. Maurer: „Das ist sehr wahrscheinlich.“ Allerdings müssten die DNA-Proben, die auf der Bäralp entnommen wurden, noch mit denen der anderen Spuren verglichen werden. Rainer Gerzabek von der Tiroler Landesregierung sagt: „Ob das der Übeltäter ist, wissen wir nicht bzw. laufen die genetischen Untersuchungen erst an.“

Ein „schwarzer Tag“, auch für die Mittenwalder Bergschafhalter

„Es ist ein schwarzer Tag für den praktischen Naturschutz, der Pflege der Berg- und Almregion und vor allem für die Biodiversität“, sagt Christian Neuner (Hackl), langjähriger Schriftführer der Mittenwalder Bergschafhalter. Maurer sei ein Halter, der seit Jahrzehnten mit viel Leidenschaft und Arbeit züchtet. „Sein Werk wurde in nur einer Nacht kaputt gemacht“, bedauert Neuner. „Ein herber Verlust. Den Menschen sei oft nicht klar, was da passiert. „Die meinen, ja dann müssen wir halt runter mit den Tieren. Aber welche Folgen das hat, eine jahrhundertealte Bewirtschaftung aufzugeben.“ Es sei ein Trauerspiel. „Der Bär hat aus Mordlust gehandelt, im Blutrausch.“

Tiroler Politiker spricht von Abschuss

Der Tiroler Agrarlandesrat Josef Geisler berichtet dem ORF, dass eine Expertenkommission bereits im Falle des Schafrisses aktiv sei. . Neben einem möglichen Abschuss des Bären gelte es auch abzuschätzen, welche Gefahr für den Menschen bestehe. Das Karwendeltal sei, so Geisler, ein sehr beliebtes Ziel für viele Wanderer und Radfahrer.

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