Bereiten sich auf die Europameisterschaft vor: Bundestrainer Jogi Löw (l.) und die Nationalmannschaft. 
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Bereiten sich auf die Europameisterschaft vor: Bundestrainer Jogi Löw (l.) und die Nationalmannschaft. 

Am Freitag reisen Jogi Löw und Co. an

Deutsche Fußball-Nationalmannschaft trainiert bei Tiroler Nachbarn: Seefeld wird zum Sperrgebiet

In Seefeld macht sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft fit für die Europameisterschaft. Am morgigen Freitag reisen die Stars zu ihrem Trainingslager in Tirol an. Die Welt wird davon einiges mitbekommen, die Seefelder weniger. Denn Jogi Löw und Co. werden von Zäunen und Sicherheitskräften abgeschottet.

Seefeld – Als die spanische Nationalmannschaft 2008 ihr EM-Quartier im Tiroler Stubaital bezog, wurden vom Trainer eigens heimische Burschen als Balljungen verlangt. Mit ihnen kickten die Topstars sogar ein paar Bälle hin und her. In Seefeld 2021 sieht das ganz anders aus. Zäune und Sicherheitspersonal braucht’s – und die Fans sollen daheim bleiben. „Covid-19 macht alles noch ein wenig strenger“, sagt Bürgermeister Werner Frießer. Die Anforderungen sind hoch. „Der Deutsche Fußballbund (DFB) ist hier aber perfekt organisiert.“

Der Großteil des Sicherheitspersonals und die Medienakkreditierung laufen über den DFB. Die Gemeinde Seefeld zeichnet für den perfekten Rasen und die sonstigen Qualitätsstandards der Plätze verantwortlich, der Tourismusverband (TVB) der Olympiaregion für die corona-konforme Unterbringung der gut 70 Journalisten, die Umzäunung des Trainingsareals und den ergänzenden Streifendienst im Sport- und Mediengelände sowie am Hotel. „Insgesamt haben wir zweieinhalb Kilometer Zaun verbaut, zwei Wanderwege verlegt und die Skirollerstrecke teilweise gesperrt“, sagt TVB-Geschäftsführer Elias Walser. Außerdem ist die Webcam der WM-Arena seit 21. Mai eingefroren. Es wirkt fast so, als wollten sich Manuel Neuer, Toni Kroos, Mats Hummels und Co. nicht nur vor Corona oder zudringlichen Fans schützen, sondern sich auf gar keinen Fall in die Karten schauen lassen. Denn sogar das einzige öffentliche Training im Innsbrucker Tivoli-Stadion wurde gestrichen.

Luxus pur: Das Hotel „Nidum“, in dem die Fußballprofis während des Trainingslagers wohnen, verfügt über optimale Trainings- und Regenerationsbedingungen.

Die Total-Abschottung der DFB-Mannschaft dürfte vor allem die jungen heimischen Fans traurig stimmen. „Für die Kinder wäre es wirklich sehr lässig gewesen, wenn sie ihren Idolen mal live hätten zuschauen können“, findet Ernst Meier, Obmann des FC Seefelder Plateau. Sie seien es zwar gewohnt, dass sie ihre Trainingsplätze in Seefeld immer wieder einmal räumen müssen für Trainingslager großer Fußballteams. „Da weichen wir dann nach Gießenbach oder Leutasch aus.“ Aber einmal aus nächster Nähe die Ballkünste zu sehen, wäre schon ein Traum gewesen. „Andererseits“, meint Meier, „leben die Kinder seit über einem Jahr mit den Covid-19-Einschränkungen und verstehen, warum sie nicht zum Platz kommen dürfen“.

Enttäuscht sind sie trotzdem. So wie Sergio Trivic, ein glühender Fan der Deutschen Nationalelf, des FC Bayern und vor allem von Joshua Kimmich. „Ich habe gerade erst das neue Trikot bekommen“, erzählt der Bub. „Mein größter Traum wäre ein Autogramm.“ Der Achtjährige, der selbst als Stürmer in der U9 des heimischen Clubs gegen den Ball tritt, wohnt nur einen Steinwurf vom Stadion entfernt. „Vielleicht hör’ ich ja mal was oder geh’ mit dem Fernglas auf den Berg.“

Zaunlandschaft im Stadion: Die deutschen Fußballstars werden beim Training nicht zu bestaunen sein.

Gar keine so schlechte Idee. Denn das wird wohl die einzige Möglichkeit bleiben, um einen Blick auf die Spieler zu erhaschen. Die Wege rund ums Stadion sind entweder gesperrt, verlegt oder mit über zwei Meter hohen Sichtschutzzäunen umgeben. Die fußballuninteressierten Touristen, die seit 19. Mai wieder nach Seefeld kommen dürfen, schränken die Maßnahmen ein. „Zehn Tage müssen wir auf einen kleinen Teil unserer Infrastruktur verzichten“, sagt Walser. „Wir rechnen aber mit Verständnis, schließlich passiert so etwas auch bei anderen Veranstaltungen wie den Wintersport-Events in Seefeld.“ Der TVB-Chef geht ebenso davon aus, dass Langläufer und Biathleten den kurzzeitigen Verzicht auf die Skirollerstrecke und die Biathlonanlage verschmerzen werden.

Insgesamt stufen Bürgermeister Frießer und Walser das Trainingslager als einen großen Gewinn für die Region ein. „Der Werbewert mit täglichen TV-Berichten und dem gesamten Medieninteresse ist unbezahlbar“, betont Frießer. „Noch dazu kommt er genau im richtigen Moment zum Sommerauftakt und zum Neustart nach Corona in der Region“, ergänzt Walser.

Sorgen, dass aggressive Fußballfans für Probleme in Seefeld sorgen könnten, haben die beiden nicht. „Der DFB und die Region sind bestens vorbereitet“, sagt Frießer. Walser fügt an: „Obwohl wir über die Besucherzahlen nach wie vor nur mutmaßen können und Covid-19 einiges komplizierter macht, haben wir mehrere Szenarien mit den Behörden durchgespielt.“ Das Konzept könne jederzeit und schnell angepasst werden. VON KATHRIN EBENHOCH

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