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Freuen sich mit den rund 20 Helfern auf die Eröffnung des Schutzstadls, der vor der Scheiben-Alm gebaut wurde: (v.l.) Christian Neuner, Simon Hornsteiner, Franz Abenthum, Markus und Karin Seitz, Theresa, Seppi und Sepp Frank, Carolina, Toni und Verena Kriner. 

Wie kann man Tiere vor Wolf und Bär behüten?

Schutz und Lager zugleich: Stadl an der Scheiben-Alm wird eingeweiht 

An Maria Himmelfahrt wird nahe des Ferchensees gefeiert. Dort weihen die Ziegen- und Milchschafhalter einen Stadl ein. Er hat mehrere Funktionen.

Mittenwald – Der Bär war schon da, die Rückkehr des Wolfs wird ständig befürchtet. Wie können die Ziegen- und Milchschafhalter ihre Tiere also vor so genannten Beutegreifern schützen? „Uns wurde vom Bayerischen Umweltministerium mitgeteilt, dass Nutztierschutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, um bei Tierverlusten überhaupt entschädigt zu werden“, verdeutlich Christian Neuner als Vorsitzender des 1985 gegründeten Vereins die Situation. Es gibt Schutzzäune oder Herdenschutzhunde. „Beides ist in unserer Region aber nicht realisierbar“, sagt Neuner. Schließlich handelt es sich bei den Weidenflächen rund um die Scheiben-Alm um ein beliebtes Wander- und Tourismusgebiet. Die Tierhalter haben sich deshalb für einen Stadl entschieden.

Er steht nahe der Alm, kurz hinter dem Ferchensee gelegen, im Weidegebiet zwischen Lautersee und Schloss Elmau. An Maria Himmelfahrt, an diesem Mittwoch, wird das Holz-Gebäude eingeweiht. Es soll erkrankten Tieren und der Herde bei möglichen Übergriffen der Beutegreifer als Nachtschutz diesen. Gleichzeitig nutzen die weideberechtigten Vereins-Mitglieder den Stadl künftig als Futter- und Gerätelager.

Erster Ziegenabtrieb 1997

Deren Ziegen sind jedes Jahr zwischen Juli und Ende August als „Landschaftsgärtner“ in dem Gebiet unter dem Wettersteinmassiv im Einsatz. Die Flächen gehören dem Freistaat Bayern und wurden den weideberechtigten Nutzern aus Mittenwald überlassen. Bis 1953 hatte die Zuchtgenossenschaft den Ziegenaustrieb organisiert. Dann wurde er eingestellt. Die Zahl der Tiere nahm damals immer mehr ab, der Fremdenverkehr stark zu.

Im Jahr 1985 hat Neuner dann mit acht Mitstreitern den Ziegen- und Milchschafhalterverein Mittenwald gegründet. Die Ziegen mussten erst auf Privatflächen weiden. Besser wurde es, als 1993 die Müller Elmau GmbH mit Geschäftsführer Uwe Richardsen beim Naturschutzamt den Antrag stellte, die zugewachsenen schlosseigenen ehemaligen Wiesmahd-Flächen wieder frei zu machen. Nach einigen Vor-Ort-Terminen mit dem Naturschutz-, Forst-, Wasserwirtschafts- und Landschaftsbehörden wurde eine gesetzliche Grundlage geschaffen, um die wertvollen sensiblen Naturschutzflächen zu beweiden und den Ziegenhaltern übertragen.

Einen großen Erfolg gab es für den Verein am 15. Juli 1997. „Da konnten wir nach 47 Jahren mit Hirten Andreas Neuner den ersten Ziegenaustrieb auf Staatsweideflächen feiern“, sagt Neuner.

Es folgten mehrere Schwendt-Maßnahmen, da die stillgelegte Alm völlig zugewachsen war. „Die Natur hat Mitte der 1960er Jahre alles zurückerobert“, erinnert sich Ziegenhalter Markus Seitz, der in den 1950er Jahren noch ein Hüterbub war.  Die freigewordenen Flächen blieben auch für die Politik interessant: In den Jahren 1998 und 2000 besuchten sie der Bayerische Landwirtschaftsminister Reinhold Bocklet und Oberbayerns Regierungspräsident Hans Werner Böhm. 2002 kam die EU-Kommission aus Brüssel mit EU-Kommissar Franz Fischler und Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums zu den Mittenwalder Ziegenhaltern.

Im Hotel Rieger informierte Vorsitzender Neuner die hochrangigen Gäste über die Berglandwirtschaft. „Mittenwald ist ein Vorzeigeprojekt und so ist es bis heute geblieben“, lobte Fischler damals Neuner und dessen eifrige Mitstreiter. 2007 wurde das an der Scheibenalm aufgestellte „Scheibenkreuz“ eingeweiht.

Die Segnung

des neuen Stadls übernimmt an diesem Mittwoch der ehemalige Scharnitzer Gemeindepfarrer Helmut Gatterer. Die Messe beginnt um 11 Uhr. Bereits ab 10 Uhr gibt es Getränke, und auch nach der Weihe wird für das leibliche Wohl gesorgt. Die musikalische Umrahmung der Messe übernehmen der Mittenwalder Dreig’sang und die Bläser der „Oimsumma-Musi“, die danach in großer Besetzung mit sieben Musikern zur Unterhaltung der Gäste aufspielt.

Wolfgang Kunz

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