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Einsatz in Mali heißt es auch für Mittenwalder Soldaten.

Mittenwalder Soldaten auf Afrika-Mission 

Einsatz in Mali: Aufbruch ins Ungewisse

Mittenwald - In dreieinhalb Wochen geht’s los. Der Mittenwalder Soldat Manuel G. (32) wird im krisengeschüttelten, afrikanischen Staat Mali im Rahmen einer UN-Mission zum Friedenseinsatz aufbrechen – ein schwieriges Unterfangen.

Es ist ein Tag wie jeder andere, und doch fühlt er sich anders an. Manuel G. sitzt in seinem kleinen Büro im zweiten Stock neben dem sogenannten Turm beim ehemaligen Haupteingang der Mittenwalder Edelweißkaserne. Auf seinem Computer hat er soeben die Homepage einer bundesweit erscheinenden Zeitung geöffnet. „Mindestens 35 Tote bei Selbstmordattentat in Mali“, liest er darin. „Wir sind gerade noch am prüfen, wer die Opfer waren“, erklärt der Hauptmann ruhig, aber leicht besorgt. Nach unendlichen Minuten dann die Entwarnung: „Es waren keine deutschen Soldaten betroffen.“ Er atmet auf.

Mittlerweile ist bekannt, dass bei besagtem Anschlag in Gao mehr als 60 Einsatzkräfte getötet wurden, über 100 Menschen teils schwer verletzt. Zur Tat bekannte sich das Terror-Netzwerk Al Kaida. „Man macht sich schon seine Gedanken“, gesteht der 32-Jährige. Denn genau dort wird er mit einer Einheit des Gebirgsversorgungsbataillons 8 für mindestens vier Monate Dienst verrichten. Verrückt machen tut er sich angesichts dieser Nachrichten aber nicht. Darf er sich gar nicht erlauben. Schließlich stehen ab dem 8. Februar über 150 Soldaten unter seinem Befehl.

Bis auf den aktuellen Sicherheitsbericht über Mali ist der Schreibtisch von Goldschmitt ungewöhnlich leer. „Vor Weihnachten haben wir schon unsere Sachen gepackt“, erzählt er. „Ich wollte, dass meine Kompanie in Ruhe die Feiertage genießen kann.“

Denn für die ersten der 45 Mittenwalder ging es bereits am 4. Januar auf den schwarzen Kontinent. Seitdem hebt jeden Mittwoch ein Flugzeug der Bundeswehr nach Mali ab. Dessen Passagiere sind junge Männer und Frauen, die erst gegen Juni, manche sogar erst im September wieder in die Heimat zurückkehren werden.

Einsatz beginnt am 8. Februar

Für G. beginnt das Abenteuer am 8. Februar. Der gestrige Freitag war vorerst sein letzter Arbeitstag in Mittenwald. Noch einmal dreht er eine Runde in der Edelweißkaserne, verabschiedet sich in aller Ruhe von seinen Kameraden. Jetzt ist erst mal Urlaub angesagt. „Ich besuche meine Familie in der Nähe von Würzburg.“ Auch seinen Soldaten gab er zwei Wochen frei. „Sie sollen ausgeruht und konzentriert sein.“ Denn die vier Monate werden hart. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag befinden sie sich im Dauereinsatz.

Nur Sonntagvormittag ist für G. heilig – wie bei seiner Mission im afghanischen Kabul. „Da ist Gottesdienst, und danach schreibe ich Briefe an zu Hause.“ Dieser Rhythmus ist ihm „sehr wichtig“. „Wenn jeder Tag gleich ist, geht irgendwann das Zeitgefühl verloren.“ Dann können vier Monate unerträglich lange werden.

Lieber Briefe als E-Mails

Die Briefe und Postkarten in die Heimat schreibt er noch per Hand. „Das ist viel persönlicher als SMS oder E-Mails.“ Wlan stehen jedem Soldaten im Camp Castor zwar rund um die Uhr zur Verfügung, in voller Bandbreite aber nur für zwei Stunden. „Da können wir dann Skypen (Anm. der Red.: Video-Telefonat) mit unserer Familie.“ Schließlich sind fast tausend Kameraden im Camp Castor stationiert. „Wir leben dann in Dreier-Containern.“

Ein Fitnessraum und eine Bar mit alkoholfreien Getränken bieten Abwechslung. Am meisten wird G. mit seiner Freundin telefonieren. Nach seiner Rückkehr aus Mali will er sie im August in Mittenwald heiraten. Dann wollen die beiden sehen, was die Zukunft bringt. Dass sie mehr als vier Monate voneinander getrennt sind, stört sie nur bedingt. „Sie arbeitet bei der Bundespolizei.“ Also auch ein Job, der hohe Flexibilität verlangt.

Für G. und Co. wird die Logistik vor Ort die Hauptaufgabe sein. Daneben werden sie Patrouillen begleiten und in Notsituationen Pannenhilfe leisten. Doch jeder hofft, dass der Ernstfall nie eintreten wird.

Josef Hornsteiner

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