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Feierstunde in München: Bayerns Stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner (l.) und ZDI-Präsident Hermann Sturm (r.) zeichnen Wolfgang Schwind aus. 

Statiker berichtigt fehlerhafte EU-Norm

Mittenwalds „Mister Schnee“ bekommt eine Auszeichnung, die es bisher noch nicht gab

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Zwölf Jahre lang hat er gekämpft, nun wurde Mittenwalds Statiker Wolfgang Schwind für sein unermüdliches Engagement ausgezeichnet. Bayerns Stellvertretende Ministerpäsidentin Ilse Aigner (CSU) fand emotionale Worte für sein Lebenswerk.

Mittenwald/München – Applaus füllt den kleinen, prächtigen Raum im ersten Stock des Münchner Seehauses. Er kommt von Herzen. Ebenso wie das anerkennende Nicken vieler. Dieser Moment ist für Wolfgang Schwind der Epilog eines zwölf Jahre dauernden Gerangels um eine EU-Norm, die 2005 fehlerhaft auf den Weg gebracht wurde. Schwind hat sie berichtigt. Dafür verleihen ihm Ilse Aigner, Bayerns Stellvertretende Ministerpräsidentin, und Hermann Sturm, Präsident des Zentralverbands Deutscher Ingenieure (ZDI), den erstmals überhaupt ausgelobten ZDI-Preis. Wie Altlandrat Hermann Steinmaßl aus Traunstein wird er damit für besondere Ingenieurleistungen sowie mit der Würde eines Ingenieur-Senators (Senator e.h.) ausgezeichnet.

Es passiert nicht oft, dass Wolfgang Schwind nervös wird. An diesem Tag ist er es. Als der Statiker vor das kleine Rednerpult tritt, fällt sein erster Blick auf seine Familie. „Danke, dass Ihr es mit dem Mann, der nur an Schnee denkt, ausgehalten habt.“ Seine Frau Anneliese, Tochter Nina und Sohn Michael sitzen vor ihm an weiß-gedeckten Tischen. Sie müssen lächeln und erinnern sich daran, „wie oft und wie lang er stets unterwegs war“, erzählt Anneliese. Mehrmals wöchentlich pilgerte der Bauingenieur aus dem Isartal nach Berlin. „Frühmorgens ging das Flugzeug hin, spätabends wieder zurück.“ Über nette Anekdoten muss die Ehefrau schmunzeln, an manche denkt sie stirnrunzelnd zurück: Zum Beispiel, wie sie sich Sorgen machte, als einmal um 22 Uhr das Telefon läutete. „Das ist nie ein gutes Zeichen.“ Ihr Mann stand im Parkhaus des Flughafens in München und hatte seine Autoschlüssel im Flugzeug verloren. Oder wie ihr Mann von den stundenlangen Fahrten in überfüllten Zügen durch die Bundesrepublik erzählte. All das nahm er stets in Kauf, „damit wieder wirtschaftlich gebaut werden kann“.

Schwind beschenkt Aigner mit etwas aus seiner Heimat

Die EU-Norm, die bis dahin falsch ermittelt war und Bauherren viel Geld kostete, sollte gekippt und neu berechnet werden. „Mein Sohn hatte viel Verantwortung zu übernehmen in dieser Zeit“, sagt Schwind senior. Sein Sprössling Michael hat die Geschicke des Familienbetriebs geleitet, während sein Vater ehrenamtlich unterwegs war. Die vielen Berlin-Aufenthalte, die zahllosen Telefonate und die stundenlange Arbeit lohnten sich: Die ersten Bauherren profitieren bereits finanziell von Schwinds Werk. Beispielsweise konnten schon durch sein Einzelgutachten 2010 über 10 000 Euro beim Bau einer Fahrradparkanlage am Ohlstädter Bahnhof eingespart werden – ein Drittel der gesamten Bausumme, dank den Schwind’schen Neuberechnungen.

In höchsten Tönen würdigt Aigner seine Leistung. Nicht zu unrecht begrüßt sie Schwind bei ihrer Laudatio als „Mister Schnee“ und lobt die „längst überfällige Richtigstellung“ dieser EU-Norm. Sie selbst könnte seinen langen und harten Weg gut nachvollziehen. „Schließlich habe auch ich genügend europäische Erfahrung“, sagt sie schmunzelnd.

Für die CSU-Politikerin hat Schwind ein kleines Geschenk mitgebracht. Neben dem Buch „Empört Euch!“ von Stéphane Hessel, überreicht er ihr einen ganz persönlichen Gutschein: eine geführte Bergtour zur großen Wettersteinspitze in Mittenwald.

Schwind selbst, der für seine Dankesrede nur wenige Zettel braucht, hat seine „wichtigsten Unterstützer und langjährige Weggefährten“ mit nach München eingeladen. Zu ihnen zählen neben Landrat Anton Speer (Freie Wähler) auch Johannes Bracher (bracher bock ingenieure), Christian Seiler (Prodekan der Fakultät Bauingenieurwesen), Peter Seitz (Prüfsachverständiger für Brandschutz), Ronald Kühn (Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe) und Martin Dankesreiter (Prüfingenieur und Prüfsachverständiger für Standsicherheit). „Wir können sehr stolz auf ihn sein“, betont Landrat Speer.

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