Hofft auf ein baldiges Wiedersehen: Andreas Reiser mit Schülern in Uganda.
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Hofft auf ein baldiges Wiedersehen: Andreas Reiser mit Schülern in Uganda.

Therapiezentrum soll beeinträchtigten Kindern helfen

Wegen Corona können Helfer nicht fliegen: Sorge um Kinder in Afrika

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Es wird sein bislang größtes Hilfsprojekt werden. Der Mittenwalder Andreas Reiser möchte ein Therapiezentrum für körperlich beeinträchtigte Kinder in Uganda errichten. Doch weiß er wegen der aktuellen Corona-Situation noch nicht wann. Die Zeit drängt: Erkrankte werden in dem Land als Aussätzige behandelt.

Mittenwald/Kampala – Er sitzt am Flughafen von Kampala. In zwei Tagen ist Lockdown. Alles dicht. Andreas Reiser weiß nicht, ob und wie er dann von Uganda in seine Heimat zurückkommen soll. Bei der ersten großen Ausbreitungswelle des Coronavirus ist Reiser noch 6000 Kilometer von seiner Heimat Mittenwald entfernt. Er nimmt sein Handy. Tippt: „Aufbruch zurück. Wir hoffen, dass ois guad geht.“ Am 17. März um 8.36 Uhr schickt er sie in den sozialen Netzwerken an Freunde und Familie. Ein Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen. Und gegen Corona. Als Reiser in München ankommt, atmet er zwar erleichtert auf. Doch belastet ihn Corona nach wie vor: Wann kann er wieder zurück nach Uganda? Denn sein wohl letztes großes Hilfs-Projekt steht 2021 an.

Andreas Reiser ist in der Afrika-Hilfe längst kein Unbekannter mehr. Mit verschiedenen Hilfsorganisationen hat der Mittenwalder Architekt während seiner Studien-Zeit mehrmals bei Projekten geholfen. Für ihn liegt es in der Natur der Dinge, seine Fähigkeiten für jene einzusetzen, die Hilfe dringend benötigen. Fünf exotische Länder in fünf Jahren hat er bereist. Unterstützte den Bau eines Kinder-Kulturzentrum in einem Dorf in Ecuador, das 2016 durch ein Erdbeben zerstört wurde. Half in Südafrika und im ugandischen Nsika Schulen zu errichten. Dieses Engagement von ihm und seinen Mitstreitern, allen voran sein steter Weggefährte Michael Arzberger aus Sielenbach, hat einen namhaften Unterstützer auf den Plan gerufen.

Andreas Reiser arbeitet mit englischem Auswanderer zusammen

Steve Williams ist ein Auswanderer aus England. So gut wie mittellos zog es ihn vor über sieben Jahren nach Ostafrika. Der Brite hat in Uganda die Kyaninga Lodge aufgebaut. Ein exklusives Ferienhotel im Rwenzori-Gebirge. In luxuriösen Zimmern können Urlauber Land und Leute kennen lernen. Den Großteil der Einnahmen steckt er in Hilfsprojekte.

So soll das Therapiezentrum in Uganda einmal aussehen.

Reiser soll nun mit einem Team der Orange-Farm-Organisation in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen KCDC Uganda (Kyaninga Child Development Centre) ein Therapiezentrum zur qualifizierten Betreuung behinderter Kinder errichten. Den geplanten Neubau auf einer Fläche von etwa 1000 Quadratmeter wollen sie im Sommersemester 2021 errichten. Neben Studenten und jungen Architekten aus aller Welt wäre auch Reiser vor Ort. Eigentlich. „Wir müssen die Corona-Situation im Auge behalten“, meint Reiser. Momentan wäre eine solche Reise undenkbar. Zumal auf dem von Seuchen und Krankheiten gebeutelten schwarzen Kontinent das Coronavirus als eine Krankheit „der Weißen“ gilt. Die Einheimischen haben also gemischte Gefühle, wenn Europäer in ihr Land kommen. „Das macht alles etwas schwieriger“, sagt Reiser.

Schlafkrankheit wird von Tsetsefliege übertragen und löst Spastiken aus

Doch ist die Therapieeinrichtung bitter nötig. Menschen in Uganda werden mit Epidemien wie der weit verbreiteten Schlafkrankheit allein gelassen. Im fortgeschrittenen Stadium führt die vom Stich der Tsetsefliege übertragenen Seuche zu Spastiken. Erkrankte werden wie Aussätzige behandelt, oft aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Deshalb soll das Zentrum nicht nur die medizinische Versorgung gewährleisten, sondern auch für Aufklärung unter den Einheimischen sorgen. „Lieber gestern als heute braucht es die Einrichtung“, sagt Reiser. Doch könnte Corona die Pläne deutlich nach hinten verschieben.

Das Therapiezentrum in Uganda wäre sein bislang größtes Projekt, aber auch sein vermeintlich letztes. „Als Student hatte ich mehr Zeit“, sagt er. Vor wenigen Monaten übernahm er eine Festanstellung in München. Seither fehlt die Zeit. Reiser hat allerdings einen verständnisvollen Chef. „Er unterstützt mich bei meinem Projekt.“ Corona ist aber nicht so einsichtig. Stillstand gibt es für den Mittenwalder aber keinen. Er sammelt jetzt in seiner Heimat fleißig Spenden für die Einrichtung. Und hofft, dass er bald wieder im Flieger nach Uganda sitzt.

SPENDENAUFRUF

Wer für das Therapiezentrum in Uganda spenden möchte, bekommt alle nötigen Informationen unter www.orangefarm-ev.de.

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