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Gib‘ Küsschen: Sophie Sailer beim Badespaß in der Karibik mit einem Delfin.

Sogar Weihnachten feiert sie auf der Aida

Mittenwalderin kreuzt durch die Weltmeere - und findet die Liebe ihres Lebens

Vom Karwendel auf die Weltmeere: Sophie Sailer (22) hat knapp 13 Monate auf Kreuzfahrtschiffen als Fitness-Trainerin gearbeitet. Ein Schiff, zwei Welten: Der Alltag von Crew und Passagieren könnte nicht unterschiedlicher sein. 

MittenwaldEs sind schwimmende Giganten der Weltmeere – Kreuzfahrtschiffe. Um die Traumwelt für die Passagiere aufrechtzuerhalten, ist eine ganze Armada an Angestellten nötig. Sophie Sailer war eine davon. Gemeinsam mit 614 weiteren Crewmitgliedern sorgte sie für rund 2500 Gäste auf der AIDAstella für deren Wohlbefinden als Fitness-Trainerin.

Ein Knochenjob: Wo der Urlauber am Pool in der Sonne entspannt, arbeitet die Crew teilweise bis zu 13 Stunden täglich, sieben Tage die Woche, fünf Monate lang. Übernachtet wird in kleinen, oft fensterlosen Kabinen – nur wenige Decks unter den luxuriösen Suiten und Kabinen der Passagiere. Was also bewegte eine junge Isartalerin dazu, trotzdem das Abenteuer Kreuzfahrtschiff einzugehen?

Für die 22-jährige Sailer stand schon als Kind fest, was sie später einmal werden will. Als andere gleichaltrige Mädchen noch von einer Zukunft als Prinzessin träumten, stand für sie der Sport im Vordergrund. Sei es beim Skiclub oder TSV, Langlaufen oder Klettern. So verwundert es nicht, dass es sie in eine Sportschule nach Stuttgart zog. Drei Jahre lang wurde Sailer dort zur Sport- und Gymnastiklehrerin ausgebildet, machte als Zusatzsemester sogar ihren Sport-Therapeuten. Obwohl drei Jahre weg von ihrer Heimat, wuchs in ihr das Fernweh. Weiße Sandstrände, azurblaues Wasser und fremde Kulturen – das war ihr Ziel.

Tierisches Vergnügen: Auch in der Wüste wird’s Sophie Sailer nicht langweilig.

Sofort seekrank

Im Oktober 2015 war es soweit: Sailer bewarb sich erfolgreich bei Aida, nach eigenen Angaben der Branchenführer in Sachen Kreuzfahrten. In der Hauptniederlassung in Rostock durfte Sailer dann erstmals auf ein Schiff – aber lediglich zu Übungszwecken. „Jedes Crew-Mitglied muss dort an einem einwöchigen Sicherheitstraining teilnehmen.“ Aus gutem Grund: „Auf einem Schiff gibt’s keine klassische Feuerwehr.“ Jeder Mitarbeiter muss löschen, Erste Hilfe leisten und Gäste bei Unglücksfällen betreuen können.

„Überhaupt ist man stets die Ansprechperson für Passagiere“, erinnert sie sich an die ersten zwei Wochen auf dem Meer. „Es waren reine See-Tage.“ In dieser Phase setzte das Madl aus den Bergen keinen Fuß aufs Festland. „Ich wurde gleich zu Beginn seekrank“, kämpfte mit starker Übelkeit. Glücklicherweise verfügt ein Schiff dieser Größenordnung natürlich auch über ein Hospital. An See-Tagen muss Sailer auch am längsten schuften, da sich die Passagiere den ganzen Tag über auf dem Schiff befinden. „Da ist ein 13 Stunden-Tag keine Seltenheit.“ Ein normaler Arbeitstag hat aber auch für sie nur acht Stunden.

Mountainbiken in Norwegen

„Die vielen asiatischen Angestellten arbeiten wesentlich länger und sind teilweise bis zu zehn Monate auf dem Schiff.“ Sailers Zuhause war eine kleine Kabine für zwei Personen. Heimweh bekam sie wegen des durchgetakteten Arbeitstags selten. „Am schlimmsten war’s an Heiligabend.“ Da vermisste sie ihre Familie am meisten. Doch trotz Aida-Stress’ blieb genug Zeit, um die Reise um den Globus zu genießen – sei es beim Mountainbiken an norwegischen Fjorden, beim Tauchen vor der Küste Mexikos oder beim Sonnenbaden in der Karibik. „Das sind die Momente, warum ich mir diese Arbeit antue.“ Nebenbei lernte sie ihre beste Freundin und die Liebe ihres Lebens kennen. Ihr Freund arbeitete ebenfalls auf dem Luxusliner.

Nachdem sie ihre ersten fünf Monate geschafft hatte, fuhr die Mittenwalderin kurze Zeit später eine Nordeuropa- sowie eine Norwegen-Tour für jeweils einen Monat. Erst im Januar 2017 kehrte sie von einer fünfmonatigen Reise zwischen USA und Karibik zurück. Nun arbeitet sie in der Grund- und Mittelschule Mittenwald als Sportlehrerin und gibt Fitness-Kurse in der Isararena. Aber das Fernweh hat sie schon wieder gepackt. Auch wenn sie ihre Zukunft „auf sich zukommen lässt“, schließt sie eine weitere Reise mit der Aida keinesfalls aus.

Josef Hornsteiner

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