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Rund 200 Zuhörer hören sich die Präsentation im Postkeller an.

Bürgerentscheid in Mittenwald

Corongiu: Bad und Sporthalle möglich

Mittenwald - Emotional und angriffslustig haben die Initiatoren der Bürgerinitiative „Karwendelbad 2020“ ihr mit Spannung erwartetes Finanzierungskonzept präsentiert. Mehr als 200 Interessierte wollten sich ihr Zahlenwerk im Postkeller anhören.

Der Bürgerentscheid am 5. Februar hält die Mittenwalder in Atem. Dass dieses Thema ein sehr emotionales ist, offenbarte am Freitag der Informationsabend der Bürgerinitiative „Karwendelbad 2020“ im Postkeller, bei dem das lange unter Verschluss gehaltene Finanzierungskonzept rund 200 interessierten Zuhörern vorgestellt wurde.

Geht es nach dem Marktgemeinderat Enrico Corongiu (SPD), wäre ein Schwimmbad-Neubau samt Mehrfachsporthalle im besten Fall mit lediglich 122 000 Euro Unterdeckung pro Jahr möglich. Damit liegen seine Daten weit unter den bisherigen Berechnungen der Marktgemeinde, die allein für ein neues Hallenbad von einem jährlichen Finanzierungsbedarf von knapp 800 000 Euro ausgeht. In Corongius Planspielen müssten allerdings die Gemeindewerke mit ins Boot geholt werden.

Das Motto des Abends war „Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung“. Josef Zunterer junior hat das bereits getan. Der Sohn von Gemeinderat Sepp Zunterer (Freie Wähler) schlüpfte bei seinem Vortrag in die Rolle eines fiktiven Touristen in Mittenwald. Süffisant schilderte er seinem Publikum – darunter auch Bürgermeister Adolf Hornsteiner sowie die CSU und Bürgervereinigungs-Gemeinderäte – folgendes Szenario: „Ich bin Wanderer und um 15.30 Uhr mit meiner Tour in Mittenwald fertig.“ Nun wolle er gerne noch „ein paar Runden schwimmen oder ein paar Aufgüsse machen“. Sein Ziel: das Alpenbad in Leutasch. „Erst um 16.48 Uhr ist der nächste Bus gegangen.“ Nach 30-minütiger Fahrt in den Tiroler Nachbarort müsse er dort allerdings gleich übernachten, wie er meint: „Erst am nächsten Tag um 8.20 Uhr ging nämlich der Bus zurück nach Mittenwald.“

Mit diesem fiktiven Erlebnis wollte Zunterer die Kooperation der Isartaler Tourismus-GmbH Alpenwelt Karwendel mit den umliegenden Schwimmbädern in Leutasch, Seefeld und Garmisch-Partenkirchen torpedieren. „Das ist keine Alternative, sondern eine Notlösung“, wetterte er. Die Alpenwelt Karwendel würde sich mit diesem seit einigen Wochen praktizierten Angebot „lächerlich“ machen. Den Hallenbad-Befürwortern im Postkeller gefiel das, mit tosendem Applaus wurden seine teils sarkastischen Ausführungen gewürdigt.

Besonders Alpenwelt-Karwendel-Geschäftsführerin Sabrina Blandau nahm er ins Visier. Als er den Brief eines CSU-Gemeinderats an ihn vorlas, in welchem die aktuelle Situation Mittenwalds mit dem eines in die Jahre gekommenen gastronomischen Betriebs verglichen wurde, sollte Zunterer seine Sicht der Dinge schildern. Für ihn ist klar: Der Betriebsleiter – gemeint war damit die Alpenwelt Karwendel-Geschäftsführerin – ginge „besser wo anders hin, aber diesen Betrieb leitest Du nicht mehr“.

Für die Bürgerinitiative ist klar: Ein Schwimmbad für Mittenwald wäre finanziell tragbar „ohne auf andere Projekte verzichten zu müssen“. Das erläuterte Corongiu. Er stellte das mit Spannung erwartete Finanzierungskonzept vor. In diesem rechnete er vier Szenarien aus. Im besten Falle kommt er auf eine jährliche Unterdeckung von lediglich 122 050 Euro. „Wir haben das StOV-Gelände (Anm. d. Redaktion: Standortverwaltung) und die Karwendelbahn AG aus der jährlichen Belastung rausgenommen“, verkündete er.

Schließlich würde durch den möglichen Wiederverkauf des StOV-Geländes seitens der Gemeinde das Geld an diese zurück fließen, und bei der Karwendelbahn wäre es zur Zeit nicht möglich, Aktien zu kaufen. Außerdem müsste das Karwendelbad in die Gemeindewerke eingegliedert werden, was laut Corongius Konzept nochmals 100 000 Euro jährlich bringen würde. Einsparpotenzial im Karwendelbad sieht er zudem durch die Anschaffung von Kassenautomaten sowie in der Reduzierung der Personalkosten durch den Einsatz energiesparender Technologien sowie durch eine energetische Bauweise.

Mit aufgeführt sind in dieser Kalkulation laut dem SPD-Gemeinderat ein Hallenbad mit Saunabereich (jährliche Finanzierungskosten von 540 200 Euro), die Mehrfach-Turnhalle (82 500 Euro), die Hochwassersanierung (111 500 Euro) sowie die Lawinenverbauung an der Rainlähne (20 850 Euro).

Beim Schwimmbad sowie der Mehrfachturnhalle rechnet er mit einer Laufzeit von jeweils 25 Jahren, einer Tilgung von vier Prozent sowie einem Zins von zwei Prozent. Doch Corongiu ist sicher, dass der Zins „recht hoch angesetzt“ ist. Er habe bereits mit anderen Bürgermeistern Kontakt aufgenommen und da wären „manch größere Projekte teilweise sogar mit nur 0,9 Prozent verzinst“ worden.

Neben Corongiu und Zunterer buhlten auch Verena Fütterer sowie Kathrin Bayer um die Gunst der Wähler. Sie machten die gesundheitliche sowie die familiäre Bedeutung eines Schwimmbads deutlich. Initiator Armin Görlich wies noch einmal auf den einstimmigen Grundsatzbeschluss für einen Hallenbad-Ersatzbau von 2012 hin. „Durch das Ratsbegehren hat die Gemeinde diesen Beschluss ignoriert.“

Josef Hornsteiner

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