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Es geht um den Stift: Genau schaut Schiedsrichter Franz Sailer vom Spielmannszug darauf, wo er hinunterfällt.

Zum 6. Mal veranstaltet der Historische Spielmannszug das  Wognraleziachn

Wagenradziehen in Mittenwald: Mit voller Kraft am Tau

Männer wie Frauen hängten sich rein, sogar eine Bluse riss: Vollen Einsatz zeigten die Teilnehmer beim sechsten Wagenradziehen – oder „Wognraleziachn“ – des Spielmannszugs Mittenwald.

Ausgerutscht, die Runde geht an die anderen: der „Zipfelbob-Ausschuss“ um Christian Sailer (2. v. r.) und Josef Hörmann (r.).

Mittenwald – Der rote Stift wackelt. Er steckt in dem Wagenrad, hüpft, zittert, wird auf der hölzernen Tischplatte hin und her geschoben. Hunderte Zuseher fixieren den Stab. Auch die vier Schiedsrichter in dem historischen Gewand des Spielmannszugs Mittenwald lassen ihn nicht aus den Augen. Auf welcher Tischseite wird er herunterfallen? Vier Mannschaften zerren an den Tauen. In jeder Himmelsrichtung steht eine. Je vier Mannsbilder ziehen am Seil, wollen das Rad und den Stift auf ihre Seite bringen. Wo er runterfällt, steht der Sieger der Runde. So einfach sind die Regeln des Wagenradziehens des Spielmannszugs – eine besondere Veranstaltung, die nur alle drei oder vier Jahre stattfindet. Heuer zum sechsten Mal.

Veranstalter vom Historischen Spielmannszug Mittenwald werden Zweiter

Das Rad nähert sich der Seite der Sportgruppe Ernies. Franz Lipp, Johann Hörmann, Peter und Michael Plötze reißen noch einmal am Tau. Es braucht Koordination. Nur wenn die Kraft von allen Vieren gebündelt wird, alle gleichzeitig ziehen, hat man eine Chance zu gewinnen. Auf dem Kiesboden finden die Haferlschuhe schlecht Halt. Auf der anderen Seite ziehen die vier Mitglieder des Spielmannszugs Mittenwald: Schorsch Maller, Andreas Sailer, Josef Hornsteiner und Anton Kriner. Maller zerrt ganz hinten am Tau. Rutscht er aus, gewinnen die Ernies. An den zwei anderen Tauen plagen sich in der Finalrunde die „Zipflbobfohrer“ und die Junggesellen. Es geht um den Titel. Nach etwa einer Minute fällt der Stift. Die Sportgruppe Ernies gewinnt. Haarscharf setzt sie sich gegen die Organisatoren durch. „Die Wettkämpfe waren heuer richtig spannend“, sagt Johann Maller, Vorsitzender des Historischen Spielmannszugs und Organisator.

Lesen Sie auch: Wagenradziehen - Spektakel mit grausamer Geschichte

Angetreten sind dieses Mal 15 Mannschaften beim Alperer Stall am Riedboden. Gezogen wurde mit vollem Körpereinsatz. Gar zerrissen ist die Bluse einer Marketenderin des Spielmannszugs, die mit den „Maggis Oldies“ – eine Damenmannschaft bestand aus fünf Frauen, die Männerteams aus vier Mitgliedern – angetreten ist. Auch die Lederhose eines Junggesellen wurde in Mitleidenschaft gezogen, als er auf seinem Hintern am Boden entlangschlitterte. „Der Wettkampf ist zwar eine Gaudi und alle sind mit Spaß dabei“, sagt Maller. „Aber es wird zum Schluss raus dann doch bierernst für die Teilnehmer.“ Schließlich waren die Hauptpreise beachtlich: Die Sieger werden in der Mittenwalder Gaststätte Postkeller demnächst mit Essen und Trinken verwöhnt. Der Zweitplatzierte bekam ein Spanferkel.

Spielmannszug Mittenwald auf Gewitter vorbereitet

Mindestens genauso spannend wie die Wettkämpfe war das Warten auf das angekündigte Gewitter. Ab 16 Uhr blickte Maller minütlich gen Himmel. Die Wettervorhersage war genau, von einer Minute auf die andere goss es wie aus Kübeln. Der Spielmannszug war vorbereitet: Die Biertische wurden in den Vorraum des Stalls gestellt. Aufgespielt haben die Wongrale-Musi und die Viererspitz Buam. Zudem traten die Mittenwalder Goaslschnalzer auf.

Paul Silber

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