Mitglieder der CSU Mittenwald analysieren im Gasthof Gries die Ergebnisse der Bundestagswahl 2021.
+
Kamera läuft: Mittenwalder CSU-Mitglieder analysieren in Stammtisch-Atmosphäre im Gasthof Gries die Bundestagswahl.

Bundestagswahl-Nachlese

Schwarze Basis im Scheinwerferlicht: MDR dreht in Mittenwald

  • VonChristof Schnürer
    schließen

Schonungslos, offen und mit einem Schuss Humor - so analysiert das Mittenwalder CSU-Parteivolk die Bundestagswahl. Ein Kamerateam des MDR begleitet die Karwendel-Schwarzen.

Mittenwald – Andreas Rummel (58) kennt den Landkreis aus dem Effeff – in Garmisch-Partenkirchen geboren, in Murnau aufgewachsen. Nach dem Abitur verdiente er sich beim Tagblatt unter Redaktionsleiter Wolfgang Kaiser in den 1980ern erste journalistische Sporen. Inzwischen lebt der preisgekrönte Fernsehjournalist in Leipzig und arbeitet seit 1993 für das MDR-Politmagazin FAKT, für das er sich im Zuge der Bundestagswahl in Mittenwald unters CSU-Parteivolk gemischt hat.

„Das war mehr oder weniger zufällig“, erzählt Rummel, dem bei seiner Reportage natürlich seine Ortskenntnis in die Karten spielte. Er wusste, womit er es zu tun hat: mit einem erzkonservativen Landstrich mit satten CSU-Werten. Also kontaktierte er am 16. September den Ortsverband Mittenwald. „Das war alles sehr kurzfristig“, verdeutlicht der stellvertretende Vorsitzende Matthias Haller. Doch irgendwie auch aufregend. Denn Rummels Drehbuch sah vor, zweimal ein Meinungsbild von der CSU-Basis unterm Karwendel einzufangen – zuerst kurz vor dem Tag der Wahrheit, dann am Wahlabend.

Gefragte Parteimitglieder: (v. l.) CSU-Ortsvorsitzender Peter Wimmer und sein Stellvertreter Matthias Haller im Fokus der MDR-Kamera.

„Der richtige Griff“, betont Rummel, der von Anfang an eine lockere und entspannte Atmosphäre bei den Christsozialen ausmachte. „Die waren durchgehend gut drauf.“ Was angesichts der Umfragewerte und Prognosen fast schon etwas von Galgenhumor hatte. Aber Ortsvorsitzender Peter Wimmer und Co. sprachen auch schonungslos Klartext, geißelten den glücklosen Verkehrsminister Andreas Scheuer, die Maskenaffäre und selbst die Machtspielchen von Markus Söder. „Das war von der Kommunikationskultur sehr interessant und einnehmend“, urteilt der Medien-Profi Rummel.

Erstmals trifft er auf seine schwarzen Interviewpartner am vergangenen Mittwoch.

Das war ein Blick in unser Innenleben

CSU-Vize Matthias Haller

Im Gasthof Gries, der an diesem Tag Ruhetag hat, herrscht gegen 19 Uhr in der Wirtstube Studio-Atmosphäre: Scheinwerfer, Mikros, Kameras – und mitten drin Autor Rummel. Sein Wunsch: Authentische Bilder in Stammtisch-Atmosphäre vor dem politischen Showdown. „Das war ein Blick in unser Innenleben“, beschreibt Haller den ersten, zweieinhalb Stunden dauernden Dreh im „Gries“. „Es war ja alles offen und vage“, schildert Gemeinderätin Regina Hornsteiner die Aufnahmen. „Es gab schließlich alle Möglichkeiten – vom totalen Desaster bis zur Überraschung.“

Am Sonntag war es dann wohl eher Variante eins. Schließlich fuhr die CSU mit gerade einmal 32 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis ein. „Das war schon ein bisserl ernüchternd“, sagt Regina Hornsteiner. Wieder heißt der Drehort Gasthof Gries. Diesmal sitzen die Schwarzen im Nebenraum an einem langen Tisch – unter ihnen auch ein „Reingeschmeckter“. Denn Leonhard Brennauer, der neben Gemeinderatskollegen Dieter Schermak Platz nimmt, gehört den Freien Wählern an.

Kein Problem. Man ist ja tolerant unter Demokraten. Einer fehlt allerdings beim zweiten Dreh: Matthias Haller. Er darf in einem der Mittenwalder Wahllokale Stimmen auszählen. Und in der schwarzen Bastion sind noch ausgesprochen viele Kreuzerl bei der CSU angebracht.

Über das und mögliche Koalitionen wird im Beisein des MDR bei der einen oder anderen Verdruss-Halben eifrig diskutiert. Top-O-Töne, Spitzenaufnahmen findet Andreas Rummel. Er und sein Team haben noch Sequenzen beim Kreisverband der Jungen Union in München gedreht. Gestern wurde noch Parteigrande Erwin Huber vom FAKT-Team um eine erste Analyse gebeten. Jetzt ist alles im Kasten. Heute um 21.45 Uhr wird’s in der ARD Middawoidarisch. „Wie groß der Part sein wird, kann ich nicht sagen“, meint Rummel. „Es kann mehr oder weniger sein.“

Matthias Haller ist’s egal. „Uns hat’s Spaß gemacht.“ Sieht man mal vom Wahlergebnis seiner Partei ab.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare