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Auf Beobachtungsposten: Soldaten kontrollieren das Hinterland.

Schwieriger Bundeswehr-Einsatz

Patrouille im Glutofen für das Gebirgsjäger-Bataillon 233

Mittenwald –  Die Gebirgsjäger stehen vor einem schwierigen, vielleicht sogar lebensgefährlichen Auftrag. Sie sollen in Mali für Frieden sorgen.

Es wird heiß für die Mittenwalder Gebirgsjäger. In wenigen Tagen beziehen erste Kontingente des Bataillons 233 (4. Kompanie) Stellung in Mali – genauer gesagt im Camp Castor nahe der Stadt Gao (90 000 Einwohner). Dort, wo sich der westafrikanische Strom Niger entlang schlängelt, herrschen für Mitteleuropäer beinahe unerträgliche Temperaturen. „Durchschnittlich 50 Grad im Schatten“, meint Kommandeur Björn-Ulrich Kohlbach.

Wie kein anderer hat sich der 45-jährige Oberstleutnant mit dem islamisch geprägten Land zuletzt auseinandergesetzt. Denn ab Juli wird der dreifache Familienvater, der seit April 2016 in der Edelweißkaserne das Sagen hat, in diesem Glutofen das Kommando führen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Mann aus Sachsen-Anhalt in Lebensgefahr begibt – in seiner militärischen Vita stehen Einsätze auf dem Balkan und in Afghanistan. Zerstörungswut, Krieg und Terror sind dem Offizier nicht fremd. Doch es sind die positiven Eindrücke, die für Kohlbach zählen. Beispielsweise wenn am Hindukusch im einstigen Krisengebiet Kinder wieder auf der Straße spielen. „Dann haben wir etwas erreicht.“

Mit einem solchen Gefühl und natürlich unversehrt möchte Kohlbach in einigen Monaten mit seiner Truppe aus Mali zurückkehren – einem Land, das von marodierenden Tuaregs und selbsternannten Gotteskriegern in den Würgegriff genommen wird. „Die Lage im Raum Gao ist angespannt – nicht ruhig, aber stabil“, drückt es der 233er-Chef in bestem Soldatendeutsch aus.

Echtes Soldatenglück benötigen zu allererst die rund 100 Mittenwalder Gebirgsjäger der 4. Kompanie. Die Einheit von Hauptmann Jan Schumacher zieht als erstes in den Einsatz in die brütend heiße afrikanische Einöde. Sie nehmen am kommenden Mittwoch im Wüstenanzug Aufstellung in der Kuranlage Puit, gemeinsam mit weiteren Abordnungen der übergeordneten Brigade 23 – insgesamt etwa 330 Männer und Frauen. Dort werden sie während eines öffentlichen Appells von Brigadegeneral Alexander Sollfrank verabschiedet.

Das ist sozusagen der Auftakt einer ganz besonderen militärischen Nabelschau – dem Tag der Gebirgssoldaten, der am Nachmittag Einblicke in die Arbeit der krisenerprobten Jager gibt. Flankierend dazu lädt um 14 Uhr der Kameradenkreis der Gebirgstruppe zur Brendtenfeier ein.

Dem einen oder anderen Mali-Soldaten wird bei diesem traditionellen Gottesdienst am Ehrenmal so einiges durch den Kopf gehen. Über allem schwebt die Frage: Komme ich als derselbe Mensch zurück in meine Heimat? Oder werden mich die Eindrücke im Camp Castor oder auf Patrouillenfahrten ins gefährliche Hinterland verändern? Das Bataillon 233 hat im Vorfeld alles getan, um seine UN-Einheiten sowohl physisch als auch psychisch auf diesen Mali-Auftrag vorzubereiten. Erst Ende April trainierte man in der Oberlausitz (Sachsen) zwei harte Wochen den Ernstfall. „Wir haben eine Super-Truppe“, schwärmt ihr Chef Kohlbach, „jeder stellt seine persönlichen Belange zurück“.

Wie gesagt: Für den Kommandeur und 150 Stabssoldaten beginnt im Juli die ungewisse Reise. Mit einem Bundeswehr-Airbus fliegen sie von Köln nach Bamako, der Hauptstadt von Mali. Von dort geht es immer östlich den Niger entlang, vorbei an der weltberühmten Oasenstadt Timbuktu, nach Goa am Rande einer Steinwüste, wo sich viele Handelswege kreuzen und die Sonne unerbittlich in das schwer befestigte Camp Castor brennt.

1500 Soldaten aus unterschiedlichen Ländern verschanzen sich in diesem Militärstützpunkt, der aktuell unter niederländischem Kommando steht. Die Losung im Camp lautet: 0,0 Promille. „Kein Alkohol – das bewährt sich“, weiß Kohlbach von anderen Auslandseinsätzen. Den ein kühler Kopf ist angesichts des zentralen Auftrags (Objektschutz) unabdingbar.

Aber auch, um Lagerkoller vorzubeugen. Dazu soll auch die Verbindung mit der Heimat dienen. Über Wlan-Hotspots soll der Kontakt mit daheim, so gut es geht, aufrechterhalten werden. „Das ist ein Riesensprung nach vorne“, meint Kohlbach, der noch andere, kommunikationsarme Zeiten nur allzu gut kennt.

Auch für den kampferprobten Kommandeur heißt es nun, noch gut einen Monat Familie in vollen Zügen genießen, bevor es nach Westafrika geht. „Das wird hart für meine Frau und die drei Jungs.“ Namens seiner Truppe meint der Kommandeur abschließend: „Die Masse fiebert dieser Herausforderung entgegen – auch wenn Herzschmerz dabei ist.“


Christof Schnürer

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