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Finstere Gestalten ziehen durch Mittenwald.
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Erst Umzug, dann Umtrunk

Maschkera erobern Mittenwald: Eine Tradition wird streng eingehalten

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Schellenrührer, Jaklschutzer, Pfannenziacher - sie und viele maskierten Gesellen mehr sind am Unsinnigen Donnerstag wieder durch Mittenwald gezogen. Das Motto dabei: Erst Umzug, dann Umtrunk.

Mittenwald – Wer die Gesichter unter den Larven kennenlernen möchte, muss nur im Post Hotel vorbeischauen. Stephan Erhard und seine Spezl haben sicherheitshalber drei Tische reserviert, um alle 25 Maschkera unterzubringen. Einer von ihnen ist aus Wallgau, ein anderer kommt ursprünglich aus Lenggries. „Den haben wir eingebürgert“, scherzt Erhard. Die Jungen – Erhard ist 21 – nehmen das nicht mehr so genau. Vor allem am Unsinnigen Donnerstag, am Mittenwalder Hochfest, geht es doch um die gemeinsame Gaudi.

In einem Punkt hält man sich streng an die uralten Traditionen: Frauen haben unter den Larven nichts verloren. Es soll schon vorgekommen sein, dass sich eine besonders Mutige unter die Bärentreiber, Habergoaßn, Untersberger Mandln, Mongolen oder Affen geschlichen hat. Wer sich erwischen lässt, muss den allgemeinen Spott und Hohn ertragen. „Das Risiko geht kaum eine ein“, sagt Erhard. Am Tisch der jungen Mittenwalder sitzt ein Mädchen. Sie ist die Freundin eines Musikanten. „Man würde es ja eh im Wirtshaus merken“, sagt der 21-Jährige.

In der Stub’n fällt die Verkleidung. Seine Larve legt Erhard neben das Glas Bier. „Nüchtern“, sagt Jonas Lutter, „geht keiner nach Hause“. Für die Faschingswoche hat sich der 22-Jährige Urlaub genommen. Die meisten Mittenwalder machen das. Im Grunde bräuchte es danach noch ein paar weitere freie Tage. Um sich von den Folgen zu erholen. Seit Wochen treffen sich die Mittenwalder montags, dienstags und donnerstags bei den Gungln. Teilweise fünf Stunden tragen sie ihre Larven. „Das ist brutal“, betont Andreas Klier – noch ein Musikant aus der Maschkera-Gruppe. Beim Umzug, der nach einer Stunde vorbei ist, überlebe das jeder. Klier besitzt drei Larven. Eine hat schon sein Vater getragen. Die übrigen zwei ließ er anfertigen, beim Schnitzer. Eine besonders „schiache und dunkle“ suchte er sich aus. Damit sich die Kinder auch mächtig erschrecken. Die zweite nennt Klier „Musi-Larven“ mit einem großen Ausschnitt am Mund. Er spielt Posaune.

Mit fünf Jahren lief Klier das erste Mal durch den Mittenwalder Obermarkt. Er war schon als Goaßlschnalzer, Musiker, Beserer und Pfannen-Zieher verkleidet. „Du machst alles mal der Reihe nach durch“, erklärt der 21-Jährige. Jede Rolle habe ihre Vorteile, sagt Lutter. Nur im Mühlradl zu hocken, kann eine anstrengende Sache sein. „Da werd’s dir recht schnell schlecht.“ Vor drei Wochen verabredeten sich die 25 Burschen. Heutzutage läuft das über die Neuen Medien, über das Smartphone. „Jeder sagt, was er macht. Das war’s“, sagt Erhard. Gestern trafen sich die Mittenwalder um zehn Uhr. Los ging’s mit einem Frühschoppen. Sie wussten schon zu diesem Zeitpunkt: Diesmal wird es wieder richtig voll. „Bei dem Wetter keine Überraschung“, sagt Klier. So viele wie 2017 kamen diesmal nicht. „Gefühlt waren das 50 000 Menschen.“

Einige tausend Schaulustige säumten wieder die Marktstraße. Die Nordische Ski-WM in Seefeld hat ein paar zusätzliche nach Mittenwald gespült. Regina Grams hat die Erfolge der Skispringer und Kombinierer vor Ort verfolgt. Im Nachtquartier in Mittenwald erzählten sie der Frau aus Mecklenburg-Vorpommern von dem Treiben, das sie nicht verpassen dürfe. „Sehr, sehr interessant“ findet sie es, wie Schellenrührer und Co. den Winter aus dem Oberen Isartal vertreiben. Die Bilder, betont sie, sammelt sie in ihrem digitalen Fotoalbum. Solch einen Auflauf an Fasching sei sie nicht gewohnt. Die Mecklenburger feiern zurückhaltender. „Für uns ist das vollkommen neu.“

In den Wirtschaften findet sie keinen Platz mehr, der steht den Maschkera am Unsinnigen zu. Sie sitzen dort bis spät in die Nacht hinein. Welcher Teil ihm den besser gefalle – der Umzug oder das Beisammensein – kann Jonas Lutter nicht sagen. „Das Bier schmeckt guad – aber draußen ist es auch nett.“

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