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So sieht eine Kartoffelkanone aus. Diese wurde im Jahr 2006 nahe Osnabrück beschlagnahmt.

Lebensgefährliche und verbotene Schusswaffe

Soldat bastelt Kartoffelkanone und ballert herum

Von wegen harmlos: Ein Soldat aus Mittenwald hat sich in seiner Stube eine Kartoffelkanonegebastelt und eine Salve abgefeuert. Dass es sich dabei um eine lebensgefährliche Schusswaffe handelt, musste er nun vor dem Amtsgericht, das ihn zu Sozialstunden verdonnerte, erfahren.

Mittenwald – Kartoffelkanone. Das Wort klingt harmlos, lustig, eher nach Fasching oder irgendwelchem Kinderkram. Dass jedoch ein solches Konstrukt, das sich fast jeder selber basteln kann, als lebensgefährliche und verbotene Schusswaffe gilt, das musste nun ein 19-jähriger Bundeswehrsoldat vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen erfahren. Dieser hatte sich ein derartiges Gerät gebaut und damit in seiner Mittenwalder Kasernenstube herum geschossen. Weil er zu seinem Glück altersgemäß noch unters Jugendstrafrecht fällt, kam er mit einer relativ milden Ahndung davon: Richter Dr. Benjamin Lenhart brummte dem jungen Mann 40 Sozial-Arbeitsstunden auf.

Laut Staatsanwältin Dr. Anncathrin Koch soll sich der Soldat, der zum fraglichen Zeitpunkt dem Gebirgsjägerbataillon 233 angehörte, im Februar 2017 eine 85 Zentimeter lange sogenannte Kartoffelkanone aus überall erhältlichen Kunststoff-Rohrteilen gefertigt und diese sogar ausprobiert haben. Ebenfalls im Februar habe er überdies aus einem Bundeswehr-Kleinpanzer ein Gürtelmesser des Typs Mora 12 entwendet.

Beide Taten räumte der eher unbedarft wirkende Angeklagte, der mittlerweile nicht mehr der Bundeswehr angehört und auf Arbeitssuche ist, sofort ein: „Ich habe die Kartoffelkanone gebaut, weil ich nicht wusste, dass sie als Waffe verboten ist, auch das Messer habe ich entwendet.“ In seiner Stube will er mit dem Ding nicht etwa eine Kartoffel, sondern nur ein paar Taschentücher verschossen haben, ehe er sie unterm Bett versteckte. Zu seinem Pech fand sie dort ein Vorgesetzter. Die Kartoffelkanone wurde anschließend von der Polizei beschlagnahmt.

Bei der Bundeswehr erhielt der 19-Jährige dafür einen strengen Verweis, bestätigte dessen ehemaliger Kompaniechef. Ein Hauptfeldwebel teilte mit, dass eine Kartoffelkanone eine ziemlich „gefährliche Geschichte ist, denn sie kann explodieren und Menschen schwer verletzen“.

Aus einem Gutachten des Landeskriminalamts verlas Richter Lenhart schließlich eine Art Bastel-Anleitung für die harmlos klingende Waffe, die in diesem Fall aus einem langen Plastikrohr mit einem Kaliber von 3,5 Zentimetern bestand und im Hinterbereich ein erheblich dickeres Rohr aufwies, in dem zwecks Auslösung der Piezozünder eines gewöhnlichen Feuerzeugs eingeklebt war. Wenn man dann das dickere Rohr mit dem Gas einer Haarspray-Flasche füllt, ins lange Rohr eine Kartoffel steckt und den Zünder betätigt, gibt’s prompt eine Explosion – und die Kartoffel fliegt hinaus. Und zwar mit solcher Wucht, dass sie unter Umständen einen Menschen schwer verletzen kann.

„Aus technischer Sicht“, heißt es in der LKA-Expertise, „handelt es sich dabei um eine funkengezündete, verbotene Schusswaffe, die unters Waffengesetz fällt“. Wegen des Besitzes eines solch verbotenen Geräts sowie dem Diebstahl des Messers verhängte der Amtsrichter schließlich 40 Sozial-Arbeitsstunden und erklärte: „Ich gehe davon aus, dass Sie mit der Kanone auch herumgeschossen haben – mit einem Gerät, das, wenn es explodiert, taub und blind machen und andere schwere Verletzungen nach sich ziehen kann.“

Wolfgang Kaiser

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