So kennt sie jeder: Jeannette „Schanni“ Lorenz am Arbeiten mit einem Lächeln und Tellern auf dem Arm vor ihrer Mittenwalder Hütte. Ab Oktober ist Schluss.
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So kennt sie jeder: Jeannette „Schanni“ Lorenz am Arbeiten mit einem Lächeln und Tellern auf dem Arm vor ihrer Mittenwalder Hütte. Ab Oktober ist Schluss.

„Es geht einfach nicht mehr“

Nach nur gut einem Jahr: Pächterin der Mittenwalder Hütte zum Aufhören gezwungen - Nachfolger gesucht

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Der Gesundheit wegen muss Jeannette Lorenz als Wirtin der Mittenwalder Hütte aufhören. Ein Schritt, der ihr unvorstellbar schwer gefallen ist.

Mittenwald – Sie ist nicht einfach nur eine Pächterin. Sie lebt und liebt, was sie tut. Mit voller Leidenschaft. Jeannette Lorenz ist eine, die getrost als Power-Frau bezeichnet werden darf. Zäh, flexibel, fleißig, zielstrebig. Doch nun muss sie kapitulieren. Der Gesundheit wegen. Die „Schanni“ – so ist sie allen bekannt – hört auf als Wirtin der Mittenwalder Hütte.

Mittenwalder Hütte: Pächterin hört Ende Oktober auf - Gelenke spielen nicht mehr mit

Erst im Mai vergangenen Jahres war sie in das kleine, aber feine Refugium eingezogen, zum 31. Oktober ist nun Schluss. Die Gelenke spielen nicht mehr mit. So wird nichts aus ihrem Wunsch, die letzte berufliche Lebensphase bis zum Ruhestand auf der „Mega-Hütte“, wie sie sie liebevoll nennt, zu verbringen.

Wie so vieles nimmt Lorenz dieses Schicksal sportlich. „Es geht halt einfach nicht mehr.“ Seit Jahren macht ihr Gelenkrheuma zu schaffen. Ein Tribut jahrzehntelanger Knochenarbeit: Kisten schleppen, schwere Pfannen hieven, körperlich alles geben – Lorenz ist kein Mensch für halbe Sachen.

Mittenwalder Hütte: Wirtin nimmt Schicksal sportlich - „Es geht halt einfach nicht mehr“

Sie packte stets da an, wo sie gebraucht wurde. Daher startete sie auch guter Dinge in der Hütte. „Ich dachte mir halt, in einem halben Jahr hab’ ich mich auskuriert. Irgendwann wird’s besser.“ Sie biss sich durch. Aber: Sie irrte. Die Gelenkschmerzen sind schlimmer geworden. Das Rheuma hat ihr zunehmend den Alltag zur Herausforderung gemacht.

Ein Paradies auf 1500 Metern Höhe: Die Mittenwalder Hütte braucht ab nächstes Jahr einen neuen Pächter.

Lorenz, auch überregional bekannt für ihren Kaiserschmarrn und ihre gesamte Küche, kann nicht mehr den ganzen Tag Pfannen heben oder Bierkästen schleppen – nicht ohne lähmende Schmerzen. Dauerhaft Tabletten zu schlucken, um durchzukommen, steht für sie nicht zur Debatte. „Das bringt nichts.“

Ohne die Unterstützung ihrer Familie, ihrer Verwandten, Freunde und Bekannten könnte sie nicht einmal mehr diesen Sommer am Karwendel überstehen. Zwei ihrer vier Töchter bleiben nun bis Saisonende bei ihr auf der Hütte. Helfen der Mama, wo es nur geht.

Abschied von der Mittenwalder Hütte: Tut dem Körper gut, die Seele schmerzt dafürv - „Werde dieses Leben so vermissen“

So sehr ihr Abschied im Herbst ihren Körper guttun wird, umso mehr schmerzt er der Seele. Unzählige schöne Stunden verbrachte sie in den vergangenen eineinhalb Jahren auf 1500 Metern Höhe. Einen unglaublichen Arbeitsaufwand haben alle in den Neubau der Sonnenterrasse gesteckt. Alle waren gerne am Berg. „Ich werde dieses Leben so vermissen“, sagt sie offen.

Trotz aller Rückschläge hat sie ihren Humor nicht verloren. „Ich bin die Corona-Hüttenwirtin“, sagt sie mit einem Augenzwinkern über ihre Zeit in Mittenwald – schließlich war ihr seit der Übernahme im Mai 2020 keine „pandemiefreie Phase“ vergönnt.

Nachfolger für die Mittenwalder Hütte: Damit genug Zeit bleibt, hat sich Lorenz schon jetzt an die Öffentlichkeit gewandt

Wie es nach Oktober weitergeht, weiß sie noch nicht. Damit genug Zeit bleibt, um eine würdige Nachfolge für die „Schanni“ zu finden, hat sie sich schon jetzt an den Deutschen Alpenverein, den Verpächter, gewandt. „Ich wollte frühestmöglich Bescheid geben.“ Auch in den sozialen Netzwerken machte sie ihren Entschluss bereits bekannt. „Der Zuspruch ist durchweg positiv.“ Das freut sie: Ein jeder könne verstehen, dass die Gesundheit das wichtigste Gut ist.

Das sieht auch Max Schmidt so. Der Vorsitzende der DAV-Sektion Mittenwald bedauert, dass die erfolgreiche und engagierte Wirtin schon jetzt wieder gehen muss. Aber weiß auch er, das Gesundheit alles ist. „Wir sind froh, dass sie uns ihre Entscheidung so früh mitgeteilt hat“, betont er.

Eine Bewerbung sei bereits eingegangen. Noch in dieser Woche hat er eine Sitzung einberufen, um über die zeitnahe öffentliche Ausschreibung zu sprechen. Vier Monate bleiben ihm bis zum 31. Oktober. Bis dahin hätten Interessierte genug Zeit, um sich die Hütte und die Arbeit, die mit ihr verbunden ist, anzuschauen. Dann soll ein DAV-Ausschuss über den neuen Pächter ab 2022 bestimmen.

Jeannette Lorenz jedenfalls hat stets ein offenes Ohr und natürlich eine offene Tür. „Es kann jeder, der Interesse hat, hochkommen, sich das Haus und das Leben hier oben anschauen und Probe arbeiten.“ Ein Zuckerschlecken sei es keines, daraus macht die erfahrene Gastronomin keinen Hehl. Sie warnt: „Hier sind 16 Arbeitsstunden am Tag normal, das muss jedem bewusst sein.“ Alles geben, sich für nichts zu schade sein – das sind Eigenschaften, die ein erfolgreicher Hüttenwirt in jedem Fall mitbringen und sogar lieben sollte.

Interessierte

für die Pacht der Mittenwalder Hütte ab der Saison 2022 können sich ab sofort bei der Alpenvereinssektion Mittenwald bewerben. Entweder telefonisch unter 0 88 23/10 15 bei Max Schmidt, per E-Mail an dav-mittenwald@ t-online.de oder auf der Homepage www.dav-mittenwald.de.

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